Leipziger Volkszeitung (Leipzig):
"Zu Recht wird Kohl als 'Kanzler der Einheit' bezeichnet.Mindestens genauso viel aber hat er für das Zusammenwachsen Europas getan. Deshalb ist er nicht nur ein großer Deutscher, sondern auch ein großer Europäer. Seinen 80. Geburtstag verbringt Helmut Kohl geistig hell wach, aber körperlich schwer angeschlagen. Seine Krankheit verhindert größere öffentliche Ehrungen, an denen er teilnehmen könnte. Er wird es verkraften, denn ein herausgehobener Platz in der Geschichte der Deutschen, die er so oft und manchmal überzogen pathetisch beschworen hat, ist ihm sicher."
Rhein-Zeitung (Koblenz):
"Helmut Kohl - der Kanzler der Einheit, der Motor Europas, der Vater des Euro, der geniale Instinkt-Politiker, der Hartnäckige, der Zupackende, der Fels, der scheinbar ewige CDU-Vorsitzende, DER deutsche Politiker der 80er- und 90er-Jahre. Aber auch: der Aussitzer, der Zauderer, der naive Verkünder blühender Landschaften im Osten Deutschlands, der Verspottete, der Spenden-Verschweiger. All das trifft, je nach Standpunkt und Perspektive mehr oder weniger, auf Kohl zu - und zeigt in seiner Spannbreite: Kohl und sein Lebenswerk sind nicht in einem Prädikat zu bewerten."
Sächsische Zeitung (Dresden):
"Kohls historische Leistung besteht darin, die staatliche Einheit der Deutschen zu vollenden; unter dem Dach der einen Deutschen Nation, von der schon Kurt Schumacher im Jahre 1946 gesprochen hatte. Er führte die beiden deutschen Staaten wieder zusammen zu einem Staat, der Bundesrepublik Deutschland: mit der Hilfe der Deutschen selbst und dem einzigen frei gewählten Parlament der noch existierenden DDR. Mit der Unterstützung der Verbündeten, der Sowjetunion und unserer europäischen Nachbarn. Die Voraussetzung war deren Vertrauen in das vereinte Deutschland. Dieses Vertrauen hatte Helmut Kohl für sich und die Deutschen erworben: durch seine Europapolitik, durch die Pflege der Freundschaft mit den Vereinigten Staaten und den europäischen Nachbarn, durch seine Bemühungen um gute Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und den osteuropäischen Staaten. So war es möglich, das große Werk der Einheit zu vollenden: durch die friedliche Revolution der Deutschen im Osten und durch die staatliche, wirtschaftliche und soziale Gestaltung der Einheit durch Helmut Kohl. Dafür wird er als ein bedeutender Kanzler der Deutschen in die Geschichte eingehen."
Osnabrücker Zeitung (Osnabrück):
"Unterschätzt worden ist der Pfälzer in seinem 80-jährigen Leben eigentlich lange genug. Sein Dialekt, die Behäbigkeit, die unbeholfene Art beim öffentlichen Auftritt, seine Leibesfülle und die kompromisslose Konservativität: alles Attribute, die ihn zum Spottobjekt machten. Dazu die unrühmliche Rolle in der Spendenaffäre - was für viele in der CDU freilich auch willkommener Anlass war, sich Kohl zu entziehen, der sonst als Machtmensch noch auf Jahre die Partei dominiert hätte. Es kam anders, und so ist Kohl heute vieles, aber kein allgemein geschätzter 'Altkanzler'. Alles spricht dafür, dass er es in Zukunft wird, mit dem Faktor der Einheit im Rücken vielleicht sogar mehr als das. Verdient hätte Kohl die Ehre. Aber um sie selbst noch zu erleben, müsste er wohl erst hundert werden."