La Repubblica (Rom):
"Diese fremdenfeindliche Jagd löst Unbehagen aus. Doch noch fehlt die notwendige moralische Auflehnung dagegen. Vor allem die Politiker halten sich zurück, um sich nicht gegen das Volk zu stellen. Denn dann liefen sie Gefahr, als Verteidiger von Kriminellen angesehen zu werden. Allerdings ist dies eine von den Massenmedien gesteuerte Darstellung. Als handelte es sich hier um ein aufgebrachtes Volk, das letztlich den Einsatz der Ordnungskräfte vorwegnimmt. Aber sind das 'Volk' wirklich jene jungen Leute, die mit Molotow-Cocktails die Habseligkeiten der fliehenden Roma anzünden?"
Der Tagesanzeiger (Zürich):
"Italiens Politik schweigt auffallend laut über den Akt von Selbstjustiz in Neapel gegen Roma-Camps, der in einem Rechtsstaat inakzeptabel ist. Das mag bei der wieder regierenden Rechten kaum überraschen. Und die Medien hantieren sorglos mit dem uralten Vorurteil von Zigeunern, die Kinder stehlen. Jahrhundertelang fingen in Europa so Pogrome an. Die Rolle des moralischen Gewissens bleibt der katholischen Kirche vorbehalten. Dabei braucht Italiens Wirtschaft dringend Immigranten. Noch keine Regierung aber hat es bisher gewagt, dies klar zu formulieren und Massnahmen zu ergreifen, um Einwanderung zu steuern."
tageszeitung (Berlin):
"In Neapel brennen Roma-Barackenlager - und außer der radikal linken Zeitung Il Manifesto mag kein Blatt, mag kein einziger TV-Sender das Wort Pogrom in den Mund nehmen. Italiens Rechte hat schon im Wahlkampf die öffentliche Sicherheit zum 'Notstandsfall Nummer eins' erklärt, und sie hat gleich hinzugefügt, was sie damit meint. Nämlich nicht die Cosa Nostra, die Camorra und die Ndrangheta. Ihrer Ansicht nach ist die Sicherheit bedroht durch Roma und Rumänen. Auch die Linke trug und trägt zur Schaffung dieses Klimas bei. Es war Walter Veltroni, der im letzten November nach einem Mord in Rom den 'Rumänen-Notstand' ausrief und öffentlichkeitswirksam Barackenlager der Roma räumen ließ."
Dilema Veche (Bukarest):
"Weil sie in Italien immer weniger erwünscht sind, denkt über die Hälfte der rumänischen Einwanderer in Italien bereits an eine Rückkehr, heißt es in einer diesjährigen Umfrage der Agentur für Regierungsstrategien in Bukarest. Die Optimisten hoffen, dass diejenigen Rumänen, die nach Hause zurückkehren, mehr als nur eine Zahl in der Statistik sind, die den Trend der Migration angibt. Rumänen, die eine Weile im Ausland gelebt haben, kehren mit einem anderen Bild von der Bedeutung von Staatsbürgerschaft und der Funktionsweise von Behörden zurück. Diejenigen, die zurückkommen, könnten bewusstere Staatsbürger sein, als sie bei ihrer Auswanderung waren. Sie könnten zeigen, dass die rumänische Gemeinschaft sich schneller europäisiert als ihre Staatsführung."
Corriere Della Sera (Mailand):
"Wenn sich die Fernsehkamera auf die Realität der brennenden Camps richtet, verändert sich die Szenerie. Der dicke Mann, der eben noch gerufen hat 'Lasst sie verbrennen!', schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und ruft 'Madonna mia, die Armen'. Ein Junge mit Spiegelbrille wird plötzlich weise: 'Sie müssen fortgejagt werden, aber nicht so'. Die Fernsehkamera wird ausgeschaltet, der Junge bricht in schallendes Gelächter aus. In der Nähe steht eine Gruppe Jugendlicher. Der Anführer ist ein Enkel des Vetters des 'Bürgermeisters' von Ponticelli , jener Ciro Sano, Capo eines Camorra-Clans, der hier Wurzeln geschlagen hat. Der Jugendliche gibt seiner Truppe einen Wink, sie fahren mit ihren Mopeds los, zehn Minuten später steigen aus den Nomandencamps neue Rauchwolken auf. Weiter so in Richtung Mittelalter."