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Barack Obama geht auf klare Distanz zu George W. Bush

21. Januar 2009 Barack Obama geht auf klare Distanz zu George W. Bush

Mix aus Demut und Entschlossenheit

Neue Presse (Ulm):

"Inmitten eines Tages voller Pathos und Patriotismus hat Barack Obama recht nüchterne Worte gefunden. Gemessen an seiner aufwühlenden Rede in der Wahlnacht am 4. November blieb der Appell an Tatkraft und Wir-Gefühl seiner Landsleute fast unterkühlt. Nicht Triumph oder Verheißung, sondern Demut und Verantwortung prägten den Ton. Obama hat bereits die Umrisse seines künftigen Wirkens skizziert und ist dabei so deutlich auf Distanz gegangen zu seinem Vorgänger, wie es bei diesem feierlichen Anlass gerade noch möglich war. Seine Berufung auf die amerikanischen Tugenden, seine Hinweise auf Friedfertigkeit, Mitmenschlichkeit und Toleranz waren die Abkehr vom Freund-Feind-Denken der Ära Bush."

Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurt):

"Dass Amerika erstmals einen Farbigen in das höchste Amt der Republik gewählt hat, ist ein Beweis für die Fähigkeiten dieses Landes, sich neu zu erfinden, seine Geschichte, die auch eine der Rassendiskriminierung ist, anzunehmen und gleichzeitig hinter sich zu lassen. Obama beruft sich auf Abraham Lincoln, eine der großen Gestalten der amerikanischen Heilsgeschichte, den Mann, der die Sklaverei rechtlich abgeschafft und versucht hat, die Amerikaner nach einem verheerenden Bürgerkrieg wieder zusammenzuführen. Auf Lincolns Bibel hat Obama den Amtseid abgelegt. Gesungen hat bei der Feier Aretha Franklin, deren Lied 'Respect' eine Aufforderung an die weiße amerikanische Mehrheitsgesellschaft war. Mit Obama hat sie sich erfüllt."

Frankfurter Rundschau (Frankfurt):

"Wer sich an die blutigen Gefechte um die Bürgerrechte vor vierzig Jahren erinnert, der bekommt eine Gänsehaut beim Anblick des neuen Präsidenten. Das Prinzip Hoffnung ist kein leerer Wahn. Obama sagt, das Geschick Amerikas hängt nicht allein von der Führung ab, sondern 'von uns, dem Volk'. Das ist noch der Wahlkampf-Ton. Jetzt ist er der Präsident. Eine Regierung basiert auf Checks and Balances, nicht auf diesem pathetischen, direkten Zugriff auf einen Willen des Volkes. Es ist gut, dass er die Gefahr des Niedergangs der USA betont. Es ist gut, dass er ebenso klarmacht, dass er glaubt, den Niedergang abwenden zu können. Aber das wird nur gelingen, wenn er aufhört, sich als Sprecher eines Volkswillens darzustellen."

Süddeutsche Zeitung (München):

"Responsibility steht für eine dienende Haltung. Und so stellt sich da einer in den Dienst seines Volkes, obwohl er doch an der Spitze dieser Menschen steht und von ihnen bewundert und getragen wird. Obamas Machtdemonstration war auf der Mall in Washington zu sehen, wo sich Millionen stellvertretend in die Pflicht nehmen ließen. Wer so viel Begeisterung und freiwillige Gefolgschaft generiert, der macht es den Gegnern Amerikas schwer. Das Feindbild USA, von vielen lustvoll geschürt und von Terroristen brutal ausgebeutet, wird von heute an nicht mehr so leicht funktionieren."

Münchner Merkur (München):

"Es ist erstaunlich, wie unbeeindruckt dieser 47-Jährige der messianischen Begeisterung von Millionen standhält - Hoffnungen, denen er nach menschlichem Ermessen niemals gerecht werden kann. Wäre Obama nur ein Techniker der Macht, dann würden womöglich jene Recht behalten, die das Ende des amerikanischen Zeitalters schon gekommen sehen. Doch vieles spricht dafür, dass Obama weit mehr ist als nur der einflussreichste politische Entscheidungsträger, auf dessen Respekt die muslimische Welt zählt, auf dessen Kooperation Europa setzen darf: Er ist ein Identitätsstifter."

Die Welt (Berlin):

"Es sieht ganz so aus, als verstehe Obama es, die Hoffnungen ohne Gesichtsverlust in die kalte Luft der Wirklichkeit zu leiten. Im Pathosland Amerika wird man auch diesem Präsidenten nicht verübeln, dass er nicht wirklich ein Wunderheiler ist. Enttäuschung dräut eher im Ausland, Europa voran. Denn schnell wird sich zeigen, dass auch Barack Obama vor allem Präsident der Vereinigten Staaten ist und deren Interessen auf eine Weise vertreten wird, die für Europa durchaus etwas Ungemütliches hat."

Stuttgarter Zeitung (Stuttgart):

"Es sieht ganz so aus, als verstehe Obama es, die Hoffnungen ohne Gesichtsverlust in die kalte Luft der Wirklichkeit zu leiten. Im Pathosland Amerika wird man auch diesem Präsidenten nicht verübeln, dass er nicht wirklich ein Wunderheiler ist. Enttäuschung dräut eher im Ausland, Europa voran. Denn schnell wird sich zeigen, dass auch Barack Obama vor allem Präsident der Vereinigten Staaten ist und deren Interessen auf eine Weise vertreten wird, die für Europa durchaus etwas Ungemütliches hat."

Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg):

"Es sieht ganz so aus, als verstehe Obama es, die Hoffnungen ohne Gesichtsverlust in die kalte Luft der Wirklichkeit zu leiten. Im Pathosland Amerika wird man auch diesem Präsidenten nicht verübeln, dass er nicht wirklich ein Wunderheiler ist. Enttäuschung dräut eher im Ausland, Europa voran. Denn schnell wird sich zeigen, dass auch Barack Obama vor allem Präsident der Vereinigten Staaten ist und deren Interessen auf eine Weise vertreten wird, die für Europa durchaus etwas Ungemütliches hat."

Leipziger Volkszeitung (Leipzig):

"Was wird nach Pop und Pathos bleiben vom Phänomen Obama? Ein Pragmatiker und Vermittler, der nüchterne Politik macht. Schon jetzt diktiert ihm die Finanzkrise andere Prioritäten, muss er seine Wahlversprechen, wie die Gesundheitsreform, hintenan stellen. Er will Amerika zu alter Größe führen, daran gibt es keinen Zweifel, aber er setzt dabei im In- und Ausland mehr auf Dialog als auf Konfrontation. Und er wird die Amerikaner immer wieder daran erinnern, dass er den Wandel nur mit ihnen gemeinsam schaffen kann. Das ist die Botschaft von 'Yes, we can!', die am Tag der Vereidigung die Nation einte. Obama genießt das Vertrauen der Amerikaner. Das ist die wichtigste Rückenstärkung für die Zeit, in der die Hoffnung zur Last wird."

Neue Osnabrücker Zeitung (Osnabrück):

"Afghanistan, Irak, Finanzkrise - in der Sache hat Barack Obama nichts Konkretes gesagt. Die eigentliche Botschaft der pakkenden Amtseinführung ist vielmehr der neue Stil, der seine Präsidentschaft prägen soll. Besonders spannend wird sein, wie Obama seine Friedenssignale gegenüber der islamischen Welt mit Leben erfüllt. Denn die schönen Worte vom Hügel des Kapitols zählen etwa in den Bergen Afghanistans zunächst wenig. Keine Frage, die Amtseinführung war glanzvoll und zum Genießen. Doch jetzt beginnt für den neuen Präsidenten der brutale Alltag im Amt."