Linkbox
Artikel zum Thema
Highlights zum Thema
Pressestimmen zum Thema
Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in Breaking Dawn
Highlights der Woche (KW 43)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteVIPsPressestimme: Josef Fritzl hat die lebenslange Haft mehr als verdient

20. März 2009 Josef Fritzl hat die lebenslange Haft mehr als verdient

Eine Tat, schlimmer als der Tod

Der Standard (Wien):

"Die auf Sensationsgier ausgerichtete Medienmaschinerie verlangte nach Stoff. Da ein Großteil des Prozesses unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand und aus dem Gerichtssaal geplanterweise nichts nach außen gedrungen ist, haben vor allem TV-Kanäle Inszenierungen gesucht. Die Medienmeute hat sich selbst gefüttert, indem sich Kollegen wechselseitig interviewt haben oder Absurditäten behauptet wurden: etwa dass die Nazivergangenheit schuld an den Kellerverliesen sei oder der österreichische Staat Pädophilie fördere. Die Entscheidung des Gerichts, die Öffentlichkeit weitgehend auszuschließen, war richtig und auch nicht ungewöhnlich."

The Times (London):

"Wenn Josef Fritzl seine Strafe in einem gesicherten psychiatrischen Krankenhaus antritt, muss Österreich sich die ernsten Fragen stellen, die während des Gerichtsverfahrens keine Rolle spielten. Dazu gehört die grundsätzliche Frage, ob eine Kultur der Vetternwirtschaft sowie der Geheimniskrämerei und Inkompetenz der Polizei und der Sozialdienste dringend nötige Reformen verhindert haben. Betrachtet man die Fälle der entführten Natascha Kampusch und jetzt Fritzl, dann lautet die Antwort ja. Und das bedeutet, dass sich derartige Verbrechen früher oder später wiederholen werden."

Mlada Fronta Dnes (Prag):

"Einige internationale Medien erwecken den Eindruck, als sei Österreich eine Brutstätte für Perverse, Pädophile und Tyrannen. Aber auch wenn der Fall Fritzl erschütternd ist - er ist nicht einmalig. Belgien wurde von der Affäre Dutroux erschüttert, ähnliche Inzest-Fälle gab es in Frankreich, Deutschland und den USA. Dass Österreich jetzt überall auf den Titelseiten erscheint, liegt daran, dass es binnen 20 Monaten nach Natascha Kampusch der zweite Fall einer schockierenden Entführung ist. Die Angst vor solchen Fällen ist international. Die versteckte Bestie im Menschen ist es leider auch."

Frankfurter Rundschau (Frankfurt):

"Was für ein Erfolg. Kurzer Prozess für Josef Fritzl. Nach nur vier Verhandlungstagen ist der 73-Jährige von einem Geschworenengericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und in eine geschlossene psychiatrische Anstalt eingewiesen worden. Ein schnelles und umfängliches Geständnis, ein auf Eile drängender Richter sowie die kurzentschlossenen Geschworen bereiteten dem Schrecken jetzt auch auf juristischer Ebene ein Ende. Mit anderen Worten: Eine Menge Prozesskosten gespart und auch ansonsten viel Aufhebens vermieden. Dass Fritzls Verteidiger ein besonderes Interesse an einem kurzen Verfahren hatte, versteht sich von selbst."

Süddeutsche Zeitung (München):

"Es wäre schwer gewesen, sich für Josef Fritzl ein anderes Urteil als lebenslange Haft vorzustellen. Mord ist auch nach dem österreichischen Strafrecht das schwerste aller Verbrechen. Aber was Fritzl zunächst seiner Tochter und später den Kindern, die er mit ihr gezeugt hat, angetan hat, das mutet doch in mancher Hinsicht schlimmer an als der Tod."

Neue Ruhr Zeitung (Essen):

"Dennoch weckt die untypische Eile, mit der dieser Jahrhundertprozess abgewickelt wurde, den Verdacht, dass vor allem eines erreicht werden sollte: einen Schlussstrich ziehen. Genauso wenig hinterfragt wurde die Rolle der Ehefrau und Mutter - hat sie gar nichts gemerkt? - sowie das fassungslos machende angebliche Nichtwissen der Nachbarn. Über die Klärung der persönlichen Schuld hinaus hätte der Prozess dazu dienen können, ja müssen, das gesellschaftliche Umfeld zu hinterfragen, in dem diese Verbrechen möglich waren. Die Chance wurde vertan. Der schnelle Schlussstrich ließ das nicht zu."

Ostsee-Zeitung (Rostock):

"Es war ein kurzer Prozess, der den Opfern noch mehr Pein ersparte. Jetzt ist es wichtig, diesen Weg fortzusetzen. Schon kursieren die ersten Fotos Elisabeths auf einem Klinikgelände, schon werden im Hintergrund Unsummen für detaillierte Geschichten aus dem Keller geboten. Der Anfang einer perversen Verwertungskette. Wer es wirklich gut meint mit den Opfern dieses unvorstellbaren Verbrechens, der lässt sie weiter ins Leben finden. Wie sie es wollen."