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Colin Powell empfiehlt Barack Obama – John McCain im Hinterreffen

21.10.2008REPUBLIKANER WECHSELT DIE SEITEN

Colin Powell empfiehlt Barack Obama – John McCain zurückgeworfen

Exakt zwei Wochen vor der richtungsweisenden Präsidentschaftswahl hat sich in den USA geradezu Historisches ereignet. In einer Fernsehtalkshow bekundete der ehemalige republikanische Außenminister Colin Powell seine Sympathie für den Demokraten Barack Obama, und betonte, bei der Wahl für den Senator aus Illinois zu stimmen. Damit zeigt sich, dass John McCains überhart geführter Wahlkampf auch Spuren innerhalb der eigenen Partei hinterlässt. Weitere gemäßigte Republikaner könnten Powell folgen.

Die Lage für McCain ist im Moment sowieso nicht einfach, liegt doch Obama nach den überzeugenden TV-Duellen in allen Umfragen mit sechs oder mehr Punkten in Führung. Dass sich nun auch noch ein einflussreicher und beliebter Republikaner wie Colin Powell offen zum politischen Gegner bekennt, muss für den 72-Jährigen wie ein Schuss ins Bein sein. Vor allem die Art und Weise, in der Powell in der Talkshow 'Meet the Press' Fehler McCains im Wahlkampf auflistete, hat etwas von einer Ohrfeige.

Da wäre zum einen die „Unsicherheit" McCains im Umgang mit der Wirtschaftskrise. „Fast jeden Tag gab es ein anderes Angehen an das Thema, und ich gewann den Eindruck, er habe unsere Wirtschaftsprobleme nicht in vollem Umfang verstanden", urteilte Powell am Sonntagabend. Diese Meinung hat der Ex-Außenminister nicht exklusiv, sondern teilt sie mit einem Großteil der amerikanischen Bevölkerung.

Auch der „Rechtsschwenk" einer „sich verengenden" republikanischen Partei habe zu seinem Entschluss für Obama beigetragen, erklärte Powell. McCains Entscheidung, Sarah Palin als Kandidatin für das Amt des Vize-Präsidenten zu nominieren, zeuge außerdem von mangelndem Urteilsvermögen, denn es habe sich gezeigt, dass die Gouverneurin aus Alaska „für das Amt nicht vorbereitet ist." Der immer härter geführte republikanische Wahlkampf, der auch vor Polemiken und persönlichen Attacken nicht zurückschreckt, sei außerdem „unziemlich", betonte Powell.

„Wir brauchen einen Präsidenten, der einen Generationenwechsel darstellt", unterstrich der Ex-Sicherheitsberater Ronald Reagans. Auch wenn es ihm nicht leicht falle, einen langjährigen Freund wie John McCain zu enttäuschen. Powell versicherte außerdem, seine Unterstützung für Obama rühre nicht daher, dass beide Afroamerikaner seien. Obama verstehe es, die Amerikaner zu inspirieren, er habe „alle in seine Kampagne eingeschlossen". Die Amerikaner sollten „stolz sein", wenn Obama gewinne. „Nicht nur die Afroamerikaner."

„Obama hat Stil und Substanz, und er kann ein großer, ein herausragender Präsident werden. Er ist eine transformierende Gestalt. Mit ihm betritt eine neue Generation die Bühne der Welt und Amerikas. Deshalb werde ich Senator Barack Obama wählen", lautete die abschließende Lobrede des Republikaners auf den Demokraten.

Auch wenn Powell stets als gemäßigter Republikaner galt, kommt der Seitenwechsel des renommierten Außenpolitikers überraschend. Obama zeigte sich auch überrascht und erfreut über die unerwartete Rückendeckung aus der gegnerischen Partei. Bei einem Wahlkampfauftritt in North Carolina lobte Obama den ersten Außenminister unter George W. Bush als „einen großen Soldaten, einen großen Staatsmann und einen großen Amerikaner". Bei einem Wahlsieg werde er Powell einen Posten im Weißen Haus anbieten, rief Obama seinen Anhängern zu.

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Schon fragen sich die Polit-Experten in den USA, welcher Republikaner als nächstes die Seiten wechseln könnte. Nicht selten fällt dabei der Name Condoleezza Rice. Die amtierende Außenministerin gilt wie Powell als gemäßigte Republikanerin, auch ihr dürfte der „Rechtsschwenk" der Partei nicht behagen. Auch hat Rice während des gesamten Wahlkampfs kein Wort zur Unterstützung McCains geäußert. (mre)

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