Es sollte nur ein lockerer Scherz werden – doch wie so oft vergriff sich der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi in der Formulierung. Bei einem Staatsbesuch in Russland sagte der 72-Jährige, der designierte US-Präsident Barack Obama sei "jung, ansehlich und sogar gebräunt". Die Opposition in Italien zeigt sich entsetzt.
Die Äußerung Berlusconis fiel am gestrigen Donnerstag bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dmitiri Medwedew in Moskau. Ein Reporter hatte Berlusconi gefragt, wie er nach der US-Wahl die Zukunft der russisch-amerikanischen Beziehungen sehe. Der italienische Ministerpräsident antwortete, er erwarte eine einfachere Zusammenarbeit der beiden Staaten. Medwedew und Obama hätten vieles gemeinsam, zum Beispiel das Alter, erklärte Berlusconi. Dann sagte der 72-Jährige: „Ich habe ihm Medwedew gesagt, dass Obama alles hat, um Vereinbarungen mit ihm zu erreichen: Er ist jung, ansehnlich und sogar gebräunt."
Medwedew zeigte sich von dem Ausspruch Berlusconis äußerlich unberührt - ganz im Gegenteil zur italienischen Opposition, denn diese reagiert einmal mehr entsetzt auf den Fehltritt des Ministerpräsidenten. Dario Franceschini, der Chef der Demokratischen Partei, sagte über Berlusconi: „Er vergisst, dass seine Aussagen das Image unserer Landes in der Welt in Frage stellen." Berlusconi müsse sich sofort entschuldigen, so Franceschini. Oppositionsführer Walter Veltroni gab zu Protokoll, mit seinen Äußerungen habe der Ministerpräsident „Bild und Würde Italiens" schwer beschädigt.
Auch Jean-Leonard Touadi, der einzige schwarze Abgeordnete in Italien, zeigte sich entsetzt. In den USA sei ein solcher Spruch nicht nur politisch inkorrekt, sondern eine Beleidigung, erklärte Touadi. „Signor Ministerpräsident, der einzig Gebräunte hier sind sie", ätzte der aus dem Kongo stammende Abgeordnete in die Richtung Berlusconis. Auch den großen italienischen Tageszeitungen war die Entgleisung des 72-Jährigen große Schlagzeilen wert. Die Tageszeitung 'La Repubblica' bezeichnete die Äußerung Berlusconis als einen „rassistischen Witz".
Dieser kann all den Aufruhr gar nicht verstehen. „Warum nehmen sie das negativ auf?", fragte der Ministerpräsident seine Kritiker. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA zitierte ihn mit den Worten: „Wenn sie das Laster haben, keinen Humor zu haben, umso schlimmer für sie". Seine Kritiker nannte Berlusconi außerdem „Blödmänner, von denen es zu viele gibt".
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Der italienische Ministerpräsident erregt nicht zum ersten Mal Aufsehen mit einer verbalen Entgleisung. Dem deutschen Europaabgeordneten Martin Schulz attestierte Berlusconi einmal, die perfekte Besetzung für die Rolle des KZ-Wächters in einem Film zu sein. Nach dem Anschlägen vom elften September 2001 ließ der 72-Jährige verlauten, die westliche Welt sei dem Islam zivilisatorisch überlegen. Erst kürzlich monierte sich Berlusconi darüber, dass es seiner Ansicht nach zu viele Frauen in der spanischen Regierung gäbe. (fr)