Die Pariser Le Monde kommentiert den jüngsten Russland-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Es scheint sich ein 'Merkel-Ton' abzuzeichnen, der stärker an Werten ausgerichtet ist. Sie zögert nicht, unbequeme Wahrheiten angesichts jener auszusprechen, die versucht sind, im Namen der Realpolitik schweigend über die Verteidigung demokratischer Prinzipien hinwegzugehen. Dass sie an der Spitze einer großen Koalition mit den Sozialdemokraten steht, schließt einen radikalen Bruch mit dem diplomatischen Erbe ihres Vorgängers Gerhard Schröder aus. Doch die Achse Paris-Berlin-Moskau, entstanden 2003 wegen des Iraks, scheint überholt. Der 'Merkel-Ton' erinnert an die starken Worte von François Mitterrand, der im Kreml den Namen Sacharows aussprach. Gute Vorzeichen für eine diplomatische Haltung, von der sich Frankreich inspirieren lassen könnte.“