Italiens Premierminister Silvio Berlusconi wurde am Sonntag Abend in aller Öffentlichkeit von einem offenbar geistig verwirrten Mann angegriffen. Der Täter schleuderte Berlusconi eine kleine Nachbildung des Mailänder Doms mit voller Kraft ins Gesicht und verletzte den Politiker, der daraufhin zur Untersuchung in ein Mailänder Krankenhaus gebracht wurde.
Nach einer Wahlveranstaltung in Mailand verabschiedete sich Silvio Berlusconi (73) vor seinem Wagen noch von einigen Anhängern, als er von einem harten Gegenstand im Gesicht getroffen wurde. Der Politiker, der von der Wucht des Schlages kurz zu Boden ging, war sichtlich geschockt, zeigte sich aber mit blutüberströmtem Gesicht nochmals den umstehenden Menschen, bevor er ins Mailänder Krankenhaus San Raffaele gefahren wurde.
Eine Wunde an der Lippe wurde umgehend genäht, darüber hinaus lautet die Diagnose der Ärzte: Nasenbeinbruch und zwei abgebrochene Schlagzähne. Der Premier wird voraussichtlich noch bis zum morgigen Dienstag unter Beobachtung im Krankenhaus bleiben, anschließend sind etwa 20 Tage für den Heilungsprozess angesetzt.
Der Täter konnte noch vor Ort gefasst werden. Es handelt sich um Massimo Tartaglia (42), der sich nach Angaben seiner Eltern bis zum Jahr 2003 in psychiatrischer Behandlung befand. Nach der Tat sagte der bis dato strafrechtlich nicht auffällig gewordene Tartaglia: "Ich bin das nicht. Ich bin ein Niemand."
Er wird jetzt der vorsätzlichen schweren Körperverletzung angeklagt. Erschwerend für ihn kommt die Position seines Opfers hinzu. Er hat aber offensichtlich keine Verbindungen zu einer Gruppe von Demonstranten, die zu Beginn der Veranstaltung mit Pfiffen und Buhrufen gegen den Premier auf sich aufmerksam machte.
Berlusconi selbst ließ noch am selben Abend verlauten: "Es geht mir gut, es geht mir gut. Und sie werden mich nicht aufhalten." Dennoch werden Besucher zitiert, die sagen, der Regierungschef sei"verbittert" über "die Hasskampagne" ihm gegenüber, die er als Ergebnis "derer, die Zwietracht gesät haben" bezeichnet. Berlusconi wiederholte, dass er sich in letzter Zeit im Zentrum einer Schmutzkampagne sehe. "Alle sollten verstehen, dass man den Ministerpräsidenten nicht schmähen darf, das verbietet der Schutz der Institution".
Sein Sekretär und Sprecher Paolo Bonaiuti sagte darüber hinaus, dass Berlusconi bereits im Vorfeld befürchtete, dass etwas passieren könnte - und vermittelte somit fast dem Eindruck hellseherischer Fähigkeiten. Der Premier hatte ihm noch vor der Veranstaltung gesagt: "Spürst du die gewalttätige Stimmung, die Hassspirale nicht? Glaubst du nicht, dass etwas passieren könne?"
Tatsächlich ist die politische Stimmung in Italien sehr angespannt. Berlusconi musste nämlich kürzlich einige Niederlagen hinnehmen,und reagierte mit verbalen Tiraden. Ein von ihm in die Wege geleitetes Gesetz, das ihm strafrechtliche Immunität garantieren sollte, wurde vom Obersten Gericht des Landes als verfassungswidrig zurückgenommen.
Das bedeutet für Berlusconi die Wiederaufnahme ehemaliger Strafverfahren. Wegen Korruption ebenso wie wegen Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung. Darüber hinaus wurde der Politiker erst kürzlich erneut von einem Kronzeugen und Insider der Mafiaorganisation Cosa Nostra wegen mafiöser Verbindungen belastet.
Im Internet führte das Attentat tatsächlich auch zu Begeisterungsstürmen. Berlusconi-Gegner verlangten die Heiligsprechung des Täters, eine Userin machte diesem gar einen Heiratsantrag im Netz: "Heirate mich, ich bitte dich."
Die italienische Politwelt hingegen verurteilte einstimmig den Gewaltakt und bekundet größtenteils Solidarität mit ihrem Premier. Staatspräsident Giorgio Napolitano lehnte die schwerwiegende Aggression der Tat entschieden ab und brachte seine Solidarität mit dem italienischen Staatschef zum Ausdruck. Er appellierte ebenfalls an die politischen Institutionen, die "jegliche Gewaltspirale" im Keim ersticken sollen.
Umberto Bossi, Koalitionspartner Berlusconis von der Partei Lega Nord, sieht in dem Anschlag sogar einen "terroristischen Akt". Schon seit einiger Zeit sei ein "angespanntes Klima" bemerkbar.
Verteidigungsminister Ignazio La Russa kritisierte in diesem Zusammenhang die Vereinigung 'Il popolo viola' scharf, die den No-Berlusconi-Day vom 5. Dezember dieses Jahres organisiert hatte: "Wenn Kundgebungen nicht für eine Partei, sondern gegen eine Person veranstaltet werden und dabei Hass geschürt wird, dann ist eine Tat wie diese das Resultat."
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Doch wird vereinzelt auch Kritik am Verhalten Berlusconis laut. Antonio Di Pietro, Parteiführer der Partei 'Italia dei Valori', ('Italien der Werte'), sorgte mit seiner Assage für Zündstoff in der politischen Arena: "Ich möchte nicht, dass es Gewalt gibt, aber Berlusconi entfesselt mit seinem Verhalten und seiner Gleichgültigkeit Gewalt. Ich teile die Beschwerden der Bürger, die tagtäglich einen Premierminister sehen, der das Parlament mit Gesetzen blockiert, die nur ihm nützen, während Millionen Bürger ihre Arbeitsplätze verlieren und sich abmühen müssen, um den Monat zu überstehen."