Frankfurter Allgemeine (Frankfurt am Main):
"Die runden Gedenktage, an denen sich die schrecklichsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Europa jähren, werden heute als Manifestationen des Pazifismus und der Versöhnung begangen. So erregte es kaum noch Aufsehen, dass die Bundeskanzlerin in Warschau war, als Polen den 11. November als Tag der nationalen Wiedergeburt feierte. Auch wenn sich in neunzig Jahren nichts daran geändert hat, dass Polens Glück Deutschlands dunkle Stunde war, so sagt doch eine solche Einladung mehr über das, was sich in Europa geändert hat, als tausend Konferenzen."
Flensburger Tageblatt (Flensburg):
"Man muss in Angela Merkels Auftritt in Polen statt in Frankreich keine Symbolik sehen. Die Kanzlerin hat sich richtig entschieden. Nicht weil die Freundschaft zu Frankreich weniger bedeutend geworden wäre. Man kann eher der Meinung sein, dass die alte Herzlichkeit einer zu nüchternen Selbstverständlichkeit gewichen ist. Aber weil eben die deutsch-polnischen Beziehungen noch immer fern von jeder Selbstverständlichkeit sind, hat Merkel richtig gewählt. Ihr Erscheinen in Warschau ist ein Bekenntnis, das den gegenseitigen Beziehungen gut tun wird."
The Times (London):
"Es gehört zu den Widersprüchen der Geschichte, dass mit fortschreitender Zeit die Erinnerung an die Opfer lebhafter und nicht schwächer wird. Auch die Lehren, die wir aus der Geschichte ziehen, verändern sich von Generation zu Generation. Seit dem Ersten Weltkrieg wissen wir, dass Kriege nicht nur Leben auslöschen, sondern ganze Zivilisationen vernichten. Mit diesem Bewusstsein wurde Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg neu geordnet. Das Ziel war nicht nur, ein Gleichgewicht der Mächte herzustellen, sondern den Frieden dauerhaft zu sichern. Heute lehrt uns dies, dass es bei modernen Kriegen wie im Irak oder Afghanistan darum geht, die Grundlagen für Demkoratie zu schaffen, damit die Gefahr künftiger Kriege begrenzt wird."
Dernieres Nouvelles D`Alsace (Straßburg):
"Dieser Gedenktag darf nicht starr und unveränderlich bleiben. "Er muss den heutigen Jugendlichen einen neuen, zeitgemäßen Sinn vermitteln. Der Glaube an Europa muss mobilisiert werden. Und es muss daran erinnert werden, dass dieses Ziel immer durch nationalistische und religiöse Fanatismen gefährdet werden kann. Die Barbarei von 1914-1918 ist leider nicht Vergangenheit, das hat uns die Wildheit des Balkan-Konflikts gezeigt."