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StartseiteDealsPressestimme: Barack Obama wäre für Europa kein einfacher Präsident
Barack Obama löst in Berlin nahezu ungetrübte 'Obamania’ aus

3. November 2008 Barack Obama wäre für Europa kein einfacher Präsident

Wie protektionistisch ist der Demokrat?

Rzeczpospolita (Warschau):

"Wenn man die amerikanisch-europäischen Beziehungen Punkt für Punkt analysiert, stellt sich heraus, dass Obama keinesfalls automatisch ein einfacherer Partner für Europa sein muss. Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus China wäre es für die USA und Europa ratsam, eine intensivere Wirtschaftsgemeinschaft aufzubauen, in der es nicht nur niedrige Zölle gäbe, sondern auch eine stärkere Öffnung für Waren und Dienstleistungen von der jeweils anderen Seite des Atlantiks. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass McCain diesem Thema aufgeschlossener begegnen würde als die bisherige US-Regierung. Und auch auf Obama sollte man hier nicht hoffen - der hatte vor kurzem sogar den Sinn der NAFTA in Frage gestellt, der Freihandelszone, die die USA, Kanada und Mexiko verbindet. Die Finanzkrise könnte diese Tendenz zu mehr Protektionismus sogar noch verstärken."

Der Standard (Wien):

"'Gäbe es eine Liste jener Personen, von denen sich John McCain wenige Tage vor der Wahl nicht öffentlich unterstützen lassen wollte, würde Vizepräsident Dick Cheney darauf ziemlich hoch rangieren.' So kommentierte das 'Time Magazine' dessen Cheneys 'endorsement' für seinen republikanischen 'Parteifreund', über das sich McCain ungefähr so gefreut haben muss wie über einen rostigen Nagel im Knie. Das große Problem McCains im Wahlkampf war, dass er sich von der Administration distanzieren musste und gleichzeitig republikanische Kernschichten zu bedienen hatte, die an Bushs Amtsführung im Großen und Ganzen gar nichts auszusetzen hatten. Dieser Spagat ist ihm nicht gelungen, auch weil er in den vergangenen Jahren glaubwürdig als der 'andere Republikaner' aufgetreten ist. Dass ihn nun Cheney zum gewöhnlichen Republikaner macht, ist sein letztes Pech in dieser Kampagne."

Tages-Anzeiger (Zürich):

"Wie verlässlich ist die Arbeit der Demoskopen? In diesem Jahr bewegen sich die Umfragen auf besonders dünnem Eis, weil es sich beim Favoriten um einen afroamerikanischen Kandidaten handelt. Wollten weiße Befragte ihre Vorurteile nicht eingestehen und sprachen sich bei Erhebungen für einen Schwarzen aus, um dann in der Abgeschiedenheit der Wahlkabine doch den weissen Gegenkandidaten zu bevorzugen? Und überhaupt: Was bringen nationale Umfragen noch, nachdem klar geworden ist, dass eine Handvoll sogenannter 'Tossup-States' al- so Staaten, in denen die Wahl stets knapp ausgeht, über den Ausgang entscheidet? Zweifel sind mithin berechtigt."

De Volkskrant (Amsterdam):

"Die Amerikaner wählen immer die falschen Präsidenten. Na ja, mit der Ausnahme von 1992 und 1996, als sie Bill Clinton ins Weißen Haus schickten. So denken die meisten Europäer über die amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Diesmal jedoch sind sie voller Hoffnung, dass die Amerikaner endlich mal wieder jemanden wählen, der nach Ansicht der Europäer der Beste ist für die Vereinigten Staaten und auch für Europa: Barack Obama. Eine 'dritte Amtszeit für Präsident Bush', wie Obama einen möglichen Wahlsieg John McCains gern genannt hat, wäre mehr als die Europäer vertragen könnten."

La Repubblica (Rom):

"Zumindest Westeuropa ist dermaßen erfasst von einer 'Obamanie', dass die Frage erlaubt ist, ob auf unserem Kontinent ein Kandidat Staats- oder Regierungschef werden könnte, der einer ethnischen Minderheit angehört. Ein deutscher Kanzler türkischer Abstammung, ein französischer Staatspräsident mit senegalesischen oder algerischen Wurzeln? Oder eine englischer Premier indischer Herkunft, ein italienischer Staatspräsident oder Regierungschef aus Äthiopien oder Tunesien? Im Kielwasser dessen, was jenseits des Atlantiks geschieht, erklären sich viele Europäer im Gespräch dafür offen. Doch werden sie dann befragt, wie realistisch eine solche Wahl denn überhaupt wäre, überwiegt die Skepsis."