Milliyet (Istanbul):
"Der Journalist, der auf der Pressekonferenz in Bagdad den amerikanischen Präsidenten mit Schuhen beworfen hat, ist in seiner Heimat zum Helden geworden. Man erinnerte sich daran, wie die Iraker einst die Statue des gestürzten Diktators Saddam Hussein ebenfalls mit Schuhen attackierten. Damals hatten alle erfahren, dass Attacken mit Schuhen und Pantoffeln in der irakischen Kultur einer schweren Beleidigung gleichkommen. - Der Angriff auf Bush sollte seinen Nachfolger Obama nachdenklich stimmen. Denn Umfragen auf der Straße machen deutlich, dass viele Iraker genauso denken."
Daily Star (Beirut):
"Die Geste war in jeder Hinsicht unangemessen und eine Verletzung der guten Sitten. Aber sie wurde nichtsdestotrotz in der arabischen und in der muslimischen Welt von Herzen begrüßt. Bush war gezwungen, sich zu ducken, um den Schuhen auszuweichen, die ein Journalist auf der Pressekonferenz in Bagdad auf ihn warf. Wie kann es sein, dass gerade in dieser Region, in der man Gästen mit größter Gastfreundlichkeit zu begegnen hat, so viele Menschen angesichts dieser Bilder jubelten? Die Antwort ist einfach: Zwar unterstützen die meisten von uns die Prinzipien, auf die Bush sich beruft - darunter Freiheit, Menschenrechte und die Demokratie - aber wir lehnen seine Politik in der Region ab. Genauer gesagt hassen wir diese Politik, weil sie ebendiese Prinzipien so übel untergraben hat."
Dagsavisen (Olso):
"Bush hat am Ende seiner Amtzeit die Schauplätze der Kriege besucht, die er begonnen, aber nicht zu einem siegreichen Ende geführt hat. Ein Mangel an Planung hat sowohl im Irak als auch in Afghanistan zu einem Chaos geführt. Im Irak können wir immerhin ahnen, wie das militärische Engagement der USA nach dem Machtwechsel im Weißen Haus enden wird. Eine Garantie für einen dauerhaften Frieden gibt es aber nicht, und noch immer besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs. In Afghanistan ist die Lage jedoch noch dramatischer. Mehr ausländische Truppen können das Problem nicht lösen, gefragt ist ein rascher Kurswechsel. Die Bevölkerung erlebt die internationale Präsenz vor allem in der Form von bewaffneten Patrouillen, Razzien und im schlimmsten Fall fehlgeleiteten Bomben."
Iran Daily (Teheran):
"Bush denkt über den Irak und Afghanistan immer noch genauso wie vor fünf Jahren, als er an Deck eines Kriegsschiffes verkündete, die Mission sei erfüllt. Ein Beleg dafür sind seine Pressekonferenzen in Kabul und Bagdad. Irakische und afghanische Demonstranten, die gegen sein Erscheinen protestierten, ignorierte er. Bushs erster Satz, die USA hätten beide Länder von der Diktatur der Baath-Partei und von der Engstirnigkeit der Taliban befreit, mag sogar stimmen. Aber seine zweite Behauptung, wonach es heute um den Irak und um Afghanistan besser bestellt sei als damals, entbehrt jeder Grundlage und ist schlicht lächerlich. Daher rührt die Wut der Iraker und der Afghanen, durch die sogar Bushs Pressekonferenzen unsicher geworden sind."
The Times (London):
"Sympathie mit den wütenden Irakern zu empfinden ist einfach. Aber es lohnt sich auch, einmal darüber nachzudenken, was mit einem Kritiker geschehen wäre, der Saddam Hussein mit Schuhen beworfen und beschimpft hätte: vermutlich wäre er mitsamt seiner Familie hingerichtet worden. Und alle, die jetzt in der arabischen Welt über die Tat des Journalisten al-Zaidi jubeln, sollten sich fragen, was man in ihren eigenen Ländern mit einem solchen Reporter machen würde, wenn er etwa den ägyptischen Präsidenten Mubarak oder den syrischen Präsidenten Assad derart angegriffen hätte. Der Irak ist alles andere als perfekt, aber zumindest hat sein Volk die Meinungsfreiheit zu schätzen gelernt."
Der Standard (Wien):
"Die Iraker vom Schlag des schuhwerfenden Journalisten werden ihre Zielscheibe verlieren. Die 'Besatzung' als Wahlkampfthema ist nach Abschluss der Sicherheitsabkommens, das den Abzug aller US-Truppen Ende 2011 festschreibt, vom Tisch. Die souveräne Regierung wird die Verantwortung übernehmen müssen für den Mangel an Service, Infrastruktur, gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit. Aber das Versagen ihrer eigenen Regierungen sind die Araber leider gewöhnt."
Nowyje Iswestija (Moskau):
"Bushs Abschiedsbesuch in Bagdad und Kabul hat gezeigt, dass sich der Schwerpunkt der amerikanischen Außenpolitik nach Afghanistan verlagert. Während der Zwischenfall mit dem irakischen Schuh-Werfer ganz allein eine Quittung für US-Präsident Bush war, da die USA im Irak ja größtenteils auf eigene Rechnung handelten, gelten in Afghanistan andere Maßstäbe. Hier agierten von Beginn an die USA, die UNO, die NATO und alle weiteren Teilnehmer des Anti-Terror-Krieges gemeinsam."