Nach den neuerlichen Raketentest des Mullah-Regimes im Iran fallen die Kommentare unterschiedlich aus. Von einem bald bevorstehendem israelischem Erstschlag auf iranische Atomanlagen ist ebenso die Rede wie von 'begründeten Sicherheitsinteressen' der theokratischen Clique um Ahmadinedschad. Zumindest in einem Punkt sind sich die Kommentatoren der Welt allerdings einig: Auf eine baldige Entspannung ohne den Einsatz massiver Diplomatie kann der Nahe Osten nicht hoffen.
Milliyet (Istanbul):
"Erst vergangenen Monat hatte Israel vor der Küste Griechenlands ein Manöver abgehalten, um einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen zu proben. In den letzten Tagen gab es zudem eine amerikanisch-britische Militärübung mit Raketen im Persischen Golf. Die iranischen Raketentests dürften eine Antwort darauf sein. Eines von Teherans Geschossen soll sogar Tel Aviv und Ziele in der Golfregion erreichen können. All das sind sehr gefährliche Spiele."
Basler Zeitung (Basel):
"Das Rasseln mit dem Raketensäbel zeugt nicht nur von Stärke. Es verweist auch auf Nervosität. Die Militärs der Islamischen Republik nehmen die Möglichkeit eines israelischen oder amerikanischen Luftangriffs auf ihre Atomanlagen ernst. Dies steht im krassen Widerspruch zu dem, was Präsident Ahmadinedschad sagt: 'Ich garantiere, es gibt keinen Krieg.' Der Präsident verkündet, die USA seien 'wirtschaftlich und politisch bankrott'. Um Israel stehe es auch nicht besser. Ahmadinedschads Analyse lässt zwei Schlüsse zu: Entweder weiss der Iraner nicht, wovon er spricht, oder er ist ein Hasardeur."
Diario de Sur (Malaga):
"Die Tests bedeuten eine weitere Eskalation der Provokationspolitik von Ahmadinedschad gegenüber dem Westen und den Staaten der Region. Hinter dieser Strategie steht der Versuch, Angst zu erzeugen und auf diese Weise für Destabilisierung zu sorgen und überdies den Ölpreis weiter in die Höhe zu treiben."
Daily Telegraph (London):
"Im Nahen Osten herrschen nervenaufreibende Zeiten. Dieses Säbelrasseln des Iran und die starken Worte Israels können außer Kontrolle geraten. Kriegerische Worte können zu Militärhandlungen führen, die die Region und die weltweiten Ölmärkte in Aufruhr stürzen würden. Die Regierung in Teheran sollte bedenken, dass sie gegen eine amerikanisch unterstützte israelische Militäraktion keine Chance hätte. Die Achilles- Ferse des Iran ist die Misswirtschaft. Westliche Öl- und Gasgesellschaften haben wegen der politischen Unsicherheit das Land verlassen, das zeigt seine Verwundbarkeit. Dies sollte die iranische Führung veranlassen, Kompromisse bei ihrem Atomprogramm zu machen."
The Guardian (Lnndon):
"Einiges von dem, was im Iran vor sich geht, ist Getöse. Nach einer Prüfung der Bilder zweifeln Militärexperten die Darstel- lung Teherans an, das Land habe ein Geschoss mit vergrößerter Reichweite abgefeuert. Der Iran hat vielleicht ebenso bei der Anzahl der Tests übertrieben, indem er die veröffentlichten Bilder digital bearbeitet hat. Aber - vieles, was aus dem Iran kommt, ist eben auch nicht nur Wutgeheul. Die israelische Luftwaffe und die iranische Armee haben nun beide ihre Muskeln spielen lassen. Beide Seiten glauben, dass militärische Übungen eine abschreckende Wirkung haben. Monat für Monat wird der Platz für Diplomatie kleiner."
Dagens Nyheter (Stockholm):
"Niemand will einen militärischen Konflikt. Der iranische Präsident Ahmadineschad weckte Bestürzung auf der ganzen Welt, als er 2006 eine Konferenz zur Leugnung des Holocaust einberief. Dass er konkrete Pläne zur Auslöschung von Israel hat, müsste eigentlich zu viel schärferen Verurtei- lungen durch die demokratischen Regierungen führen. Sollten Ermahnungen jedoch fruchtlos bleiben, müssten wir uns auf die nächste Phase einrichten. Wenn die iranische Bedrohung außer Kontrolle gerät, können militärische Einsätze zum einzigen Ausweg werden."
Boston Globe (Boston):
"Ruhig bleiben beim Iran. Was es jetzt braucht, hat Thomas Finger beschrieben. Der Direktor des National Intelligence Council, dem Bindeglied zwischen den verschiedenen US-Geheimdiensten, hat dazu aufgerufen anzuerkennen, 'dass der Iran echte Sicherheitsbedürfnisse hat'. Auch solle Washington begreifen, dass 'Amerika mit ein Grund ist, warum sich Teheran bedroht fühlt'. Vielleicht kann nichts den Iran davon abhalten, Nuklearwaffen anzustreben. Aber solange kein US-Präsident ein Angebot macht, dass die iranischen Intentionen auf die Probe stellt, wird sich nur weiterhin auf die Brust geschlagen. Dann werden weitere militärische Übrungen in der unbeständigsten Region der Welt abgehalten."