Politika (Belgrad):
"Hätte jemand im März 2003 gesagt, dass der Krieg, der damals begonnen wurde, bis zum heutigen Tag andauern wird, niemand hätte ihm geglaubt. Denn noch im Mai desselben Jahres behauptete US-Präsident Bush, dass die wichtigsten militärischen Operationen beendet seien, sodass es im Irak bald Frieden und Demokratie geben werde. Schon lange hat die Wirklichkeit diese Ankündigungen widerlegt. Statt ein Ort des Friedens ist der Irak zur Front eines nicht enden wollenden Krieges geworden, und zwar eines Bürgerkrieges."
Tagesanzeiger (Zürich):
"Immerhin ist die Gewalt im Irak nach fünf Jahren dank der Allianzen mit ehemaligen sunnitischen Aufständischen und eines weit gehenden Waffenstillstands mit schiitischen Milizen zurückgegangen. Fortschritte auf dem Weg zu einer politischen Aussöhnung wurden jedoch nicht erzielt. Die meisten Truppen innerhalb von 16 Monaten abzuziehen, wie der demokratische Präsidentschaftskandidat Obama es vorschlug, könnte die Gefahr eines Ruanda zwischen Euphrat und Tigris bedeuten. Erst wenn sich ein politischer Wille zur Aussöhnung im Irak zeigt und die irakischen Sicherheitskräfte diesen Namen verdienen, ist ein Teilabzug denkbar."
Guardian (London):
"Die Invasion in den Irak war eine monumentale Fehlkalkulation. Ein Diktator wurde gestürzt, das zog einen Bürgerkrieg nach sich. Die Invasion hat für die Verbündeten der Amerikaner im Nahen Osten, in der Türkei und Israel mehr Probleme geschaffen als für deren Feinde, Iran und Syrien. Iran ist zu einer Regionalmacht aufgestiegen. Vor fünf Jahren wollten die Iraker Saddam Hussein loswerden und gingen von einem raschen Abzug der amerikanischen Truppen aus. Der Abzug lässt noch immer auf sich warten."
Dernières Nouvelles d'Alsace (Straßburg):
"Zehntausende von toten Irakern, Millionen von Flüchtlingen, an die 4.000 getötete US-Soldaten, tägliche Attentate, ein zerstörtes Land. Die USA sind in Misskredit geraten, der islamistische Terrorismus breitet sich aus."
Jiefang Ribao (Peking):
"In seiner Rede zum 5. Jahrestag des Irakkrieges sprach Bush zwar auch von den schweren Verlusten seines Landes durch diesen Krieg, betonte aber auch dessen Unvermeidbarkeit. In der Tat waren die Verluste erheblich, sowohl für die Armee als auch für die Wirtschaft. Die Bilanz für den Irak fällt jedoch weit schlechter aus. Die Frage ist nun, wie die USA aus diesem Dilemma herauskommen? Die Antwort müssen wir wohl der neuen Regierung in Washington überlassen."
Jyllands Posten (Arhus):
"Die Lehre aus den vergangenen fünf Jahren ist, dass die Demokratie nicht aus dem Nichts erwächst. Die USA waren zu schlecht vorbereitet, wussten nicht, was auf Saddam Hussein folgen sollte. Immerhin glauben die meisten Iraker heute, es werde ihren Kindern einmal besser gehen als ihnen; ein Funken Hoffnung. Noch also ist es zu früh, den Irak-Krieg als Fiasko abzuschreiben."
Luxemburger Wort (Luxemburg):
"Fünf Jahre nach Beginn des Irak-Feldzuges verteidigen wohl nur Zweckoptimisten die Intervention der USA mit einer Koalition der Willigen als Erfolg. Der Irak ist noch immer nicht stabilisiert, geschweige denn demokratisiert. Aber bei allen Schwierigkeiten gibt es durchaus Zeichen der Hoffnung: Die terroristische Gewalt ist zurückgegangen. Daher gilt es heute, den Schaden zu begrenzen. Die USA und auch Europa haben ein großes Interesse daran, die Intervention einem akzeptablen Ende zuzuführen. Der bevorstehende Amtswechsel im Weißen Haus bietet eine Chance dazu."
Kommersant (Moskau):
"Während der Republikaner McCain bis zum siegreichen Ende kämpfen will, versprechen die Demokraten Obama und Clinton einen baldigen Rückzug der Soldaten. Für die innere Stabilität des Irak ist diese Konkurrenz unterschiedlichster Konzepte nicht gerade förderlich. Experten sind sich indessen einig, dass ein sofortiger Rückzug zu ähnlich hohen Opferzahlen und finanziellem Aufwand führen würde wie eine Fortsetzung der Irakmission."
Die Welt (Berlin):
"Es ist auch wahr, dass es um Befreiung ging und einer der übelsten Diktatoren der Welt gestürzt wurde. Dass darin eine Chance steckt, hat man in weiten Teilen Europas nicht sehen wollen. Bis zur funktionierenden Demokratie im Irak wird es noch ein sehr weiter Weg sein. Dass er überhaupt eröffnet werden konnte, dafür ist vor allem der feste amerikanische Glaube verantwortlich, für alle Menschen dieser Welt seien Freiheit und Demokratie etwas Gutes und Erstrebenswertes."
Sächsische Zeitung (Dresden):
"Ja, der Irak ist von einem Diktator befreit worden. Mehr positives lässt sich diesem sinnlosen Krieg aber nicht abgewinnen. Ein Krieg, der von Anfang an auf Lug und Betrug gegründet war und so manchem gedient haben mag - nur eben nicht dem Wohl des irakischen Volkes oder Staates."
Westfälischer Anzeiger (Münster):
"George Bush bleibt, was er immer war: unbelehrbar. Längst der Tatsache überführt, einen nie zu gewinnenden Krieg auf Lug und Trug gebaut zu haben, überzieht er seine Nation mit Durchhalte-Parolen. Mehr als je zuvor ist der Alltag für Iraks Menschen beherrscht vom Fanatismus unvereinbarer Volksgruppen, unterstützt von einer Schein-Regierung, unter der Korruption nie gekannte Ausmaße hat. An diesen Fronten läuft der eigentliche, nie erklärte Krieg, an dem auch eine Weltmacht wie Amerika scheitern muss. Das anzuerkennen, wird Sache von Bushs Nachfolger oder der Nachfolgerin; das Erbe eines Verblendeten, das seinem Land noch lange anhängen wird."