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Alexander Solschenizyn war das Gewissen Russlands

4. August 2008 Alexander Solschenizyn war das Gewissen Russlands

Stimmen zum Tod des Schriftstellers

Nowyje Izwestia (Moskau):

"Sein Hauptwerk - der Archipel Gulag - wurde im Ausland herausgegeben und in der UdSSR als handgeschriebene Kopie verbreitet. Dieses Buch über den Alptraum der sowjetischen Gefangenenlager hat den Platz Solschenizyns in der russischen Literatur für immer gefestigt. Er sagte offen, woran viele nicht einmal zu denken wagten. Solschenizyn war nicht einfach ein Klassiker, und sein Tod ist nicht nur der Tod eines großen Mannes. Sein Tod markiert das Ende einer Epoche. Die Erinnerung daran bleibt aber in seinen Büchern in einer äußerst konzentrierten, geradezu enzyklopädischen Art und Weise lebendig."

Archipel Gulag (Moskau):

"Es geht um die Angst, um die Tränen der Verwandten und das Schweigen der Nachbarn, um das Leben jener, die noch auf freiem Fuß lebten, und jener, die das Wort Freiheit für immer vergessen mussten, um Frauen und Kinder im Lager und schließlich um den Tod. Der Archipel Gulag ist die Beschreibung eines Systems, aus dem es keinen Ausweg mehr gibt; eine Parallelwelt, deren Existenz jeder erahnt, sie aber nicht zu bemerken wagt - bis diese Welt einem selbst zuteil wird."

La Stampa (Turin):

"Viele hegten den Verdacht, dass Alexander Solschenizyn unsterblich ist. Er hat alles überlebt: die Revolution, den Krieg, den Gulag, den Krebs, den KGB, das Exil - all die schlimmen Dinge, die einem Menschen - und besonders einem Russen - im vergangenen Jahrhundert widerfahren konnten. Ihm schien kein gewöhnliches Schicksal beschieden, und sicherlich hätte Alexander Solschenizyn in den langen Jahren seines persönlichen Kampfes gegen den Kommunismus nie gedacht, dass er einmal so sterben würde: In Moskau, in seinem Haus, im Alter von 89 Jahren."

Rzeczpospolita (Warschau):

"Solschenizyn war das Gewissen Russlands und blieb niemandem gleichgültig. Sein politisches Temperament zeigte er bereits kurz nach seiner Rückkehr nach Russland in einer eigenen Fernsehsendung. Es dauerte nicht lang, und das Programm wurde vom Sender genommen. Man behandelte den Schriftsteller immer häufiger wie einen ,Gast aus einer anderen Welt' und verwies auf seine größtenteils archaischen Ansichten, auf seine verbissene West-Kritik und die ablehnende Haltung gegenüber der Demokratie. Solschenizyn war ohne Zweifel ein Panslawist und gleichzeitig ein großer russischer Nationalist."

Dernieres Nouvelles D'Alsace (Strasbourg):

"Mit Alexander Solschenizyn ist eine der letzten Persönlichkeiten der ost-westlichen Konfrontation gestorben. Er war eines der letzten großen Opfer einer bipolaren Welt, die durch den Krieg der Ideologien und der unterschiedlichen Weltanschauungen in zwei Teile getrennt war. Der russische Schriftsteller war als Einzelperson Widerstandskämpfer des Geistes gegen die entsetzliche totalitäre Maschinerie. Deshalb hat er diese universelle Dimension erlangt, die über sein Werk hinausging und die auch seinen Tod überdauern wird."

Izwestia (Moskau):

"Der Beitrag Alexander Solschenitzyns zum politischen, öffentlichen und kulturellen Leben unseres Landes lässt sich kaum überschätzen. Der Schriftsteller hat seinen Namen für immer mit goldenen Buchstaben in die Geschichte der Weltliteratur und jene der Menschenrechte eingeschrieben."