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US-amerikanische Autokonzerne fordern 25 Milliarden Dollar vom Staat

20. November 2008 General Motors, Chrysler und Ford an Misere selbst schuld

Scheck - oder Schock?

Washington Post (Washington):

"Zwar hat die Industrie Kosten gesenkt und ihre Produkte verbessert. Aber dennoch sollten die Firmen nicht darauf beharren, dass allein die Finanzkrise schuld an ihren gegenwärtigen Schwierigkeiten sei, und dass damit die Staatshilfe auch nicht an Forderungen nach Neustrukturierung gebunden werden dürfe. Der Kongress sollte in die Bresche springen, aber nur im Gegenzug für Zusagen, dass die Branche sich reformiert. Andernfalls wären die Finanzhilfen verschwendet."

Dünya (Istanbul):

"Um es vorweg zu sagen: Die Probleme bei General Motors sind hausgemacht. Wegen Absprachen mit Gewerkschaften, muss GM entlassenen Arbeitern und denjenigen, deren Werke geschlossen werden, den vollen Lohn zahlen. Dann kommen noch die hohen Pensionsforderungen der Beschäftigten dazu. Kurz gesagt, GM hat bisher alles falsch gemacht. Die Hilfen für den Konzern sind ein Beispiel dafür, wie Staatsgelder verschwendet werden. Wenn ein US-Autobauer nicht in der Lage ist, Fahrzeuge zu bauen, die auch gekauft werden, dann soll er es lassen."

Tages-Anzeiger (Zürich):

"So herzlos es klingt: Amerikas Autoriesen, deren Ausrichtung auf kleine und sparsame Autos viel zu langsam vorankommt, brauchen einen Schock, keinen Scheck. Die Chancen auf staatliche Milliardenspritzen steigen, je länger die Krise dauert. Solche Infusionen senken jedoch die Opferbereitschaft - mit dem Resultat, dass die durchgeseuchten Autoriesen in der nächsten Krise gleich wieder flachliegen. Auch Europas Autobauer, allen voran Opel, die staatliche Garantien und Gelder fordern, sollten sich bewusst sein: Pflästerlipolitik macht Firmen nicht wettbewerbsfähiger."

Politiken (Kopenhagen):

"Barack Obama will eine grüne Revolution und grünere USA, die sich der internationalen Klimadebatte verpflichten. Doch er steht unter Druck. Das Spiel um die notleidende Autoindustrie wird sein erstes Schlachtfeld. Brechen die drei großen Autokonzerne zusammen, verlieren drei Millionen Amerikaner ihre Jobs. Auch steht Obama in der Schuld der Gewerkschaften, die ihn im Wahlkampf unterstützen. Ein richtungsweisendes Dilemma. Am Ende wird man wissen, wie die Welt zwischen der Rücksicht auf das Weltklima und dem Wunsch, so viele nationale Arbeitsplätze wie möglich zu bewahren, balanciert."

The Independent (London):

"Die Argumente der Autoindustrie sollen zunächst geprüft werden, bevor mehr Fördermittel bereitgestellt werden. Klar, die Autobauer wollen die Rettung gebilligt haben, bevor ein neuer, Lobby-scheuer Präsident am 20. Januar das Amt übernimmt. Aber eine weitsichtigere Lösung, die das Eingreifen des Staates minimiert und gleichzeitig Reformen vorantreibt, ist einem überstürzten Versuch, jeden zu befriedigen, vorzuziehen. Selbst wenn dann die 'Großen Drei' - General Motors, Ford und Chrysler - etwas länger warten müssen."