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Georgien: Kampf um Südossetien eskaliert

11. August 2008 Georgien: Kampf um Südossetien eskaliert

Micheil Saakaschwili hat hoch gespielt und hoch verloren

Kölnische Rundschau (Köln):

"Eines ist in diesem Krieg eindeutig: Georgiens Führung hat sich völlig verrechnet. Sollte Präsident Saakaschwili geglaubt haben, er könnte im Windschatten der Olympischen Spiele das abtrünnige Südossetien im Handstreich zurückholen, wurde er schnell eines Besseren belehrt. Brutal zeigte Moskau Muskeln und schickte Panzer, um zu unterstreichen: Gegen Russland geht nichts im unruhigen Kaukasus."

Mainpost (Würzburg):

Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):

"Mit einer Großmacht in der Hauptrolle gibt es keinen Regionalkonflikt. Eine Großmacht kämpft auch auf vermeintlichen Nebenkriegsschauplätzen immer um ihre gesamte Stellung in der Welt, vor allem im Vergleich mit den anderen Großmächten. Russlands Militärmaschinerie hat nicht nur die Oberhoheit über den südossetischen Flecken Erde zum Ziel, sondern das ungeschmälerte oder gar vergrößerte 'Ansehen' - in diesem Fall: Furcht und Schrecken - in seiner Nachbarschaft, aber auch bis hin nach Brüssel, Peking und Washington. Russland will nicht und wird nie 'mit sich spielen lassen'".

Die Welt (Berlin):

"Georgien will in die Nordatlantische Allianz und in die Europäische Union. Die Amerikaner unterstützen beides. Vor dem Eintritt in die westlichen Bündnisse muss jedes Land aber seine Grenzprobleme regeln. Der georgische Präsident sah offenbar in der Russifizierungspolitik des mächtigen nördlichen Nachbarn die Gefahr endgültigen Verlusts der umstrittenen Provinzen. Die 'gefrorenen Konflikte' wollte er auf heiße Weise lösen. Dem traten die Russen militärisch entgegen. Der Strahlemann der Rosenrevolution von Tiflis 2004 hat hoch gespielt und hoch verloren. Gegen Russland hat er allenfalls diplomatisch und mit unendlicher Geduld eine Chance, militärisch kann er nur verlieren. Die Chance seines Landes, dermaleinst tatsächlich Teil der westlichen Systeme zu werden, ist Teil des Trümmerhaufens."

Süddeutsche Zeitung (München):

"Es ist die Nato, es sind die USA, es ist der Westen, der auch seine energiepolitische Unabhängigkeit gegenüber Russland mit Hilfe des kaukasischen Flaschenhalses Georgien aufrechterhalten wollte. Putin teilt nun auf seine Art mit: Georgiens Drang nach Westen, Saakaschwilis - durchaus diffuse - demokratische Ambitionen stehen klar im Widerspruch zu russischen Interessen. Medwedew und Putin haben gleichwohl eine Botschaft nicht verstanden. Die Nato ist nicht interessiert an Vasallen oder Feinden an Russlands Grenzen. Wer sich der Allianz anschließt, tut dies aus freien Stücken, vor allem aber, weil er sich mehr Stabilität für sein Land verspricht und mehr Sicherheit vor exakt jenen Gefahren, die Russland an seiner kaukasischen Grenzen nicht bannen will oder kann".

Der Standard (Wien):

"Wäre Georgien schon NATO-Mitglied, wie es vor allem die USAwollten, dann hätte die Allianz jetzt einen Verteidigungsfall.Amerikaner, Deutsche, Kanadier, Spanier - sie alle müssten den Georgiern zu Hilfe eilen und die anlaufende Invasion der Kaukasusrepublik zu beenden versuchen. Man kann es aber auch weiterdenken: Wäre Georgien Mitglied der Nato - kommenden Dezember wollten die Nato-Minister über den Beitrittsplan beraten -, wäre es gar nicht erst zu dem Krieg gekommen. Russland hätte nicht gewagt, Georgien anzugreifen, und Saakaschwili hätte es sich zweimal überlegt - mit freundlicher Nachhilfe des Westens -, ob er die anderen NATO-Staaten in einen Konflikt um eine winzige Separatistenprovinz ziehen darf."

Magyar Nemzet (Budapest):

"Der Versuch, die regionale Krise zu internationalisieren, ist vergeblich. Denn die USA, die zwar am geopolitischen Spiel im Kaukasus interessiert sind, würden jetzt wiederum wegen Tiflis keinen unmittelbaren Konflikt mit Moskau riskieren. Saakaschwili hat daher ein Eigentor geschossen."