Münchner Merkur (München):
"Die Durchhalteparolen des Tandems sind ein unwürdiges Trauerspiel; aber sie sind nur die logische Fortsetzung des vor der Wahl Gesagten: Schon da hatten sich Huber/Beckstein zum Ärger der Wähler verschworen, auf jeden Fall in ihren Ämtern bleiben zu wollen. Die CSU ist im Begriff, nach ihrer Mandats-Mehrheit auch noch den Stolz zu verlieren. Jeder Tag, der nach dem Wahl-Debakel ohne sichtbare Konsequenz verstreicht, vertieft den Graben zwischen der Partei und den enttäuschten Bürgern."
Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"In Bayern wie in Österreich gab es schwaches Führungspersonal, das noch nicht lange im Amt ist, also in der eigenen Partei noch keinen festen Stand hatte, was auch auf die Wähler abfärbt. Hier wie da liefen die Parteien lieber den vielen, zum Teil widersprüchlichen Wünschen der Wähler nach, als dass sie die Leute mit klarem Profil und deutlichen Worten von der eigenen Führungsfähigkeit überzeugt hätten. Wer versucht, das Erfolgsrezept der Populisten zu kopieren, muss sich nicht wundern, dass Wähler am Schluss das Original vorziehen."
Süddeutsche Zeitung (München):
"In Italien und Frankreich sind die alten Volksparteien auseinandergeflogen, in Österreich klammern sie sich in Überlebensangst aneinander und nähren die Rechtsradikalen. In Deutschland, wo alles langsamer geht, blühen erst einmal die kleinen Parteien unterschiedlichster Provenienz auf. Bald aber wird es die Großen noch härter erwischen - zuerst die SPD, dann die CDU. Verlieren bei der Bundestagswahl beide Volksparteien analog zu Bayern, dann wird es für Zweier-Konstellationen arithmetisch nicht reichen und vielleicht sogar für politisch ohnehin sehr schwierige Dreierkonstellationen auch nicht. Dann bleiben die einst Großen so lange beieinander, bis sie selbst klein geworden sind - so wie in Österreich."
Stuttgarter Nachrichten (Stuttgart):
"Das Problem der beiden großen Volksparteien ist sie Entpolarisierung ihrer Politik auf Bundesebene. Zu viel Gemeinsames, zu wenig Trennendes. Zu viele Kompromisse in der Koalition, zu wenig Möglichkeiten zur Positionierung. Wenn Union und SPD Volksparteien bleiben wollen, wenn sie die kleinen Parteien nicht weiter erstarken lassen wollen, dann müssen sie sich eher früher als später voneinander distanzieren. Noch ein Jahr Große Koalition, Durchhalten bis zur Wahl 2009? Lieber nicht."
Fränkische Tag (Bamberg):
"Der Neustart wird ohne Haderthauer und Huber stattfinden. Als neuer Generalsekretär wurde bereits gestern Finanz-Staatssekretär Fahrenschon gehandelt, der, weil ohne eigenen Stimmkreis, nach dem besonders verheerenden Oberbayern-Ergebnis ohne Landtagsmandat dasteht, ansonsten aber als Hoffnungsträger gilt. Und es werden wohl eher Tage als Wochen vergehen, bis Horst Seehofer den Parteivorsitz übernimmt."
Augsburger Allgemeine (Augsburg):
"Seehofer hat, was Huber und Beckstein fehlt: Ausstrahlung, bundespolitische Statur. Ein Mann, der Bierzelte füllen und die Fahne der CSU in Berlin hochhalten kann. Qualitäten, die im Wahljahr 2009 gefragt sind. Gut möglich, dass dem Retter in der Not am Ende des Selbstfindungsprozesses die ganze Macht in den Schoß fällt."
Pforzheimer Zeitung (Pforzheim):
"Auch inhaltlich muss sich etwas tun, will die Union bei der herannahenden Bundestagswahl nicht weiter an Zustimmung verlieren. Die Bayern-Wahl zeigt ganz deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt und zwar für beide Volksparteien: Wenn jeder in die Mitte will, fehlen klare Profile."
Die Welt (Berlin):
"Von nun an gibt es in der Bundesrepublik Deutschland keine Staatspartei mehr. Erst verlor die SPD Nordrhein-Westfalens nach Jahrzehnten ihr Dauerabonnement auf die Landesmacht - gestern hat die CSU ihre einmalige Sonderstellung in Bayern verloren. Der Bruch hat etwas Paradoxes: Obwohl die Partei ein Ergebnis erzielt hat, das anderswo in Deutschland jede Partei als einen sensationellen Sieg feiern würde, ist der Ausgang der Landtagswahl in Bayern für die CSU ein wahres Debakel. Der Nimbus, dass es jenseits der Partei von Alfons Goppel, Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber nur die politische Steppe gibt, ist dahin. Die Union hat gestern jene Festung selbstverständlicher Vormacht verloren, ohne die Angela Merkel nach der Bundestagswahl 2005 in der Opposition verblieben wäre."
Mitteldeutsche Zeitung (Halle):
"Angela Merkel wird das Ergebnis mit Sorge betrachten. Das Formtief der Schwesterpartei ist zu einem ernsten Problem für die Union geworden. Zumal seit gestern klar ist, dass es keine politischen Erbhöfe mehr gibt, die uneinnehmbar sind. Die Verluste der CSU haben vor allem Freien Wählern und Liberalen genutzt, nicht aber der SPD. Die Sozialdemokraten sollten sich fragen, wie schwach ein politischer Gegner eigentlich sein muss, damit die SPD davon profitiert. Die Wellen des politischen Bebens in Bayern werden bis nach Berlin deutlich spürbar sein. Der gestrige Tag hat erneut gezeigt, dass die großen Volksparteien schwächeln. Ein Blick auf den Kalender wird manchem Strategen in den Parteizentralen den Schweiß auf die Stirn treiben: nur noch zwölf Monate bis zur Bundestagswahl."
Main-Echo (Aschaffenburg):
"Edmund Stoiber kommt am heutigen Montag hoffentlich nicht auf dumme Gedanken. Dem früheren Allmächtigen der CSU waren dieser Tage Putschgerüchte nachgesagt worden für den Fall, dass seine Partei bei der Landtagswahl abstürzen sollte. Nun ist die CSU gestern in einem Maße gedemütigt worden, wie das kein Wahlforscher vorausgesagt hat. Dennoch sollte Stoiber ganz still bleiben. Denn er war es, der die CSU auf die schiefe Bahn gebracht hat. Nein, die bayerische Politik wurde gestern nicht auf den Kopf gestellt. Dennoch war es ein historischer Tag. Ob sich die CSU jemals davon erholt und ihre Sonderrolle in der deutschen Politik zurückgewinnt, wird die spannende Frage der nächsten Jahre sein."
Neues Deutschland (Berlin):
"Satt von sattsam bekannter Selbstgefälligkeit ihrer Landesregierung, die die Wähler noch vor fünf Jahren mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit ausgestattet hatten, haben sie die CSU de facto abgewählt. Die da unten wollten nicht mehr, und denen da oben fiel nach dem Debakel mit Landesbank und Transrapid und vielen anderen Bauchlandungen nichts mehr ein. Als Gradmesser volksverbundener Politik blieben der CSU zu guter Letzt nur noch zwei Maß Bier hinterm Steuer. Aber so besoffen wollten sich nicht einmal die Bayern reden lassen."
Ostthüringer Zeitung (Gera):
"Die Kronprinzen hatten es nicht abwarten können, Edmund Stoiber zu beerben. Mit dem Effekt, dass die Neuen schon Monate vor dem Wahltermin zeigten, dass sie nichts besser konnten als ihr Vorgänger. Nun wird eine Personaldiskussion einsetzen um die CSU-Spitzenmännern, die sich mit über 50 Prozent im Rücken gewiss unaufgeregter hätte führen lassen als jetzt."