Dziennik (Warschau):
"Hillary Clinton hat es geschafft, mehr menschliche Wärme zu zeigen. Bis vor kurzem präsentierte sie sich als kalte und berechnende Person - jetzt scheute sie sogar nicht davor zurück, während ihrer Wahlkampfrede Tränen zu vergießen. Dieser clevere Imagewechsel half ihr, Obama in New Hampshire zu schlagen."
Politiken (Kopehagen):
"Obama ist noch lange nicht geschlagen. Ja, die Niederlage von New Hampshire kann sich als das genaue Gegenteil erweisen. Denn wenn er die Präsidentschaftswahl gegen einen Republikaner gewinnen soll, muß er zunächst beweisen, dass er sich auch in starkem Gegenwind behaupten kann. Wenn er sich zurückkämpft, hat er gute Chancen. Die Amerikaner lieben Comeback-Kids."
Gazeta Wyborcza (Warschau):
"Viele Faktoren mögen zu diesem Resultat beigetragen haben: Clintons Wahlkampfrede war hervorragend - offen, ernsthaft und optimistisch zugleich. Ihr Versuch, sich von Obama abzugrenzen, scheint Wirkung zu zeigen: Insbesondere ihr Hinweis darauf, sie sei eine Frau der Tat, während Obama nur schöne Worte schwinge, fällt auf fruchtbaren Boden."
Deutsche Welle (Bonn):
"Mit dem Sieg von New Hampshire ist Clinton wieder im Rennen – und wie auch immer man zu ihr und ihrer Politik steht: Sie hätte es nicht verdient gehabt, schon jetzt aus dem Wettbewerb zu fliegen, bevor er überhaupt angefangen hat. Auch das haben die Wählerinnen von New Hampshire verstanden. Auch das Phänomen des plötzlichen Aufsteigers im republikanischen Lager, Mike Huckabee, hat sich durch den Urnengang in New Hampshire relativiert. Der Gewinner hier war der politisch hocherfahrene John McCain. Und so geht der Wettkampf um die Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten weiter. Aber bei der Entscheidung, ob eine Frau oder ein Afroamerikaner schließlich das Rennen machen wird, sind nun auch wieder die Wählerinnen und Wähler der anderen 48 Bundesstaaten gefragt."
Handelsblatt (Düsseldorf):
"Die ersten Analysen zeigen an, dass Clinton vor allem bei ihrer traditionellen Klientel gut abgeschnitten hat, den gewerkschaftsnahen Wählern, die sich vor der heraufziehenden Wirtschaftskrise fürchten und offenbar mit Obama keine Experimente eingehen wollen. Das ist ein Trend, der es mit der wachsenden Gewissheit über die kommende Rezession dem jungen Herausforderer schwer machen wird. Zweitens aber konnte Clinton in New Hampshire verhindern, dass ihr wie zuvor in Iowa die Frauen davonlaufen. Ganz offenbar zeigt ihr neuer Stil Wirkung: weniger dozieren und mehr zuhören, menschliche Züge zeigen. Womöglich war es die eine Situation am Montag nachmittag in dem Coffee Shop in Portsmouth, als ihr plötzlich die Tränen in den Augen standen, die ihr das Herz der Frauen wieder öffnete. Dennoch ist Clintons Comeback eine gewaltige Überraschung, mindestens so groß wie es der Sieg von Obama in Iowa vor einer Woche war. Das Rennen der Demokraten ist damit wieder weit offen und entwickelt sich zu einem offenen Zweikampf der politischen Giganten. John Edwards kann einpacken. Aber das interessiert ja wohl ohnehin keinen mehr. Und was machen eigentlich die Republikaner?