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29.04.2008SCHLAPPE FÜR DIE BERLUSCONI-GEGNER

Rom wählt Rechts: Gianni Alemanno erklimmt den Bürgermeisterthron

Silvio Berlusconi schwebt im siebten Himmel: Nach dem eindeutigen Sieg bei den Parlamentswahlen vor zwei Wochen erklomm am gestrigen Montag mit Gianni Alemanno erstmals seit 1945 ein rechter Politiker den Bürgermeistersitz auf dem römischen Kapitolshügel. Während der Postfaschist Alemanno von der jüdischen Gemeinde einen Persilschein ausgestellt bekam, versuchte das linksliberale Lager, ihn mit seiner militanten Vergangenheit zu brandmarken - ein Schuss, der nach hinten losging.

Ein klares Verdikt haben die Römer am vergangenen Wochenende gefällt: 53,5 Prozent stimmten für den Postfaschisten Gianni Alemanno von der Berlusconi-Partei 'Volk der Freiheit', 46,4 Prozent für den ehemaligen Bürgermeister und Vizeregierungschef Francesco Rutelli von der 'Demokratischen Partei'. Mit Alemanno gerät damit in Rom erstmals nach dem Zusammenbruch des Faschismus ein vergleichsweise junger Politiker in Amt und Würden, der sich in zentralen Punkten als Erbe des Mussolini-Regimes versteht. Mit einer zielgenau auf das Thema Sicherheit gemünzten Kampagne verstand es Alemanno, eine spektakuläre Aufholjagd zu inszenieren: Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte das Kräfteverhältnis noch diametral entgegengesetzt ausgesehen.

Umso verheerender geriet der Wahlausgang für den bislang als Hoffnungsträger der Linken gefeierten Francesco Rutelli. Rutelli, 2001 noch als Spitzenkandidat Berlusconi bei den Parlamentswahlen knapp unterlegen, wirkte bei vielen Wählern als Vertreter eines 'alten Italien', das mit Bürokratie und Verfall gleichgesetzt wird. Auch persönlich traf das Wahlergebnis Rutelli hart: Einem Mann, dem auch Konservative bescheinigen, in seinen zehn Jahren als Bürgermeister nicht schlecht regiert zu haben, liefen die eigenen Anhänger in Scharen davon. So wählten offenbar 55.000 Stimmberechtigte bei den gleichzeitig stattfindenden Wahlen für die Provinz Rom den Kandidaten der 'Demokratischen Partei', stimmten dann in Rom aber für Gianni Alemanno, dem offenbar mehr Sachkompetenz zugetraut wurde.

Persönlich hätten die beiden Kontrahhenten unterschiedlicher nicht sein können. Francesco Rutelli gilt als Hätschelkind des linksliberalen politischen Establishments, wechselte bereits mehrfach die Partei und verdankt bösen Zungen zufolge einen Großteil seines Aufstiegs dem Einfluss seiner Gemahlin Barbara Palombelli, einer wichtigen Redakteurin bei der linksliberalen Tageszeitung 'La Repubblica'. Sein Studium beendete Rutelli nie, arbeitete zu keinem Zeitpunkt in der Privatwirtschaft, zu allem Überfluss bewohnt er immer noch die elterliche Wohnung.

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Gianni Alemanno hingegen stieg in der als Paria geächteten Rechtspartei 'Movimento Sociale Italiano' auf, die sich 1994 zur Nationalen Allianz umfirmierte, und dank Berlusconi den Wiedereintritt in die politische Arena schaffte. Während seiner Tätigkeit als Agrarminster holte er auf der Abendschule den Abschluss als Agraringenieur nach. Als Hobby bestieg er unter anderem verschiedene Gipfel im Himalaya-Gebirge.

Dieses Siegerimage ist es, dass offenbar bei vielen Römern haften blieb. Hinzu kam, dass der früher als rote Karte geltende Hinweis auf seine neofaschistische Vergangenheit nicht mehr zieht: Vielmehr wünscht sich angesichts der rasch zunehmenden Gewaltdelikte und unkontrollierten Einwanderung in Rom manch einer die 'geordneten Verhältnisse' des faschistischen 'Ventennio' wieder herbei. (mso)

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