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StartseiteDealsPressestimme: George W. Bush hinterlässt deutlich angestiegenen Anti-Amerikanismus
George W. Bush faselt in Sachen Iran drauflos: 'Dritter Weltkrieg’

11. Juni 2008 George W. Bush hinterlässt deutlich angestiegenen Anti-Amerikanismus

Könnte Barack Obama es richten?

Le Figaro (Paris):

"Der Mann mit der texanischen Kantigkeit und einer auf wieder- holten Gewaltstreichen basierenden Politik ist Urheber des wachsenden Anti-Amerikanismus diesseits des Atlantiks. Der Unilateralismus, der Irak-Krieg, das Achselzucken angesichts des Klimawandels und seiner Bevorzugung militärischer Optionen haben der öffentlichen Meinung geschadet. Noch nie waren die USA - oder vielmehr ihr Präsident - in Europa so unbeliebt. Das ist auch der Grund, weshalb das Rennen um die Nachfolge im Weißen Haus so aufmerksam verfolgt wird."

El Tiempo (Bogotá):

"45 Jahre ist es her, dass US-Präsident Kennedy in Berlin die berühmten Worte 'Ich bin ein Berliner' sprach. Was für ein Kontrast zu dem jüngsten Besuch von Bush in Europa! Weder gab es großen Jubel noch große Proteste. Die Europäer sind eher mit ihrer Fußballmeisterschaft beschäftigt. Wird Bush noch einmal nach Europa kommen? Wohl kaum. Vor seinem Amtsantritt hatte er wenig Interesse daran, diesen Kontinent kennen zu lernen, und er hat sich in Europa mehr Feinde als Freunde gemacht."

The Daily Telegraph (London):

"Es gibt auch Positives aus Bushs Regierungszeit. Der Einsatz im Irak hat einen Anschein von Ordnung in dem gottverlassenen Land gebracht, und Al Kaidas Schlagkraft ist von Washington durch seine unerbittlichen Angriffe bedeutend vermindert worden, egal ob im Irak oder in Afghanistan. Und Bush hat Amerika auch vor weiteren Terroranschlägen bewahrt."

Süddeutsche Zeitung (München):

"Bush ist für die große Mehrheit der Deutschen der unbeliebteste US-Präsident seit zwei Generationen. Vieles, was an Dankbarkeit, Respekt und Verständnis in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland gegenüber Amerika gewachsen ist, erodiert wegen Bushs Guantanamo-Regierung. Amerika gilt in Deutschland nicht mehr als Land der individuellen Freiheit, nicht mehr als verlässlicher Bündnispatron, schon gar nicht als Vorbild. Die Zahl der berechtigten Vorwürfe gegen Bushs Politik ist groß. Im Zentrum steht der maßlos gewordene Krieg gegen den Terror, dessen Eigenart dazu führte, dass jenseits der rationalen Auseinandersetzung mit der Bush-Politik auch alle denkbaren Verschwörungstheorien in bisher kaum gekannter Blüte wuchern."

Thüringer Allgemeine (Erfurt):

"US-Präsident Bush ist auf Abschiedstour in Europa. Aber weinen will niemand so recht. Selbst auf seinem letzten großen EU-Gipfel lässt er von seinen Primärzielen nicht ab, fordert mehr Engagement in Afghanistan, Unterstützung für die umstrittene Raketenabwehr und mehr Druck auf den Iran. So macht er es den Verbündeten leicht, adieu zu sagen. Ganz gleich, wer ihm folgt, es wird ein Besserer werden, lautet deren Hoffnung. Doch ob es mit dem auch einfacher wird, ist fraglich. Für Deutschland war es leichter, die Invasion im Irak zu verurteilen, als mit Obama oder McCain gemeinsam ein Ausstiegsszenario umzusetzen. Der Ruf nach den Partnern jenseits des Atlantiks wird nach Bush lauter werden."

Die Welt (Berlin):

"Nicht nur George Bush ist unwillkommen. Wenig willkommen sind spätestens seit Reagans Berlin-Besuch 1987 amerikanische Präsidenten, wenn sie die ungemütliche Seite des Atlantischen Bündnisses verkörpern - das vielen ohnehin als eine Last erscheint, die man bald abwerfen sollte. Was die Bush-Kritiker übersehen: Ob Obama oder McCain, auch der kommende Präsident der USA wird ein schwieriger Partner sein."

Mittelbayerische Zeitung (Regensburg):

"Vor Bushs Ankunft in Meseberg äußerten sich deutsche Politiker in fast beleidigender Weise. Es wäre geschickter gewesen, CDU-Außenpolitiker von Klaeden hätte uns den Satz 'Ich werde George Bush nicht vermissen' erspart. Im Nachhinein lässt sich leicht tönen. Und die Experten müssten wissen, dass die Obamania rasch ein Ende finden kann: Etwa, wenn der Demokrat im Falle eines Wahlsieges von Berlin mehr Truppen für Afghanistan einfordert."

Handelsblatt (Düsseldorf):

"Bush war den Herausforderungen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht gewachsen, weil er sich von falschen Beratern in einen unbegründeten Krieg gegen den Irak drängen ließ und damit eine breite Front gegen den Terror verhinderte. Eine konstruktive Nahostpolitik wurde erschwert, das Regime im Iran gestärkt. Bush hat das Kyoto-Protokoll nicht nur boykottiert, sondern beharrlich unterminiert - und damit anderen Klimasündern wie China eine Steilvorlage geliefert. Das Desaster nach dem Hurrikan von New Orleans hat die Amerikaner beschämt, die Bespitzelung durch eigene Geheimdienste entsetzt. Zu den wenigen Pluspunkten zählen die Steuersenkungen zu Beginn seiner Amtszeit."

Flensburger Tageblatt (Flensburg):

"Er hat die Abrüstungsverhandlungen mit Nordkorea gefördert, die Palästinafrage auf der Agenda gehalten, die Freundschaft mit Indien gestärkt, Afrika unterstützt und Libyen in die Weltgemeinschaft zurückgeführt. Sein hartnäckiger Kurs gegenüber dem Iran bleibt umstritten; aber immerhin hat er sich für eine neue Klimapolitik entschieden."

Neue Ruhr-Zeitung (Essen):

"Der Texaner bot nur die Projektionsfläche für die Ablehnung der US-Politik", glaubt die Essener NEUE RUHR-ZEITUNG. "Er war quasi Blitzableiter und machte es so den Verbündeten leichter, amerikanische Wünsche nach stärkerem Engagement in Irak und Afghanistan freundlich bestimmt abzulehnen. Das wird in Zukunft, vor allem dann, wenn der Mann im Weißen Haus Barack Obama heißt, nicht mehr so einfach sein."

Die Presse (Wien):

"Europa steht Bush angesichts seiner Außenpolitik - insbesondere der Irakpolitik - zwiespältig gegenüber. Bush hat sich allerdings in seiner zweiten Amtszeit mehr um einen Dialog mit den Europäern bemüht. Er hat eingesehen, wie stark er den Beziehungen durch seine Alleingänge geschadet hat. Die Skepsis gegenüber Bushs Plänen im Nahen Osten und im Iran jedoch ist geblieben. Viel Rückendeckung ist hier aus Europa nicht zu erwarten."

La Stampa (Turin):

"Gleich zu Beginn seiner Europa-Reise verlangt Bush von Europa verschärfte Sanktionen gegen Teheran. Am Vorabend seiner Ankunft war bereits von einem abgestimmten Entwurf die Rede. Hinter diesen diplomatischen Manövern steckt eine Übereinkunft zwischen London, Berlin und Paris über Maßnahmen, die über die der Vereinten Nationen hinausgehen und von denen Washington hofft, dass sie von der gesamten Europäischen Union akzeptiert werden. Konkret bekommt das Thema Iran damit einen Spitzenplatz in Bushs Gesprächen in Berlin, Rom, Paris und London."

Wremja Nowostej (Moskau):

"Die führenden Politiker der "Alten Welt" sehen in dem scheidenden US-Präsidenten eine lahme Ente. Mit diesem Etikett muss Bush nun noch sieben Monate lang durch die Welt ziehen. Das Besuchsprogramm in Deutschland ist so ausgerichtet, als hätte Bush bereits seine Amtszeit beendet. Es wird keine flammende Rede in Berlin geben, wie sie einige seiner Vorgänger gehalten haben. Und es werden auch keine intensiven Verhandlungen über die Lösung globaler Konflikte erwartet. Nichtsdestotrotz dürfte Bush auch bei seiner Abschiedsreise weiterhin wie gewohnt das Kriegsbeil schwingen und die Europäer zu entschiedenen Schritten gegenüber dem Iran auffordern."