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StartseiteLooksPressestimme: Atomkraftwerk Krsko: Wohliges Grausen - oder unheimliche Geheimniskrämerei?
Kaum ein energiepolitisches Tabu-Thema erscheint heute wieder so brisant wie die Kernenergie

6. Juni 2008 Atomkraftwerk Krsko: Wohliges Grausen - oder unheimliche Geheimniskrämerei?

Deutschland bangt vor dem Supermeiler

Die Welt (Berlin):

"Die Deutschen lieben die Angst. Davon spürte man, als die Kunde vom Zwischenfall durch Europa ging, wieder einiges. Skepsis ist gegenüber jeder Großtechnologie gerechtfertigt. Aber nicht eine emotionale Blockade, die nicht bereit ist, neue Argumente zuzulassen. Die Ablehnung der Kernenergie als Teufelszeug war Lebensgefühl und Bekenntnis einer ganzen Generation und zog Kreise bis in die Mitte der Gesellschaft. Welche Techniken die Menschenangst schüren und welche nicht, scheint sich manchmal rationalen Argumenten zu entziehen. 101 Tote in Eschede lassen die Menschen nicht am ICE zweifeln, und auch Tausende tödliche Autounfälle halten niemanden ab, weiterhin dieses Mobilitätsmittel zu wählen."

Der Tagesspiegel (Berlin):

"Weiß eigentlich irgendwer, was am Mittwoch im slowenischen Atomkraftwerk Krsko passiert ist? War was? War nichts? Sollen wir glauben, dass 'nur' jemand ein Formular verwechselt und so die europäische Alarm-Maschine in Gang gesetzt hat? Selbst wenn es am Ende ein unbedeutender Störfall gewesen sein sollte, eines ist klar: Das war ein nuklearer Informations- GAU. Und der Fall zeigt, dass das europäische Alarmsystem nicht funktioniert. Sonst hätte es all die Verwirrung wohl kaum gegeben. Nach diesem Debakel wird einem angst und bange."

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Essen):

"Wer 1986 gebannt vor dem Fernseher saß, nach Tagen der Vertuschung die Schreckensbilder aus Tschernobyl, die rauchenden Reaktortrümmer, die ungeschützten Atomarbeiter im radioaktiven Schrott hantieren sah, wird Transparenz und schnelle Information zu schätzen wissen. Glücklicherweise klingeln bei der EU-Warnstelle 'Ecurie' bislang nur zwei bis drei Mal im Jahr die Alarmglocken. Mit der EU-Ost-Erweiterung sind aber in Bulgarien, Rumänien und der Slowakei einige 'alte Schätzchen' hinzugekommen, die uns noch unangenehme Meldungen liefern werden."

Hannoversche Allgemeine Zeitung (Hannover):

"Nach allem, was bisher bekannt ist, war die Situation im slowenischen Krsko bei weitem nicht so kritisch wie in Forsmark. Zudem hatten wir Glück, wie Bundesumweltminister Gabriel es formulierte, dass die Abschaltung des Reaktors gut funktioniert hat. Aber wie hieß es in der Stellungnahme schwedischer Atomtechniker: Wir können nicht immer Glück haben."

Saarbrücker Zeitung (Saarbrücken):

"Die ängstliche Aufgeregtheit kann man nur ernst nehmen. Denn sie dokumentiert, dass die Gemeinschaft in der Energiepolitik behutsamer agieren muss. Die allzu forschen Forderungen aus der Kommission und einigen Mitgliedstaaten, man solle die Kernenergie als einzige klimaschonende Kraftquelle ausbauen, geht an den Empfindlichkeiten der Menschen vorbei."

Märkische Oderzeitung (Frankfurt an der Oder):

"Der Vorfall zeigt, dass der Risikofaktor Mensch kaum beherrschbar ist. Wer in solch einer Krisensituation - wie in Slowenien geschehen - gefährlich schlampt und zum falschen Mitteilungsformular greift, dem traut man auch zu, dass er in Fällen, in denen es um Leben und Tod geht, den falschen Hebel umlegt. Dass der Chef des Uralt-Reaktors nun sagt, das Problem sei nichts Außergewöhnliches gewesen, trägt ebenfalls nicht zur Beruhigung bei."