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Barack Obama setzt Meilenstein für den Frieden

21. Januar 2009 Barack Obama setzt Meilenstein für den Frieden

Diplomatie statt Waffengewalt

New York Times (New York):

"In seiner Antrittsrede gab Präsident Obama den Amerikanern die Achtung wieder, nach der sie sich gesehnt haben. In rund 20 Minuten wischte er acht Jahre voller falscher Entscheidungen unter George Bush hinweg und versprach, sich Amerikas am meisten geschätzten Idealen neu zu verpflichten. Bush benutzte jahrelang die Angst und die Fremdenfeindlichkeit, um einen verheerenden und unnötigen Krieg zu rechtfertigen und die grundlegendsten amerikanischen Rechte zu unterlaufen. Es war berauschend zu hören, wie Obama es nun einen Fehler nannte, zwischen unserer Sicherheit und unseren Idealen zu wählen."

Los Angeles Times (Los Angeles):

"Er war leidenschaftlich und dringlich, düster und fordernd. Und er tat etwas, das sein Vorgänger Bush niemals getan hat: Er forderte die Amerikaner zu Opfern im Dienste des Gemeinwohls auf. Obama brach sofort mit der schwindeligen Feierlaune der Volksmenge, die sich über die National Mall erstreckte, um eine ernste und ernüchternde Botschaft zu vermitteln: 'Die Herausforderungen, vor denen unsere Nation steht, sind ernst und zahlreich. Sie werden nicht einfach oder in kurzer Zeit zu bewältigen sein. Aber sei versichert, Amerika: Sie werden bewältigt.' Das war nicht die beruhigende, unterstützende Botschaft des 'Yes, we can!' aus dem Wahlkampf. Das war ein nüchternes 'Ja, wir können - aber es wird nicht leicht.'"

Miami Herald (Miami):

"Obama scheint entschlossen zu sein, 300 Millionen Amerikanern ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben, in einem Land voller Unterschiede, geeint durch gemeinsame Herausforderungen. Bisher wurde diese Gemeinsamkeit stets durch die strikte Disziplin militärischer Unternehmungen hergestellt, oder wenn die Nation von außen angegriffen wurde. Die heutigen Herausforderungen kommen von vielen verschiedenen Fronten, von denen nicht alle greifbar oder sichtbar sind. Obama versammelt die Nation mit Disziplin und Optimismus hinter sich - und er hat einen guten Start hingelegt."

Neue Zürcher Zeitung (Zürich):

"Obama weiß natürlich, dass der nun herrschende Geist der Brüderlichkeit nicht ewig erhalten bleibt. Die Flitterwochen eines neuen Präsidenten dauern erfahrungsgemäß höchstens einige Monate. Wenn das Millionenpublikum vor dem Kapitol verschwunden ist, kann Obama immerhin Optimismus aus einer Tatsache ziehen: Im Innern des Kapitols, in beiden Häusern des Kongresses, verfügt er über eine so starke Mehrheit wie kein anderer Präsident des letzten Vierteljahrhunderts. Das eröffnet ihm die Chance, Reformen rasch umzusetzen."

Rossijskaja Gaseta (Moskau):

"Man sollte nicht so naiv sein, sich Barack Obama als kosmopolitische Friedenstaube vorzustellen. Seine Außenpolitik wird möglicherweise wesentlich geschickter und flexibler, geistreicher und raffinierter sein als die George Bushs. Doch sie wird nicht weniger pro-amerikanisch sein. Der neue US-Präsident wird ein anderes Verständnis davon haben, wie das angeschlagene Image der USA in der Welt wieder aufgebessert, die Sicherheit Amerikas gewährleistet und für neue wirtschaftliche Entwicklung gesorgt werden kann. Doch Obama wird nicht weniger kraftvoll und kompromisslos für die Interessen der USA kämpfen, als dies jeder seiner Vorgänger getan hat."

Sydsvenska Dagbladet (Malmö):

"Von Obama wird erwartet, dass er als eine seiner ersten Amtshandlungen das berüchtigte Gefangenenlager in Guantánamo schließt. Das wäre eine überaus kluge Entscheidung. Das Lager hat das Ansehen der USA als Hüter der demokratischen Werte in den Schmutz gezogen, und eine zügige Schließung wäre ein deutliches Signal, dass die USA tatsächlich wie von Obama angekündigt ein neues Kapitel in der Geschichte aufschlagen wollen."

Hospodarske Noviny (Prag):

"Barack Obama hat in seiner Ansprache die Fundamente erwähnt, auf denen Amerika steht: den Glauben an den freien Markt, Pluralität und Tatkraft und vor allem Selbstvertrauen. Überraschend war, dass er nicht seine Vorbilder Lincoln und Kennedy zitiert hat, sondern zurück zu den Wurzeln gegangen ist - zu Staatsgründer George Washington. Das deutet darauf hin, dass er es mit dem Slogan vom Umbau Amerikas wirklich ernst meint."

Haaretz (Tel Aviv):

"Israel wurde in der Rede nicht erwähnt. Aber unsere Regierung sollte der Botschaft aus Washington aufmerksm zuhören. Es war unmöglich misszuverstehen: Obama will die Politik seines Vorgängers beenden, der die Anwendung von Gewalt über die Diplomatie stellte. Der neue Präsident beabsichtigt, mit Staaten ins Gespräch zu kommen, die unter Bush boykottiert wurden, wie Iran und Syrien. Gerade jetzt, wenn Israel sich durch die Militäroperation im Gaza-Streifen trunken vor Macht gibt, sollten wir Obamas nüchternen Worten lauschen: 'Macht allein kann uns nicht beschützen.'"

Arab News (Dschidda):

"Wenn wir, der Rest der Welt, all unsere Erwartungen auf Obama projizieren - die Befriedung des Nahen Ostens, des Irak und Aghanistans, die Rettung der Weltwirtschaft und was es sonst noch zu wünschen gibt - dann sind wir das Problem. Dann sind wir altem Denken verhaftet. Zu erwarten, das Oval Office werde all die nötigen Lösungen hervorbringen, macht die USA nur wieder zum Zentrum der internationalen Entscheidungsfindung. Der Fokus unserer Erwartungen muss sich genauso ändern wie sich die Politik Washingtons ändern muss."