Süddeutsche Zeitung (München):
"Genau wie sein glückloser und vielgescholtener Vorgänger Kurt Beck sieht Müntefering in funktionierenden rot-roten Koalitionen eine Voraussetzung zur Rückkehr der Sozialdemokraten an die Macht - in den Ländern wohlgemerkt. Aber solche Bündnisse kämen indirekt auch der Bundes-SPD zugute. Sie stellt derzeit gerade noch vier Ministerpräsidenten, nur zwei davon regieren ein Flächenland. Als bundespolitische Kraft ist dieses Quartett kaum wahrzunehmen."
Schwäbische Zeitung (Leutkirch):
"Welches ist die Lehre aus dem Fiasko, das Andrea Ypsilanti in Hessen angerichtet hat? Wohl die, dass vor der Wahl gesagt wird, mit wem man nach der Wahl was zu veranstalten gedenkt. Insofern tut Franz Müntefering das Richtige. Aber nur insofern. Denn seine Botschaft bleibt doppeldeutig. Es bleibt hängen: Die SPD will mehr Macht, was legitim ist. Aber ihr Verhältnis zur Linkspartei bleibt ungeklärt."
Ostthüringische Zeitung (Gera):
"Wer von Machtpolitik spricht, ein Zeichen setzen will, zieht den Trennungsstrich nicht mehr prinzipiell, sondern nur noch taktisch. Heute ist es nicht opportun, mit den Lafontaines zu regieren. Übermorgen kann es schon anders aussehen. Hatte Müntefering eine Alternative? Eigentlich nicht. In den Ländern braucht die SPD Spielraum. In Berlin lässt sich ihr Widerspruch beobachten: Im Roten Rathaus ist die Linke salonfähig. Soll sie einige hundert Meter weiter im Bundestag des Teufels sein."
Neue Presse (Hannover):
"Hauptsache Regierung, könnte man die Parole Franz Münteferings zusammenfassen. Hessen hat gezeigt, dass es immer SPD-Fürsten geben wird, die die ideologische Kluft zu den Linken lange nicht so abschreckend finden wie die Aussicht anziehend, mit ihrer Hilfe an die Macht zu gelangen. Im Bund wird die Rechnung ähnlich aussehen, auch wenn die SPD-Spitze diese Option beharrlich ausschließt. Abnehmen kann man ihr das nicht mehr."