Thüringer Allgemeine (Erfurt):
"Sie zieht es durch. Mögen Alt-Sozis warnen, soll die Union wettern, mag der Wortbruch am Wähler an ihr haften bleiben: Andrea Ypsilanti nimmt mit großen Schritten erneut Anlauf für eine rot-grüne Landesregierung in Hessen, die von der Linkspartei toleriert werden muss. Vorgeblich soll die Stimmung an der Parteibasis erst erfragt werden. In Wahrheit schindet Ypsilanti Zeit - bis die Wahl in Bayern verdaut ist. Ein paar Wochen Frist musste sie ihren Genossen in München und in der Berliner SPD-Zentrale wohl zugestehen. Dort nämlich werden die Sozialdemokraten die Zeche zahlen. Ein hoher Preis für einen überaus wackligen Stuhl in Wiesbaden."
General-Anzeiger (Bonn):
"Andrea Ypsilanti will es auf Biegen und Brechen doch noch schaffen, Koch abzulösen. Dafür hat sie gestern Abend im Landesvorstand grünes Licht erhalten. Weil das aber den Wähler irritiert, wird gleich wieder getrickst. Erst nach der bayerischen Landtagswahl Ende September, nicht, wie eigentlich geplant, vorher, soll ein Parteitag den rot-rot-grünen Kurs absegnen. Allein das zeigt: Man weiß, wie der Plan beim Wähler ankommt."
Hessische/NIedersächsische Allgemeine (Kassel):
"Für Ypsilanti gibt es wohl kein Zurück mehr, die Machtfrage ist zur Überlebensfrage geworden. Unvorstellbar, dass sie konstruktiv unter Roland Koch Politik machten könnte. Und es gibt ein weiteres Argument für den neuen Anlauf: Lieber ein Ende mit Schrecken als dieser Schrecken ohne Ende."
Die Welt (Berlin):
"Als Gerhard Schröder seine Partei auf den Weg des ungemütlichen Reformierens lotste, tat er das, weil er sah, dass auf den bisherigen Pfaden sozialdemokratischer Politik kein Vorankommen mehr war. Wenn die SPD jetzt die Linkspartei auf ihre Rechnung nimmt, gibt sie den Versuch auf, ihre Politik kohärent und aus ihrer Geschichte des vergangenen Jahrzehnts zu erklären. Sie gibt einfach nach, sie verzichtet auf ein Konzept, sie kooptiert nolens volens Oskar Lafontaine. Ihre Botschaft lautet: Sorry, die Sache mit den Reformen war nur so eine Idee, wir können darauf auch verzichten. Das Drama der SPD ist, dass sie nach der Aufgabe ihres vormaligen Reformkurses blank dasteht - und das gar nicht als Mangel empfindet. Die Generation Ypsilanti steht bereit, nicht nur in Hessen. Glaubt die SPD ernsthaft, als Protestpartei reüssieren zu können?"
Offenbach-Post (Offenbach):
"In Hessen, so ist zu befürchten, wird das Ende der SPD als Volkspartei eingeläutet. Inzwischen sind die Umfragewerte bei 20 Prozent gelandet; tiefer waren sie nie. Da erübrigt sich die Frage, wer denn in Wahrheit der Partei, im Endeffekt Deutschland und der Demokratie, am meisten schadet - Wolfgang Clement oder Andrea Ypsilanti. Oder auch Kurt Beck?"