Eine Polizeieinheit aus UNMIK und der internationalen Schutztruppe KFOR hat am heutigen Montagmorgen das Kreisgericht in Mitrovica im Norden des Kosovo gestürmt. Mehrere Hundert serbische Demonstranten hatten das Gebäude am vergangenen Freitag besetzt. Der Zwischenfall könnte den Auftakt zu weiteren Gewaltaktionen bedeuten. Bewaffnete Extremisten streben die Wiederangliederung an Serbien an.
Die internationale Polizei nahm 53 Demonstranten fest, der Einsatz forderte fünf Verletzte. Die Beamten setzten dabei auch Tränengas ein. Beim Abtransport der Festgenommen kam es abermals zu einer Gewalteskalation, als serbische Jugendliche den Konvoi angriffen. Dabei kamen auch Automatik-Waffen zum Einsatz. Der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug zufolge konnten die etwa 20 Verdächtige fliehen.
Die UN-Polizei hatte sich am frühen Montagmorgen dazu entschlossen, das seit drei Tagen von Serben besetzte Kreisgericht in Kosovska Mitrovica zu stürmen. Die Besetzung des Gerichtsgebäudes, das bis 1999 der serbischen Justiz gedient hatte, sollte den Protest der serbischen Bevölkerung Mitrovicas gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo vom 17. Februar zum Ausdruck bringen. Die Demonstranten hatten das Wappen der Vereinten Nationen entfernt und die serbische Flagge gehisst. Das im nördlichen Kosovo gelegene Mitrovica weist eine grosse serbische Minderheit auf, die im Nordteil der Stadt lebt. Dieser ist durch die Ibar-Brücke vom nahezu ausschließlich von Kosovo-Albanern bewohnten Südteil der Stadt getrennt.
Joachim Rücker, Leiter der UN-Mission, hatte die Gewaltaktion der serbischen Protestierenden scharf verurteilt und vom Überschreiten einer "roten Linie" gesprochen. Nach gescheiterten Verhandlungen ließ Rücker das Justizgebäude am Montagmorgen stürmen. Dieses Vorgehen kritisierte Oliver Ivanovic, Chef der Partei ‚Serbische Liste für das Kosovo'. Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti zitiert den serbischen Politiker mit den Worten: „Die Polizei hatte keinen Grund für eine Gewaltanwendung gegen die Justizbeamten."
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Die UN-Leitung wies als Reaktion auf die Eskalation die eigenen Truppen zum Rückzug aus Kosovska Mitrovica an. Dies könnte die Lage entschärfen. Dennoch ist aufgrund der neuesten Vorfälle mit weiteren Protestaktionen der serbischen Minderheit im Kosovo zu rechnen. Diese könnte weitere Versuche unternehmen, die Lage besonders im Norden des Landes weiter zu destabilisieren. Längerfristiges Ziel dabei ist die Wiederangliederung des Nordteils an Serbien. (vd)
Stanislav (17.03.2008 16:55)Normale Reaktion
Es ist völlig normal, dass die Serben im Nordteil von Kosovska Mitrovica so reagieren. Wenn die Kfor oder Uno mit Gewalt das Gebäude stürmt, dann ist eine Reaktion der Serben eigentlich schon sicher.Die Serben demonstrierten dort nur, und haben nicht mit der Gewalt angefangen.
Die UNO und KFOR sollten sich zurückhalten, da sonst das Risiko einer Einmischung Serbiens und damit einer Neuer Krieg sich sehr erhöht.
Das ist meine Meinung.