Süddeutsche Zeitung (München):
"Vorerst hat der Parteitag in Denver den Demokraten frischen Mut eingeflößt. Mit fast stalinistisch strenger Regie und medialer Raffinesse hat die National Convention ihren Spitzenkandidaten in einem Fußballstadion zur Inkarnation von Wandel und Aufbruch verklärt. Doch bisher ist es dem Kandidaten Obama nicht gelungen, seiner Kampagne ein klares Ziel zu geben. Seine Formel vom 'Change', einem allumfassenden Wandel, klingt mitreißend - und bleibt doch vage. Das Projekt Obama ist bisher nur er selbst. Obama strahlt als Person, derweil sein Programm verblasst."
Aftonbladet (Stockholm):
"Barack Obama ist der offizielle Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei. Das ist ein enormer Fortschritt in einem Land, in dem die Politik so lange von Rassismus und Konservativismus geprägt war. Im Zentrum des Parteitags steht jetzt seine einzigartige Rolle in der US-Politik und seine hohe symbolische Bedeutung. Obama ist aus dem Nichts gekommen und hat gleich eine ganze Mauer von Vorurteilen niedergerissen."
Der Standard (Wien):
"Wie viele der enttäuschten Hillary-Anhänger ihrem Wahlaufruf nachkommen werden, lässt sich schwer quantifizieren. Die Parteiräson und die Furcht vor einem John McCain, der im Weißen Haus George W. Bushs Politik in weiten Teilen nahtlos weitermachen würde, wird die in Umfragen erhobene Zahl der Renegaten wohl noch sinken lassen. Ob das in dem Dutzend Bundesstaaten, in denen es auf jede einzelne Stimme ankommt, reichen wird, ist fraglich. Das Einzige, was nach diesem Auftritt sicher scheint, ist: Geht die Sache für Barack Obama im November schief, hat Hillary Clinton an diesem heißen Augusttag in Denver ihre erste Wahlkampfrede für die Kampagne im Jahr 2012 gehalten."
El Pais (Madrid):
"Es ist trotz aller Appelle von Hillary Clinton fraglich, wie geeint die Partei tatsächlich zu den Präsidentschaftswahlen im November antritt. Die Erwartungen an Obama sind enorm, und er wird es schwer haben, sie alle zuerfüllen. Umfragen zeigen, dass viele Wechselwähler, die auf der Seite Clintons standen, nun möglicherweise für McCain stimmen werden."
Neues Deutschland (Berlin):
"Spätestens am Montag werden die Republikaner mit ihrer Nominierungsshow die Schlagzeilen bestimmen. Dann wird Obama nach seinem großen Auftritt in Denver im Bus durch die politischen Niederungen von Ohio, Pennsylvania und Michigan touren und mühsamen Wahlkampf für einen Neuanfang und gegen alte Vorbehalte machen. Die unerbittlichen Fragen des Alltags werden die Krönungsfeier schnell vergessen lassen, und der Kandidat ist noch so manche Antwort schuldig."
La Cronica del Hoy (Mexiko-Stadt):
"Die Nominierung von Obama war der Höhepunkt des Parteitags der Demokraten in Denver. Lange war der Wahlkampf vor allem von der Rivalität zwischen Obama und Hillary Clinton geprägt. Diese versuchte, ihren Gegner zwar als charismatischen Mann darzustellen, dem es aber an Erfahrung mangele, das mächtigste Land der Welt zu regieren. Damit aber hat sie auch den Republikanern in die Hände gearbeitet, die zahlreiche dieser Phrasen in ihren eigenen Wahlkampf eingebaut haben."
Westdeutsche Zeitung (Düsseldorf):
"Auch wer den Konvent der US-Demokraten in Denver eher distanziert verfolgt, kann sich der Faszination amerikanischer Wahlkämpfe nicht entziehen: eine fünftägige Krönungsmesse, kalkuliertes Medienspektakel und großartige Inszenierung in einem. Und mit einem Ergebnis, das durchaus das Etikett 'historisch' verdient: Wer sich noch daran erinnert, dass bis tief in die 60er Jahre in den Südstaaten die Parkbänke für 'Weiße' reserviert und die Schulen nach Hautfarbe geordnet waren, der kann ermessen, welch zivilisatorischer Fortschritt die Nominierung des ersten afroamerikanischen Präsidentschaftskandidaten darstellt."