Zwei Tage nach der Entführung dreier Deutscher am Ararat und nachdem die PKK die ersten Forderungen an die Bundesregierung gestellt hat, ist sich die deutsche Presse sicher: Die angeblichen Freiheitskämpfer der kurdischen Arbeiterpartei sind gefährliche Terroristen, die nicht nur die Türkei in Atem halten. Deswegen sei das Verbot der PKK hierzulande mehr als nur gerechtfertigt. Auch dass die Bundesregierung auf den Erpressungsversuch unter keinen Umständen eingehen will, unterstützen die zahlreichen Kommentatoren.
Die Welt (Berlin):
"Vordergründig geht es der PKK darum, drei Dinge zu erpressen: das deutsche Verbot von 1993 aufzuheben, die Organisation von der europäischen Terrorliste zu streichen und das vom Bundesinnenministerium verhängte Betätigungsverbot für den kurdischen Propagandasender Roj-TV zu annulieren. Nichts davon wird passieren, zumal sich die PKK mit dieser Geiselnahme diskreditiert hat und alle gegen sie gerichteten Anschuldigungen nur bestätigt. Sie weiß das und wollte tatsächlich ein Zeichen ihrer vermeintlich noch vorhandenen Schlagkraft setzen. Aber wie viel Kraft erfordert es, drei unbewaffnete Bergsteiger zu kidnappen. Die Tat ist armselig, ein Akt der Verzweiflung."
Kölnische Rundschau (Köln):
"Die PKK hat die Entführung vor allem aus innenpolitischen Gründen inszeniert. Zuletzt war sie durch mit dem Irak koordinierte militärische Aktionen der türkischen Armee hart in Bedrängnis geraten. Da bietet es sich aus ihrer Sicht an, ein Zeichen von Stärke und Handlungsfähigkeit zu zeigen; zumal in einer Situation, in der die gemäßigt islamistische Regierung unter Staatschef Erdogan im Streit mit den nationalistisch orientierten Hütern des Erbes von Kemal Atatürk um ihre Existenz ringt. Der ohnehin von einer Staatskrise gelähmten Türkei droht eine Zerreißprobe."
Neue Presse (Hannover):
"Die PKK hat immer wieder versucht, ihren blutigen Kampf und den Terror auch nach Deutschland zu bringen. Schließlich leben hier 500.000 Kurden, darunter auch Sympathisanten der Terrorgruppe. Schutzgeldzahlungen, Menschenhandel, Drogenverkauf und Geiselnahmen - die Gruppe schreckt zur Finanzierung ihres Terrors schon lange vor nichts mehr zurück. Das Verbot der PKK in Deutschland war da nur konsequent. Dem Unabhängigkeitsstreben des kurdischen Volkes haben die Geiselnehmer keinen Dienst erwiesen. Wer Touristen kidnappt, ist ein Verbrecher und kein Freiheitskämpfer."
Südwest Presse (Ulm):
"Was die 'Arbeiterpartei' in Kurdistan seit Jahrzehnten an Grausamkeiten gegenüber den Landsleuten begeht, die ihr nicht bedingungslos folgen wollen, mit welchem Terror sie - zusammen, aber nicht gemeinsam mit der türkischen Armee - viele Dörfer, ja ganze Landstriche entvölkert hat, ist eines der noch nicht gesühnten großen Kriegsverbrechen. In Deutschland ist die PKK zu Recht verboten. Hier führt sie einen Untergrundkrieg gegen nationalistische Türken und erpresst kurdische Landsleute um große Geldsummen. Das Wort 'gewaltbereit' reicht zur Charakterisierung der PKK nicht aus - sie ist auch in Deutschland gewalttätig"
Süddeutsche Zeitung (München):
"Karayilan ist der militärische Chef der Kurden-Guerilla. Er hat den Ruf eines Hardliners. Als Abdullah Öcalan nach seiner Verhaftung forderte, die PKK sollte den Kampf in der Türkei einstellen, war der zweite Mann angeblich nicht einverstanden. Erst einmal aber suchte er das Weite und bat um Asyl in den Niederlanden. Nachdem ihm dies verwehrt worden war, ging er in den Nordirak. Konflikte in den eigenen Reihen begleiten die PKK bis heute, dabei soll es auch immer wieder Tote geben."