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9. Januar 2009 Die Commerzbank hat sich an der Dresdner Bank überhoben

Fusion ohne Sinn und Verstand

Neue Zürcher Zeitung (Zürich):

"Die Commerzbank hat sich mit der im vergangenen September angekündigten Übernahme der Dresdner Bank vertan. Der von Anfang an realitätsfremde Plan, unter schwierigsten Rahmenbedingungen aus zwei ertragsschwachen Banken mit sich stark überlappenden Geschäftsfeldern eine schlagkräftige Einheit zu formen, lässt sich aus eigener Kraft nicht mehr realisieren. Im Endeffekt springt nun der Staat ein und finanziert der Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank. Damit trägt er dazu bei, dass eine wenig überzeugende Fusion mit unsicheren Zukunftsperspektiven doch noch zustande kommt."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):

"Der Staat schießt, von sonstigen Garantien abgesehen, insgesamt 18,2 Milliarden Euro in die Commerzbank ein. Die Allianz leistet ebenfalls noch Unterstützung. Die Börse bewertet die Commerzbank aber nur noch mit gut 3 Milliarden Euro. Die Börse geht davon aus, dass der größte Teil des Geldes der Steuerzahler als Ergebnis fehlgeschlagener Geschäfte verlorengehen dürfte. Man gelangt zu zwei Befunden: Die Commerzbank finanziert mit Steuergeldern eine Übernahme, die sie sich aus eigener Kraft nicht leisten könnte. Sie erwirbt eine Bank, deren Verlustrisiken trotz monatelanger Prüfung grob unterschätzt worden sind. Hier liegt ein eklatantes Managementversagen vor, das nicht ohne Konsequenzen bleiben darf."

Die Welt (Berlin):

"Der weitgehende Verzicht auf eine aktive Rolle des Staates im Wirtschaftsgeschehen war über Jahrzehnte einer der Eckpfeiler des ökonomischen Erfolges Deutschlands. Wenn mit dieser Regel nun notwendigerweise zur Sicherung einer der größten Banken des Landes gebrochen werden muss, dann darf dies auf jeden Fall nur zeitlich befristet und mit strikter Selbstbeschränkung der unternehmerischen Einflussnahme des Staates erfolgen."

Mitteldeutsche Zeitung (Halle):

"Dies ist ein schwerer Eingriff in den Wettbewerb - und nach den bisher vorliegenden Informationen ein sehr fragwürdiger. Das Bankenrettungspaket, das aus staatlichen Mitteln finanziert wird, wurde geschaffen, um Bankenpleiten zu verhindern. Dies ist bei der Commerzbank nicht erkennbar. Das Nachsehen haben jene Banken, die ohne staatliche Hilfe die Krise bewältigen wollen. Es ist zu befürchten, dass das Beispiel Commerzbank Schule macht."

Neue Ruhr-Zeitung (Essen):

"Das hätten vor einem Jahr nicht einmal die ärgsten Pessimisten nur zu ahnen gewagt: Eine deutsche Bank wird zum Teil verstaatlicht; muss nach Jahren, in denen die Gewinne nur so flossen und das Geld gescheffelt wurde, nun auf Kosten der Steuerzahler am Leben gehalten werden. - Doch es ist richtig, dass sich der Staat entschlossen engagiert und in das Wirtschaftsgeschehen eingreift, auch wenn es sich bei dem Geld um das des Steuerzahlers handelt. Nur so kann diese hochgefährliche Krise gemeistert werden."