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Barack Obama: Internationale Rekationen auf Berlin-Rede

26. Juli 2008 Barack Obama: Internationale Rekationen auf Berlin-Rede

Erfolgreiches Auswärtsdebüt

New York Times (New York):

"Obamas Reden spannen nahezu immer denselben erzählerischen Bogen. Probleme bedrohen uns. Die Chancen stehen gegen die Mächte der Rechtschaffenheit. Aber dann stehen die guten Menschen vereint, und die Mauern fallen zusammen. Obama benutzte in seiner Berliner Rede das Wort 'Mauern' 16 Mal, und elf Mal davon ging es um einstürzende Mauern. Als John F. Kennedy und Ronald Reagan nach Berlin kamen, war ihre Rhetorik ebenfalls hoch fliegend, aber ihr Optimismus war in Realpolitik, Konflikten und unpopulären Entscheidungen begründet. Obama sprach exakt einmal etwas aus, über das sich streiten lässt. Im besten Teil der Rede rief er Deutschland auf, mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken. Der Rest der Rede nährte die Illusion, dass unsere Probleme gelöst werden können, wenn die Menschen nur auf mystische Weise zusammenhalten."

USA TODAY (Mc Lean (Virginia)):

"Berlin war ein äußerst erfolgreiches Auswärts-Debüt. Aber auf Obama wartet die raue Realität. Zwar fällt es selbst seinen Kritikern schwer, die Wirkung der Bilder zu leugnen, auf denen so viele Deutsche amerikanische Fahnen schwenken. Aber sollte Obama Präsident werden, wird von ihm mehr verlangt, als Zuhörer zu bezaubern. Die Fähigkeit, mit den Menschen zu kommunizieren und sie zu begeistern, ist wichtig, aber Urteilskraft, Wissen und kluge Berater sind unendlich wichtiger. Richard Nixon und der erste Präsident Bush waren alles andere als fesselnde Redner, aber ihre außenpolitischen Leistungen gehören zu den besten seit dem Zweiten Weltkrieg."

El Pais (Madrid):

"Berlin schwelgte geradezu in 'Obamanie', aber für Europa bestehen durchaus gewisse Risiken. Die Erwartungen sind im Augenblick denn auch nicht mehr als Erwartungen, denn noch ist Obama nicht der nächste Präsident der mächtigsten Nation der Welt. Und wenn er das tatsächlich wird, könnte es durchaus sein, dass er viele enttäuschen wird, die ihn heute allein dafür bewundern, dass er ein Gegenpol zu Bush ist."

Gazeta Wyborcza (Warschau):

"Obama sagt den Europäern: Ohne Euch können wir die Probleme dieser Welt nicht lösen. Damit verweist er auf die Fehler der scheidenden Bush-Administration und stellt Europa gleichzeitig vor neue Herausforderungen. In Kürze werden wir die Verantwortung für mangelndes Interesse an globalen Problemen nicht mehr einfach auf die amerikanische Arroganz abschieben können. Der Auftritt Obamas hatte die Rede John F. Kennedys in Berlin zum Vorbild. Wir Europäer sollten dieses Vorbild nutzen, wir sollten die Dinge selbst in die Hand nehmen und nicht ständig fragen, was die Welt für Europa tun kann."

Der Standard (Wien):

"Abseits all des gekonnt inszenierten Starkults mag Obamas Tour eine gute Gelegenheit für die Europäer sein, sich selbst noch einmal zu vergewissern, was sie vom kommenden Präsidenten der USA denn erwarten. Die Amerikaner haben Interessen und definieren sie. Die Europäer sollten endlich das Gleiche tun. Wenn Obama die Europäer mit seinem 'Yes, we can' in den Bann zieht, kann es für Brüssel und die Kapitalen der Alten Welt doch eigentlich nicht so schwierig sein, sich auf ein an Washington gerichtetes, gemeinsames 'Yes, we want' zu einigen."

Arab News (Dschidda (Saudi-Arabien)):

"Die Begeisterung für Obama zeigt deutlich, wie tief die Zuneigung Deutschlands zu den Vereinigten Staaten ist. Das Verhältnis mag durch die Ablehnung der Regierung Bush Schaden genommen haben, ist aber immer noch sehr eng. Das ist in Frankreich oder Großbritannien anders. In diesen Ländern hätte Obama kaum die Menschenmassen angelockt wie in Berlin - und das, obwohl die meisten Franzosen und Briten mit Obamas Plänen ebenso konform gehen wie die Deutschen. Sie wollen sicher auch, dass er gewinnt. Aber sie wollen es nicht in einer so überwältigenden Mehrheit wie die Menschen in Deutschland."

Le Monde (Paris):

"Nach Meinungsumfragen sind die Bürger Europas mehrheitlich für Obama, während die Regierungen Gründe haben, etwas zurückhaltender zu sein. Was den Handel anbelangt, so hat sich der Kandidat eher protektionistisch geäußert. Die Europäer müssen befürchten, dass ein von Demokraten beherrschter Kongress verstärkten Druck ausüben wird. Obama ist vielleicht ein 'globaler Kandidat', doch seine Positionen sind es nicht."

The Times (London):

"Wenn es um unmittelbare Bedrohungen unserer Sicherheit geht wie Terrorismus oder Klimawandel, so dürften die USA unabhängig vom Kandidaten für das Präsidentenamt Kontinuität in ihrer Politik zeigen. Neue Probleme können durch die wachsende Macht Russlands entstehen, die Verbreitung von Nukleartechnologie im Nahen Osten und die Instabilität der Weltwirtschaft. Die meisten dieser Herausforderungen können mit einem stärkeren amerikanischen Einfluss besser gelöst werden als mit einem geringeren. Die Zeit ist reif für eine Erneuerung der transatlantischen Beziehungen."

La Reppublica (Rom):

"Diese Reise ist eine Gratwanderung. Es war notwendig für Obama, Kompetenz auch in der Außenpolitik zu zeigen, zu demonstrieren, dass er in der Lage ist, die Sicherheit der USA und Israels zu garantieren. Und dass er der Mann ist, der die Allianz mit der anderen Seite des Atlantiks wieder herstellen kann. Er musste aber eine erdrückende Umarmung vermeiden und durfte nicht das Schoßkind der Europäer werden. Die Mehrheit der Amerikaner würde nie für einen Kandidaten stimmen, der sich zu sehr mit der Alten Welt identifiziert."

Dagbladet (Oslo):

"Draußen in der Welt heimst Obama Lob ein: Er gilt als seriös, intelligent und als guter Zuhörer. Wenn Obama aber nach Hause zurückkehrt, wird er auch auf Wähler treffen, die es für arrogant und wenig volksnah halten, wenn sich ein Präsidentschaftskandidat im Ausland feiern lässt, vor allem wenn es sich dabei um 'Das Alte Europa' handelt."

SME (Bratislava):

"Für die Amerikaner hat die Entwicklung in Israel, Irak und Afghanistan und die damit verbundene Bedrohung eine größere Bedeutung als die Meinung der Europäer. Das Hauptproblem Obamas ist allerdings, dass er an seinem größten außenpolitischen Fehler festhält: an dem Versprechen, die amerikanischen Soldaten aus dem Irak binnen 16 Monaten nach seinem Amtsantritt abzuziehen."

Washington Post (Washington, D.C.):

"Dass McCain derzeit nur Pech hat und die Medien ihre Aufmerksamkeit vor allem Obama schenken, rechtfertigt seine immer aggressiver werdende Rhetorik nicht. McCain wirft seinem Konkurrenten vor, dieser würde einen verlorenen Krieg in Kauf nehmen, um einen Wahlkampf gewinnen zu können. Wenn diese Angriffe weitergehen, wird der Wahlkampf vor allem ein Referendum über John McCains Temperament werden. Im Moment benimmt sich einer der beiden Kandidaten so, wie es der Würde des Präsidentenamtes entspricht. Der andere nicht."