Zum Jahrestag des Todes von Alexandros Grigoropoulus hatten Studenten- und Schülerverbände Demonstrationen für das Wochenende angekündigt. Der 15-jährige Schüler wurde bei Studentenprotesten vor einem Jahr von einem Polizisten getötet, woraufhin gewalttätige Krawalle ganz Griechenland überzogen. Dieses Szenario wiederholt sich nun anlässlich des Jahrestages.
Eine neue Welle der Gewalt rollt über Griechenland hinweg. Bereits vor Beginn der Demonstrationen wurden Befürchtungen geäußert, dass diese wie auch im Jahr zuvor von gewalttätigen Ausschreitungen begleitet werden könnten. Und tatsächlich begannen die ersten Krawalle in der Nacht zum Sonntag. Auch am Montag kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Autonomen, für den heutigen Dienstag sind weitere Demonstrationen angekündigt.
Insgesamt wurden seit Sonntag nach Polizeiangaben 784 Personen festgenommen, darunter auch 58 Ausländer aus Deutschland, Frankreich, Italien, Albanien und der Türkei. Bei den Auseinandersetzungen wurden Schaufenster, Bushaltestellen und Telefonzellen zertrümmert, Autos und Abfalleimer in Brand gesetzt, Steine und Molotow-Cocktails auf die Polizisten geworfen. Diese wiederum gingen mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Ein Passant, der eingreifen wollte, wurde bewusstlos geprügelt.
Die sozialdemokratische Regierung, die seit Oktober im Amt ist, unterstützte ein hartes Vorgehen der Polizei und sprach von einer ´Null-Toleranz´-Strategie. Der Minister Michalis Chrisochoidis, der auch für den Zivilschutz zuständig ist, sagte: "Vandalen und Hooligans haben mit Demokratie nichts zu tun".
Bereits vor einem Jahr analysierte der SWR-Korrespondent Ulrich Pick in der ARD-Tagesschau die Gewaltbereitschaft der griechischen Jugend und kam zu dem Schluss, dass es sich hier um aufgestaute Frustration über schlechte Zukunftsperspektiven handele. In Griechenland spreche man von der 700-Euro-Generation. 700 Euro als Verdienst für Aushilfs- und Übergangsjobs, die einzigen Jobs, die den jungen Griechen oft trotz guter Qualifikation zur Verfügung stehen.
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Vor diesem Hintergrund sind die letzten Ergebnisse der Ratinagentur Standard & Poor´s Corp umso brisanter. Die Agentur droht Griechenland mit einer Herabstufung der Bonität und verweist dabei auf das hohe Haushaltsdefizit des Landes. Es wird angezweifelt, dass die von Griechenland vorgelegten Pläne zur Konsolidierung des Staatshaushaltes zu einer dauerhaften Verringerung des Defizits und der Staatsverschuldung führten. (ssp)