Le Monde (Paris):
"Die Wähler haben für den Wechsel gestimmt. Die zwei Sieger haben die Gemeinsamkeit, nicht zum Establishment von Washington zu gehören, selbst wenn der eine 2004 in den Senat gewählt worden ist. Barack Obama ist der fünfte schwarze Senator in der Geschichte der USA. Sein erster Platz bei der Abstimmung der Demokraten in Iowa macht aus ihm einen ernstzunehmenden Anwärter auf das Weiße Haus. Im republikanischen Lager steht der Sieg des Pastors Mike Huckabee für einen Bruch mit den dominanten Strömungen in seiner Partei."
Lidove Noviny (Prag):
"Dass Obama gegen die politisch erfahrenere Hillary Clinton gewonnen hat, ist ein Zeichen dafür, dass die Wähler das Bedürfnis nach großen Veränderungen haben. Zugleich haben sie damit zum Ausdruck gebracht, dass sie zum Risiko bereit sind. Der Misserfolg Clintons und des Republikaners Romney sprengen auch das gängige Klischee, dass es in der amerikanischen Politik in erster Linie um Management und Geld geht."
Milliyet (Istanbul):
"Dass jetzt ein Schwarzer Präsident werden könnte, ist eine soziale Revolution. Obama hat in seinen Reden große Veränderungen sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik angekündigt. Mit diesem Programm ist er in die liberale Ecke der Demokraten gerückt. Deswegen bedeuten die Stimmen in Iowa auch das Erstarken der linken Mitte Amerikas."
Daily Telegraph (London):
"Der junge Senator wird ständig mit John F. Kennedy verglichen. Aber die vorrangige Gemeinsamkeit der beiden Männer hat bisher noch keiner herausgearbeitet: Seit Kennedy gab es nicht mehr eine so idealistische, junge und allumfassende Gefolgschaft hinter einem einzelnen Herausforderer."
Washington Post (Washington):
"Was auffiel, war die Anziehungskraft von Obamas optimistischer Botschaft und die Art, wie seine gut geölte Wahlkampfmaschine dies an die Wähler übermitteln konnte. Obama spielte die Rolle des inspirierenden Veränderers, während John Edwards den Populisten gab und Hillary Clinton die ultra-fähige Technokratin. Frau Clinton verkaufte das, was ein Stratege der Demokraten als das 'Charisma der Kompetenz' bezeichnete. Auch wenn Obama mitunter unpräzise über seine Pläne blieb, schien das die Wähler, die sich um ihn scharten, nur wenig zu beeindrucken."
Clarin (Buenos Aires):
"Es stellt sich die Frage, wofür Obama inhaltlich tatsächlich steht. Obama will nicht als schwarzer Bürgerrechtler aufgefasst werden, sondern als jemand, der für den Generationenwechsel steht. Seine Vorschläge zu Themen wie Einwanderung, Reform des Gesundheitswesens oder der Rückzug aus dem Irak stehen durchaus im Einklang zur Linie der Demokraten, aber sie sind vorsichtiger formuliert. Und mit dieser Strategie dürfte Obama mehr Erfolg als Edwards haben, der deutlich radikaler auftritt."
Gazeta Wyborcza (Warschau):
"Nun schauen alle auf ihn - und nicht mehr, wie bislang, auf Hillary Clinton. Obama steht ab sofort in der Schusslinie - jeder kleine Fehler wird von seinen Gegnern ausgeschlachtet werden. Wenn er es schafft, sich im Kampf gegen die Clinton- Maschinerie über Wasser zu halten, dürfte es ihm anschließend nicht schwer fallen, die Attacken der Republikaner zu überstehen."
Neue Zürcher Zeitung (Zürich):
Wie die Fahrt der beiden Senkrechtstarter weiter verläuft, wird sich bald zeigen", glaubt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. "Recht günstig sieht es für Obama aus. Der Sieg in Iowa gibt ihm Schubkraft für die nächste Auseinandersetzung, die Primärwahl von New Hampshire am Dienstag. Dort liegt er in den Meinungsumfragen hinter Clinton zurück, aber die Strahlkraft seines Sieges könnte den Rückstand rasch wettmachen. Die erstmalige Nomination eines Nichtweißen zum Präsidentschaftskandidaten scheint näher gerückt. Schon dies rechtfertigt es, von einer historischen Wahl zu sprechen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):
"Nach seinem Sieg in Iowa richten sich die Scheinwerfer auf Barack Obama. Ihm ist es gelungen, den Wunsch vieler demokratischer Wähler - in Iowa vor allem der Erstwähler - nach einem 'Wechsel' zu bedienen: nach einem Parteiwechsel im Weißen Haus und nach einem Generationenwechsel ganz generell. Wenn es Obama gelingt, sich als die alleinige Antwort auf diesen Wechselwunsch darzustellen - so er denn national verbreitet sein sollte -, dann hat er tatsächlich gute Chancen, der demokratische Kandidat zu werden. Der Zweikampf mit Frau Clinton, so viel steht nun fest, wird lang, hart und bitter werden."
Die Welt (Berlin):
"Das Prunkende und Demokratisch-Monarchische, das bis eben noch als ihr Vorteil galt, könnte ihre Achillesferse werden. Dass Hillary Clinton polarisiert und möglicherweise nicht mehr mobilisieren kann als die demokratische Stammwählerschaft, ist schon lange geargwöhnt worden. Nun kommt der Verdacht hinzu, das Dynastische ihrer Kampagne könne ihr schwer zum Nachteil gereichen."
Süddeutsche Zeitung (München):
"Die Reichen hat Bush reicher gemacht, aber nicht nur die Armen, sondern auch viele Mittelklasse-Amerikaner ärmer. Diese Botschaft geht laut und vernehmlich von Iowa ins Land: Die Menschen, Amerikaner in beiden politischen Lagern des Landes, haben genug von der ökonomischen und sozialen Entwicklung ihrer Nation. Sie wollen nicht, dass das soziale Geflecht noch weiter auseinanderreißt, dass die ökonomischen Gegensätze immer größer werden. Das eint die Demokraten und nicht wenige Republikaner. Amerika also will zurückfinden zu seiner Mitte. Das ist die Botschaft von Iowa."
New York Times (New York):
"Das Rennen wird auch in South Carolina, Florida und in anderen Staaten am 5. Februar weitergehen. Das ist gut so, denn dann können ausreichend viele Amerikaner in den bevölkerungsreichsten Staaten daran teilnehmen. Wir hoffen, beide Parteien werden endlich das undemokratische System beenden, in dem die Wahl eines neuen Präsidentschaftskandidaten von der unverbindlichen Empfehlung einiger Wählern in einem Bundesstaat abhängt, die den Rest des Landes nicht notwendigerweise repräsentieren."