Neue Zürcher Zeitung (Zürich):
"Zu Beginn der Militäroperation vor über einer Woche erklärte die Armeeführung, die Aktionen gegen die kurdischen Rebellen seien zeitlich begrenzt. Eine Woche später hieß es dann, die Operation werde so lange dauern, bis alle militärischen Ziele erreicht seien. Um welche es sich dabei handelt, wurde nicht gesagt. Am Donnerstag forderten die Amerikaner, welche die türkischen Streitkräfte mit Geheimdienstmaterial versorgen, ein schnelles Ende der Aktionen. Bereits einen Tag später zieht die Türkei ihre Truppen aus dem Nordirak ab, die Militäroperation ist offenbar beendet. Ob die Offensive im Schnee steckengeblieben ist oder ob der amerikanische Druck ein Umdenken bewirkt hat, ist ebenso unklar wie das Ziel, das die Armeeführung verfolgte."
New York Times (New York):
"Das letzte, was der Irak, die Türkei oder die Vereinigten Staaten gebrauchen können, ist noch mehr Chaos in der Region. Bevor die Situation sich weiter verschlechtert, müssen die USA die Türken und die irakischen Kurden zu einem ernsthaften Dialog darüber bewegen, wie sie gemeinsam mit dem Rebellen umgehen sollen. Washington wird zudem Druck auf die türkischen Führer ausüben müssen, damit mehr für die kurdische Minderheit im Land getan wird. Die USA sollten die Türkei ermutigen, die Attraktivität der PKK zu untergraben, indem sie die Rechte der kurdischen Bevölkerung erweitert und ihre Dörfer an der ökonomischen Entwicklung teilhaben läßt."
Vatan (Istanbul):
"Viele hatten erwartet, dass die türkischen Truppen für längere Zeit im Nordirak bleiben. Der plötzliche Rückzug hat für Irritationen gesorgt. Aber es wäre ein taktischer Fehler gewesen, hätte man ihn vorher angekündigt. Zwar hatte die türkische Öffentlichkeit eine Vernichtung der PKK erwartet, doch die Armeeführung hat von so etwas nie gesprochen. Denn das Kurden-Problem muss in der Türkei gelöst werden. Selbst wenn alle PKK-Kämpfer im Nordirak getötet worden wären, würde sich an dieser Tatsache nichts ändern."
Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"237 getötete PKK-Guerrilleros und 27 gefallene Soldaten - das ist der offizielle Preis dieses Unternehmens, das - außer einer geringfügigen Schwächung der PKK, die rasch ausgeglichen sein wird - nichts eingebracht hat. Dem vom Militär nicht besonders geliebten Ministerpräsidenten Erdogan und dem beim Generalstab noch unbeliebteren Staatspräsidenten Abdullah Gül hat die Aktion dazu verholfen, Stärke und 'nationale Gesinnung' zu demonstrieren. Sonst wurde nichts erreicht, im Gegenteil: Die PKK wird den überraschenden Rückzug als Teilsieg verkaufen. Die Kurdenproblematik ist insgesamt so komplex, dass man nicht hoffen kann, sie durch militärisches Eingreifen zu bewältigen."
Der Tagesspiegel (Berlin):
"Die Überbetonung des militärischen Aspekts der Terrorbekämpfung ist in der Türkei leider zu einem Grundsatz geworden, an dem auch die Erdogan-Regierung nicht rüttelt. Nach wie vor ist Ankara in einem Teufelskreis gefangen: Bevor der Terror der PKK nicht aufhöre, werde nicht über Reformen geredet, sagt die Regierung - dabei könnten nur Reformen und Wohlstand die kurdischen Extremisten isolieren und bedeutungslos machen. Wenn sie die politischen und sozialen Wurzeln des Kurdenproblems nicht anpackt, wird die Türkei auch noch in 20 Jahren regelmäßig ihre Armee in den Nordirak schicken müssen."
Nürnberger Zeitung (Nürnberg):
"Es verfestigt sich der Eindruck, der unter starker Medien- Begleitung durchgeführte Vorstoß könnte eine Alibi-Veranstaltung gewesen sein. Ministerpräsident Erdogan, dessen Begeisterung für den Militärschlag von Anfang an begrenzt war, hat demnach lediglich dem Drängen der Militärführung und der Öffentlichkeit nachgegeben, die den Guerillas eine Lektion erteilen wollten. Der Premier weiß nur zu gut, dass das Kurden- Problem nicht militärisch gelöst werden kann. Vielleicht verschafft ihm der Kurz-Feldzug jetzt Raum für politische Manöver."
Neue Osnabrücker Zeitung (Osnabrück):
"Nicht nur in ihre Stützpunkte sind die türkischen Truppen zurückgekehrt, sondern auch auf den Boden der Tatsachen. Die Offensive wurde abgeblasen, ehe sie einen zu großen innen- wie außenpolitischen Schaden anrichten konnte. Dabei war von Anfang an klar, dass die Armee der in den Bergen mit Guerilla- Taktik agierenden PKK nur schwer beikommen konnte. Außerdem war der Spielraum der türkischen Militäroperation von vornherein eingeengt. Dafür sorgte die US-Regierung, die ihrerseits im Wort steht bei den kurdischen Bündnispartnern im Nordirak. Das Machtwort aus Washington läutete denn auch den Rückzug ein."