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StartseitePolitikEuropaDossier: EuropawahlUNION LIEGT VORNE, SPD LEGT LEICHT ZU

29.05.2009UNION LIEGT VORNE, SPD LEGT LEICHT ZU

Europawahl: Umfragen attestieren Desinteresse der Wähler

Etwas mehr als eine Woche vor der Europawahl zeigen die neuesten Umfragen eines deutlich: Das Interesse der Deutschen an der Europawahl 2009 ist gering. Nur etwa ein Drittel aller aufgerufenen Wähler weiß heute schon, für wen er stimmen will, zwei Drittel spielen sogar mit dem Gedanken gar nicht zur Wahl zu gehen. Eine mangelnde Informationslage und die Enttäuschung mit den deutschen Parteien und der hiesigen Politik sind die Hauptgründe für das Desinteresse.

Die Umfrage im Auftrag des ZDF-Politbarometer

Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen hat für das ZDF-Politbarometer von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche 1348 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch befragt. Heraus kam ein erschreckendes Ergebnis: 69 Prozent der Wähler sind nur wenig oder gar nicht an dem Votum interessiert. 66 Prozent wissen noch nicht wen sie wählen beziehungsweise ob sie überhaupt wählen wollen.

Die Union könnte ihre Spitzenposition, wenn bereits an diesem Sonntag Wahlen wären, mit knapp 39 Prozent halten. Die nur in Bayern wählbare Schwesterpartei CSU schlägt dabei mit etwa 6 Prozent zu Buche. Die SPD darf der Umfrage zufolge mit 25 Prozent rechnen. Während die Union im Verhältnis zur Wahl vor vier Jahren 5,5 Prozent verlieren würde, könnte die SPD nach dem Allzeittief von 2004 während der Diskussion um die Agenda 2010 3,5 Prozentpunkte zulegen. Die FDP liegt dem Politbarometer bei 10 (+5,9 Prozent), die Grünen auf 10 Prozent (-2 Prozent) und die Linke auf 8 Prozent (+ 1,9 Prozent zum PDS-Ergebnis von 2004). Die sonstigen Parteien kämen gemeinsam auf 8 Prozent.

Die Wahlanalyse lässt weitere Einblicke in das potentielle Wählerverhalten zu. 60 Prozent der Befragten, die sich bereits für eine Partei entschieden haben, gaben an, dass die deutsche Politik bei der Wahlentscheidung die bedeutendere Rolle gespielt habe. Nur 35 Prozent erklärte, für sie sei die Europapolitik im Vordergrund gestanden. Auch die Informationslage sieht nicht besonders rosig aus: 41 Prozent fühlen sich über die Europäische Union ausreichend informiert, 54 Prozent sehen ein persönliches Informationsdefízit. Im Allgemeinen haben sich die Werte im vergleich zur Europawahl 2004 kaum verändert, heißt es in der Analyse der Umfrage weiter.

Der ARD-Deutschlandtrend

Der ARD-Deutschlandtrend veröffentlichte am gestrigen Abend eine Umfrage von Infratest dimap, in der ebenfalls von Dienstag bis Donnerstag  1.002 Wahlberechtigte telefonisch befragt worden waren. Demzufolge käme die Union auf 37 Prozent (CSU auf 6 Prozent), die SPD auf 28 Prozent, die grünen könnten leicht zulegen auf 12 Prozent, die FDP käme auf 10 Prozent und die Linke auf 8 Prozent.

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Zudem kam heraus, dass die Bundesbürger gar nicht so sehr von der Europäischen Union überzeugt sind. 53 Prozent glauben, die Vor- und Nachteile durch die EU halten sich die Waage, 24 Prozent glauben, die Vorteile überwiegen und 20 Prozent sehen mehr Nachteile. Vor allem im Zuge der Globalisierung wird der EU eine wichtige Rolle zugedacht: 74 Prozent glauben, dass die Union hilft, unsere Interessen im Vergleich zu anderen Weltregionen besser zu vertreten. 64 Prozent glauben zudem, die Europäische Union verbessere die Sicherheit der Bürger.

Auch nach Infratest dimap leiden die Bürger an einem Informationsdefizit: 60 Prozent erklären, sie verstünden nicht, wie die EU in Brüssel funktioniert. Dennoch denken 52 Prozent, das EU-Parlament, das in gut einer Woche zur Wahl steht, habe viel zu sagen. 53 Prozent der Befragten befürworten auch den Vertrag von Lissabon, der unter anderem die Zuständigkeiten des EU-Parlaments ausweiten will und eine klarere Entscheidungsstruktur festlegen will. Nur 33 sind dagegen. Das Hauptproblem ist nach dem Bericht am gestrigen Abend jedoch die Enttäuschung der Wähler von ihren Parteien: Über 50 Prozent der Befragten erklärte, er wisse noch nicht, ob er zur Wahl gehe, weil er von seiner Stammpartei enttäuscht sei.

Sollten sie Hintergrundinformationen zur Europawahl 2009 suchen, die Bedeutung des EU-Parlaments und des Vertrages von Lissabon nachlesen wollen oder sich die in Gastbeiträgen und Interviews zusammengetragenen Positionen der Parteien ansehen wollen, klicken sie auf unser Dossier ‘Europawahl 2009'.


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