Unter Vermittlung der Vereinten Nationen hat der Chef der radikal-islamischen Hisbollah-Milz, Scheich Hassan Nasrallah, einem geplanten Gefangenenaustausch mit Israel zugestimmt. Das israelische Kabinett hatte sein Einverständnis bereits am vergangenen Wochenende gegeben – und damit der libanesischen Regierung um Fouad Siniora Grund zur Schadenfreude gegeben. Der prowestliche sprach von einem Scheitern Israels.
Hassan Nasrallah erwartet den Gefangenenaustausch „um den 15. Juli" herum, wie er in einer aus Damaskus übertragenen Videokonferenz verkündete. Die Verhandlungsgespräche unter Vermittlung eines deutschen UN-Beauftragten hatten damit mehr als ein Jahr gedauert.
Die aktuelle Übereinkunft mit dem israelischen Kabinett sieht unter anderem die Übergabe zweier vermutlich toter Soldaten an Israel vor, die die Hisbollah zu Beginn des Krieges zwischen Israel und dem Libanon Anfang 2006 festnahm. Im Gegenzug will Israel fünf libanesische Häftlinge sowie die Leichen von etwa 200 Hisbollah-Kämpfern freigeben.
Einige der Gefallenen sollen Nasrallah zufolge bereits während der israelischen Libanon-Invasion von 1982 ums Leben gekommen sein. Israels Zustimmung zu dem ungleichen Leichen-Austausch mit der Hisbollah führen Pressestimmen auf Eigenheiten der jüdischen Religion zurück: Das Judentum glaube an eine Wiederauferstehung der Toten und legt deshalb großen Wert auf eine Beerdigung aller Körperteile. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sprach indessen selbst von einer "höchstmoralischen Angelegenheit".
In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung wertete der libanesische Premierminister Fouad Siniora das israelische Abkommen mit der Schiiten-Miliz als israelisches Scheitern. Der Gefangenenaustausch sei hingegen ein "nationaler Erfolg" für die militante Schiiten-Gruppe. Das frühere Knesset-Mitglied Asmi Bischara schloss sich Siniora an, und sprach von einem „militärischen, finanziellen und moralischen Scheitern Israels", das den "Sieg der Hisbollah" fördere.
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Erst vor kurzem hatte die britische Regierung den militärischen Flügel der libanesischen Hisbollah auf ihre Terrorliste gesetzt, weil die Organisation den Terrorismus im Irak und in den Palästinenser-Gebieten unterstütze. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah hatte daraufhin erklärt, die Entscheidung der britischen Regierung als Auszeichnung zu werten. Die Hisbollah und die pro-westliche Beiruter Regierung experimentieren gerade an einer prekären Form der Zusammenarbeit. (sbe)