Jyllands Posten (Arhus):
"Seit den 1930er Jahren hat die Welt eine solche Krise nicht mehr erlebt. Und dennoch macht es keinen Sinn, Spekulationen zu verbieten, Managergehälter zu begrenzen oder ideologische Kreuzzüge zu führen. Die G20 sollten sich darauf konzentrieren, allgemeine Regeln für die globale Finanzwirtschaft zu definieren. Im Moment besteht die Gefahr, die Politik wolle den Finanzsektor an die Kandarre nehmen. Damit aber verliert er jedoch den Spielraum und die Kreativität, die in der Vergangenheit für Wachstum und Wohlstand gesorgt haben."
Wenhui Bao (Shanghai):
"Der Weltfinanzgipfel bedeutet das Ende der G8. Der Aufstieg von Schwellenländern wie China und Indien hat die Struktur der globalen Wirtschaft verändert. Eine Lösung der gegenwärtigen Finanzkrise ist nicht zu erwarten, dennoch dürfte die symbolische Bedeutung beachtlich sein. Reformen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds stehen auf der Tagesordnung. Die Regeln für die Vergabe von Krediten durch den IWF müssen geändert werden. Ebenso die Verteilung der Stimmrechte. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass Europa auf einige seiner Privilegien verzichtet."
Hospodarsky Noviny (Prag):
"Dem Westen bleibt nichts anderes übrig, als sich damit abzufinden, dass in der neuen Wirtschaftsordnung den Entwicklungsländern eine wichtigere Rolle zukommen wird. Das gilt für Saudiarabien und insbesondere für China, dessen Devisen-Reserven an die zwei Billionen Dollar betragen. China allerdings ist von dem Vorschlag, dass es künftig mehr Geld in den Internationalen Währungsfonds einzahlen soll, nicht begeistert. Sein Wirtschaftswachstum, das sich Jahrzehnte lang im zweistelligen Bereich bewegte, hat sich bedenklich verlangsamt. Freie Gelder investiert China lieber in die eigene Wirtschaft als in die internationale Gemeinschaft."
The Independent (London):
"Jedes einzelne Land erfährt die Rezession auf seine Weise. Davon hängt jedoch ab, inwieweit es bereit ist, Kapitalbewegungen zu kontrollieren und Währungsschwankungen in Grenzen zu halten. Natürlich fordern Länder wie China, Indien und Brasilien ein stärkeres Gewicht in internationalen Institutionen wie dem Weltwährungsfonds. Doch weil sie sich als unbeteiligte Opfer der gegenwärtigen Krise fühlen, werden sie nicht geneigt sein, einen Teil ihrer Souvernität an die globalen Institutionen abzutreten."
Nezawissimaja Gazeta (Moskau):
"Zu erwarten sind keine radikalen Maßnahmen, sondern den Auftakt zu einem langen Prozess, um die internationale Finanzarchitektur umzubauen. Dieser Gipfel wird nicht keine neue Ausgabe der Konferenz von Bretton-Woods nach dem Zweiten Weltkrieg werden. Vielmehr sollen die vom französischen Präsidenten Sarkozy vorgeschlagenen Maßnahmen abgehandelt werden, um schrittweise zu einem neuen Finanzsystem zu kommen."
Le Monde (Paris):
"Ein Verhandlungspunkt wird der Ölpreis und seine Schwankungen sein. Auch Investitionen in die Landwirtschaft sind ein wichtiges Thema. Man sollte versuchen, weltweit ein rationales, wachstumsorientiertes Preissystem zu entwickeln. Und schließlich erfordert die sich abzeichnende Rezession wichtige Hilfspläne für mindestens die Hälfte der Weltwirtschaft. Die erweiterte Runde der G8 wird ein globales Treffen zu all diesen Problemen vorbereiten. Es ist zu hoffen, dass die alleinige Ankündigung einer solchen Konferenz bereits zu einer Stabilisierung der Finanzmärkte beiträgt."