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Eluana Englaro: Silvio Berlusconi spaltet Opposition mit Euthanasie-Gesetz

10. Februar 2009 Eluana Englaro: Nach dem Tod streitet Italien weiter

Wie die Politik den traurigen Fall instrumentalisiert

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (Zürich):

"Berlusconi hat bisher kaum erkennen lassen, dass er seine Politik oder seinen Lebenswandel an christlichen Werten ausrichtet. Doch als Verbündete im Kampf gegen all jene, die seinen Allmachtsfantasien im Weg stehen, könnte Berlusconi die Kirche gut gebrauchen. Dass diese Verbindung Italien aus der moralischen und politischen Orientierungslosigkeit führen könnte, die sich in der Kontroverse um das Leiden und Sterben Eluana Englaros gezeigt hat, ist jedoch nicht wahrscheinlich."

NEZAWISSIMAJA GAZETA (Moskau):

"Berlusconis Versuch, sich einige Vollmachten, die dem Staatspräsidenten zustehen, anzueignen, verdeutlicht sein Bestreben, eine persönliche Alleinherrschaft einzurichten. Es ist bezeichnend, dass praktisch alle italienischen Kanäle ihre Programme für eine außerordentliche Nachrichtensendung unterbrochen haben, um über den Tod von Eluana Engalo zu berichten. Nur Berlusconi ließ in seinem Kanal die Show 'Big Brother' weiterlaufen. Kein Wunder, wird er doch durch die Reklamekunden für die Werbung zur Prime Time königlich bezahlt."

STANDARD (Wien):

"Der Fall Englaro erinnert unter anderem an die ebenso kontrovers geführte Debatte in den USA um den Tod von Terry Schiavo. Hier wie dort schlägt die Heuchelei sogenannter lebensbejahender Institutionen durch: Das Ganze ist nicht mehr als absurdes Theater, eine Groteske, bei der es wohl kaum um moralische Prinzipien, als vielmehr um die kirchliche Macht beziehungsweise um politisches Kalkül geht - und darum, inwieweit Kirche und Staat Kontrolle über den Körper und damit über den Menschen ausüben können, ohne eigene Fehler eingestehen zu müssen."

MANNHEIMER MORGEN (Mannheim):

"Zum Glück hat Eluana nicht mitbekommen, wie sich Ministerpräsident Berlusconi zum Lebensretter stilisierte, um aus ihrem langen Leiden skrupellos politisches Kapital zu schlagen. Berlusconis Eilgesetz gegen Sterbehilfe verschwindet wohl in der Schublade, dafür will er nun ein Gesetz über Patientenverfügungen durchs Parlament peitschen. Das ist blanker Aktionismus. In den 17 Jahren, in denen Eluana im Koma lag, hätte Italien genügend Gelegenheiten gehabt, das heikle Thema gesetzlich zu regeln. Selbst Eluanas Tod missbraucht Berlusconi zur politischen Profilierung."

SAARBRÜCKER ZEITUNG (Saarbrücken):

"Berlusconi mag aus ehrlicher Überzeugung für das Leben der Koma-Patientin eingetreten sein. Es ist trotzdem erschreckend, mit welcher Arroganz er sich mit allen Mitteln über ein höchstrichterliches Urteil hinwegzusetzen versuchte. Dass er das nicht schaffte, betrübt ihn womöglich mehr als der Tod Eluanas."

WELT (Berlin):

"Es ist angemessen, dass so heftig über Leben und Tod von Eluana Englaro gestritten wurde und wird. Der Umgang mit dem Tod kann Gesellschaften nicht kalt lassen. Wir lassen uns tief erschrecken, weil wir der größten Herausforderung unserer Existenz gegenüber stehen: dass wir sterbliche Wesen sind, die sich mit dem Tod befassen müssen. Dann aber muss im Zentrum der Debatte auch wirklich unsere Sterblichkeit stehen. Während der Vater von Eluana Englaro am Ende einsehen musste, dass er hier den schmerzlichen Tod seines Kindes zu akzeptieren hatte, wollten ihm manche in Italien nicht nur eine noch längere Leidenszeit zumuten, sondern sich zudem vor der schrecklichen Tatsache der Sterblichkeit verschließen. (...) Die Niederlage des Todes sollte durch Technik negiert werden, damit Lebensschützer einen Triumph auskosten könnten."