Die Welt (Berlin):
"Die Krönungsmesse ist zelebriert. Seit gestern ist Horst Seehofer bayerischer Ministerpräsident. Auf seinen Schultern lasten hohe Erwartungen: Seehofer soll die CSU aus der Krise führen - und zwar rasch. Schon bei der Europawahl im Juni 2009 geht es ums Überleben, es folgt die Bundestagswahl im September des gleichen Jahres. Ein Wunschkandidat ist Seehofer dennoch nicht. Zu sehr hat der frühere Bundesminister in der Vergangenheit die Nerven seiner Parteifreunde strapaziert. Lediglich aus Mangel an Alternativen ist die CSU auf den 'ewigen Querulanten' angewiesen. Es gibt also keinen Vertrauensvorschuss - ab heute wird mit Horst Seehofer in bar abgerechnet."
Märkische Oderzeitung (Frankfurt an der Oder):
"Um seine Aufgabe ist Seehofer nicht zu beneiden. Kaum wiederholbar scheinen die Zeiten, da absolute Mehrheiten für die CSU selbstverständlich waren. Ein Erfolg dürfte fürs erste schon sein, wenn er den Laden zusammenhält und personell erneuert."
Nordbayerische Kurier (Bayreuth):
"Ein Ritt auf der Rasierklinge. Auch in der CSU haben Seehofer nicht wenige nur mit einem tiefen Grummeln ihr Ja gegeben. Diese neue Form von Geschlossenheit steht noch auf brüchiger Basis. Seehofer muss nun um Vertrauen werben, durch Leistung überzeugen, einen klaren Kurs vorgeben. Kann er das, der Wankelmütige, der mitunter mehr spaltet als verbindet?"
Münchner Merkur (München):
"Wem, wenn nicht ihm, wäre der Erfolg zuzutrauen? Seehofer hat bereits in der souveränen Dankesrede nach seiner Wahl den richtigen Ton getroffen: Seine wichtigste Aufgabe sei es nun, verlorenes Vertrauen für die Politik zurückzuerobern."
Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"Die Franken sind zornig über den kurzen Prozess, den die Oberbayern mit Beckstein gemacht haben, und die Niederbayern granteln wegen des Abmeierns Hubers. Das wird Seehofer bei der Zusammenstellung seines Kabinetts berücksichtigen müssen, wenn er nicht die Wut auf sich lenken will, die immer noch Stoiber gilt. Die Lehren, die aus dieser Kollektivhaftung zu ziehen sind, liegen seit dem Wahldebakel offen zutage. Sie lauten: moderater in Bayern sein, härter in Berlin. Seehofer kann beides, sogar gleichzeitig. Auch wenn ein Konfrontationskurs mit der CDU natürliche Grenzen hat, wird die Partei der Kanzlerin zu spüren bekommen, dass der Selbsterhaltungstrieb der CSU größer ist als ihre Schwesterliebe."