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22.07.2008BELGRAD MACHT ERNST

Radovan Karadzic arbeitete als Arzt: Der Spuk ist Aus

Nach der Festnahme des bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic sind die internationalen Reaktionen durchwegs positiv. Angela Merkel bezeichnete am heutigen Dienstag die Festnahme als "gute Nachricht für den gesamten Balkan.“ In Berlin sagte die Kanzlerin: "Dies ist ein historischer Augenblick. Die Opfer dürfen wissen: Massive Menschenrechtsverletzungen bleiben nicht ungestraft.“ Der Anwalt von Karadzic kündigte indessen an, gegen die Auslieferung Einspruch zu erheben.

Über die genauen Umstände der Festnahme gibt es derweil widersprüchliche Berichte. Aus Polizeikreisen verlautete am heutigen Dienstag, Karadzic sei nach wochenlanger Beobachtung in einem Haus in einem Belgrader Vorort festgenommen worden. Im Vorfeld habe es einen Tipp von einem ausländischen Geheimdienst gegeben.

Dagegen äußerte der Anwalt des Kriegsverbrechers, Karadzic sei bereits am Freitag in einem Linienbus festgenommen und dann festgehalten worden, bis er am gestrigen Montag einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden konnte. Karadzic habe gesagt, „dass diese Leute ihm ihre Polizeimarke gezeigt haben und ihn dann an einen Ort gebracht und in einem Raum festgehalten haben. Und das ist absolut gegen das Gesetz", so der Jurist. „Der Richter hat auch erklärt, dass er der Sache nachgehen will, wer ihn drei Tage lang festgehalten hat und warum."

Der Anwalt kündigte zudem am heutigen Dienstag an, gegen die Auslieferung Einspruch einlegen zu wollen. Dazu hat er drei Tage Zeit. Die Untersuchungsrichter hatten in der Nacht zum Dienstag erklärt, der Auslieferung stehe nichts mehr im Wege.

Unterdessen wertete der serbische Außenminister die Festnahme des seit fast 13 Jahren gesuchten Kriegsverbrechers als Beweis, dass es der neuen serbischen Regierung ernst mit dem EU-Beitrittswunsch ist. „Wir wollen Mitglied in der EU sein, eine regionale Kraft für die regionale Stabilität." Die Verhaftung sei Teil einer „sehr ehrgeizigen europäischen Tagesordnung", so der serbische Außenminister.

Karadzic hatte scheinbar bereits seit mehreren Jahren unter falscher Identität in der serbischen Hauptstadt Belgrad gelebt. Unter dem Decknamen Dragan Dabic soll der 'Schlächter von Bosnien' in einer privaten Arztpraxis in Belgrad 'alternative Medizin' praktiziert , und dabei sogar Kontakt zu Patienten gehabt haben.

Die Reaktionen aus internationalen Kreisen sind durchwegs positiv. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sagte, die vollständige Zusammenarbeit mit Den Haag sei eventuell schon erreicht. Serbische Behörden hätten das mit der Festnahme bewiesen. Er sei fast sicher, dass der UN-Chefankläger Serge Brammertz dies erklären werde. Das bedeutet, dass das im April unterzeichnete Stabilisierungs-und Assoziierungsabkommen zwischen Serbien und der EU nun möglicherweise in Kraft treten könnte. Voraussetzung dafür, war die vollständige Zusammenarbeit mit Den Haag. Erweiterungskommissar Olli Rehn wollte das allerdings noch nicht bestätigen. „Wir müssen jetzt die nächsten Schritte in der europäischen Ausrichtung Serbiens besprechen."

Derweil forderten mehrere Minister der EU-Staaten, dass Serbien weitere Kriegsverbrecher fassen muss. „Wir hoffen, dass Serbien auf diesem Wege weiter nach Kriegsverbrechern sucht, die noch in Freiheit sind", so Außenminister Frank-Walter Steinmeier. „Ich glaube, das ist ein Meilenstein in der Geschichte der Beziehung zwischen Serbien und der Europäischen Union."

Der ehemalige Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft für Bosnien-Herzegowina, Christian Schwarz-Schilling (CDU), warnt indessen vor voreiliger Euphorie bezüglich der Entwicklung Serbiens. „Ob das jetzt ein Pendelschlag war, der auch wieder zurückgeht, das muss man abwarten." Jedoch habe die Festnahme eine große Bedeutung für die Demokratisierung der gesamten Region.

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Radovan Karadzic selbst schweigt bislang zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen des Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Gefangennahme des Kriegsverbrechers war am gestrigen Montag bekanntgegeben worden, nach dem Karadzic fast 13 Jahre untergetaucht war.

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