Eine Woche vor den wichtigen Vorwahlen im US-Bundesstaat Pennsylvania bringt sich Barack Obama selbst in Schwierigkeiten. Eine unüberlegt, ehrliche Äußerung Obamas über die Arbeiterklasse in strukturschwachen Regionen Amerikas nützt nicht nur Rivalin Hilary Clinton schamlos aus, sondern auch die Superdeligierten und einfachen Wähler könnten dem auf Wandel setzenden Kandidatin nun die Gefolgschaft verweigern.
Am vergangenen Samstag hatte sich Obama auf einer geschlossenen Veranstaltung für seine Spender im kalifornischen San Francisco über die Arbeiterschaft wie folgt geäußert: „Es ist ja nicht überraschend, dass sie verbittert werden und sich an Waffen oder Religion oder Antipathie gegen Menschen aufrichten, die nicht wie sie sind, oder mit Ressentiments gegen Einwanderer und Freihandel ihre Frustrationen erklären", veröffentlichte die linksliberale Internetzeitung 'Huffington Post'.
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Seitdem wechseln sich wütende Beschimpfungen und unfaire Unterstellungen gegen Obama ab. Dabei ist es keineswegs der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain, der harte Kritik an den Äußerungen Obamas übt, sondern die eigene Parteifreundin Hilary Clinton: „Arrogant und herablassend, elitär und abgehoben" verhält sich demnach der erste schwarze Präsidentschaftskandidat. Die sich als Anwalt der kleinen Leute aufspielende Clinton legt auch weiter nach: „Das Volk braucht keinen Präsidenten, der auf es herabsieht, es braucht einen Präsidenten, der für es einsteht", zweifelt sie an Obamas Eignung für das Präsidentenamt.
Damit könnte Obama seine ehrlich offene Art am Ende teuer zu stehen kommen, denn auch wenn der 46-Jährige zunächst von einer großen Heuchelei seiner Rivalin sprach, mittlerweile musste Obama seine Aussagen relativieren: „Wenn ich mit meiner Wortwahl Menschen beleidigt habe, bedaure ich das zutiefst", entschuldigte sich der demokratische Präsidentschaftskandidat bei der Arbeiterklasse. Doch damit dürfte sich die bisher gesehene Tendenz bei den Vorwahlen, dass Obama besser bei Jungen, Besserverdienenden und Gebildeten ankommt, und Clinton damit eher auf die ausgegrenzten Alten und Arbeiter setzen muss, bestätigen. Vor allem in Pensylvania, einem Arbeiterbundesstaat könnte Clintons Rechnung damit aufgehen, und sie den so wichtigen Vorwahlsieg doch noch schaffen.
Clintons geschickter Schachzug, Obama als abgehoben zu karikieren, erinnert dabei stark an den Präsidentschaftswahlkampf vor vier Jahren zwischen George W. Bush und John Kerry. Damals bezichtigte Bush seinen Widersacher ebenfalls zu arrogant und elitär zu sein. Am Ende stand schließlich die Niederlage des Vietnam-Veteranen Kerry. Doch diesmal wirkt die Szenerie reichlich absurd: Denn dass Hilary Clinton und ihr Ehemann während dessen Amtszeit ein Privatvermögen in Höhe von 110 Millionen Dollar zusammengerafft hatten, und Clinton selbst aus der liberalen Elite stammt, die sie nun angreift, soll keineswegs als abgehoben gelten.
Damit müssen die Wähler am Ende selbst entscheiden, ob sie sich einen ehrlichen Präsidenten wünschen, der auch die unangenehmen Wahrheiten deutlich ausspricht, oder doch eher die ausgefuchste Machtfrau Clinton, die vor allem mit Angriffen auf ihren politischen Gegner punkten will.