Luxemburger Wort (Luxemburg):
"Gastgeber ist nicht der designierte US-Präsident Barack Obama, sondern George W. Bush. Wirtschaftspolitisch liegen Welten zwischen den beiden Politikern. Die USA stehen vor dem Dilemma, dass Bush schwer angeschlagen ist und eigentlich keine Legitimität mehr hat. Und dass Obama, wie er immer wieder selbst betont, trotz aller Euphorie noch nicht im Amt ist. Letztlich muss also der amtierende Präsident Verantwortung übernehmen. Dennoch wäre eine parteiübergreifende und mit der EU abgestimmte transatlantische Linie dringend vonnöten"
Le Monde (Paris):
"An dem Konzept, auf das sich im Juli 1944 in Bretton Woods 44 Länder einigten, hatten John Maynard Keynes für Großbritannien und Harry Dexter White für die USA bereits seit 1941 gearbeitet. Nichts dergleichen ist dem anstehenden Gipfel der G20 vorausgegangen, im Gegenteil. Er wurde in Eile einberufen, ohne klare Tagesordnung; es gibt keine einheitliche Analyse der Krise und die USA befinden sich im Übergang zwischen zwei Präsidenten. Was kann man unter diesen Voraussetzungen erwarten? Nicht viel."
Dagens Nyheter (Stockholm):
"Immer wieder heißt es, Barack Obama übernimmt das Präsidentenamt in einer extrem schweren Zeit. Doch in Wirklichkeit ist die Krise für ihn selbst ein Geschenk. Wenn er 2012 die Wiederwahl anstrebt, kann es dem Land nur besser gehen als heute. Jedermann weiß, dass er das Land in einer Finanz- und Wirtschaftskrise übernommen hat. Aber spätestens im Jahr 2010 wird sich das Blatt wenden und ein erster Aufschwung bemerkbar machen. Viele werden den Aufschwung mit Obamas Namen verbinden."
Der Standard (Wien):
"Obama betont zwar, dass bis zu seiner Vereidigung am 20. Januar George Bush der einzige US-Präsident ist. Deshalb bleibt er dem Weltfinanzgipfel am Wochenende fern, obwohl die angereisten Politiker viel lieber den neuen als den alten Präsidenten sprechen würden. Gleichzeitig reißt Obama die Initiative immer mehr an sich: Er drängt auf die Verabschiedung eines Konjunkturprogramms und fordert Staatshilfe für Autokonzerne. Seine Berater lassen bereits verlauten, wie sie in Zukunft mit Al-Qaida, Guantánamo und anderen außenpolitischen Problemen umgehen wollen."
The Guardian (London):
"In den Fernsehdebatten sagte Obama immer wieder Sätze wie 'Wir werden Bin Laden töten. Wir werden Al Qaida vernichten.' Obama rückt Al Kaida wieder in den Mittelpunkt amerikanischer Interessen und weitet den Kampf auf die Gebiete der Unterstützer von Al Kaida aus. Er will Truppen aus dem Irak abziehen und Tausende zusätzlicher Soldaten gegen die Taliban aufbieten. Er will anders als Bush den Einsatz über die Grenzen Afghanistans hinaus tragen und die Stammesgebiete im Westen Pakistans einbeziehen, wo viele Bin Laden vermuten. Einfach gesagt: Obama ist keine Taube, er ist ein viel gerissenerer Falke."
The Independent (London):
"Während des Wahlkampfes hat Barak Obama Guantánamo ein 'trauriges Kapitel der US-Geschichte' genannt. Seine Berater arbeiten zurzeit an einem Plan, um die Häftlinge von Guantánamo in die USA zu transferieren. Einige könnten frei gelassen, andere vor Zivilgerichte gestellt werden. Für schwierige Fälle müssten Sondergerichte eingerichtet werden. Republikaner sagen, dass Terrorverdächtige nicht auf US-Boden gebracht werden sollten, liberale Demokraten halten Sondergerichte für überflüssig. Gewiss ist die Schließung von Guantánamo eine komplizierte Angelegenheit. Doch nichts würde der Welt besser zeigen, dass die USA eine neue Regierung haben."
Washington Post (Washington):
"Die Gleichgültigkeit der Politik gegenüber andauernder Armut in unserer Gesellschaft ist ein Skandal; unter Obama wäre sie eine Tragödie. Amerika braucht dringend eine Verteilung des Reichtums - aber nicht einfach als Umverteilung. Die Trennungslinie zwischen den Rassen wird deutlich, wenn man sich die Finanzen ansieht. Das Nettovermögen von weißen und asiatisch-stämmigen Amerikanern lag 2004 bei 142.700 US Dollar. Das Nettovermögen schwarzer Amerikaner belief sich auf 20.400 US Dollar. Der nächste Präsident braucht Berater, die leidenschaftlich für soziale Gerechtigkeit kämpfen."
Neue Zürcher Zeitung (Zürich):
"Michelle Obama wird an der wichtigsten Adresse des Landes nicht vergessen, wo sie herkommt. Im Wahlkampf, bei einem Auftritt in South Carolina, erfuhr sie, dass einige ihrer Vorfahren dort gelebt hatten - als Sklaven. Diese Art von Familiengeschichte - und nicht jene ihres Mannes - hat die afroamerikanische Identität geprägt. Michelle Obama verkörpert die Überwindung einer dunklen Seite des amerikanischen Traumes. Sie hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass die Schwarzen sich im Laufe der letzten Monate und nach anfänglichem Zögern mit Obama identifizierten und schliesslich in rekordhoher Zahl zur Wahl gingen. Barack Obama ist auch dank Michelle Präsident geworden."