Linkbox
Artikel zum Thema
Highlights zum Thema
Pressestimmen zum Thema
Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in Breaking Dawn
Highlights der Woche (KW 43)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteDealsPlayersENDE EINES LEIDENSWEGES

10.02.2009ENDE EINES LEIDENSWEGES

Eluana Englaro ist tot: Berlusconi-Anhänger sprechen von "Mord"

Am gestrigen Montagabend um 20:10 Uhr ist die 38-jährige Komapatientin Eluana Englaro nach vier Tagen Nahrungs- und Wasserentzug im norditalienischen Udine gestorben. Zur gleichen Zeit war in Rom die erste Parlamentskammer, der Senat, versammelt, um ein Gesetz durchzuwinken, das die Wiederaufnahme ihrer Ernährung erzwingen wollte. Bei Bekanntwerden der traurigen Nachricht hielten die Parlamentarier eine Schweigeminute ein - um anschließend tumultartig übereinander herzufallen.

Gesundheitsminister Maurizio Sacconi hatte noch "der gesamten Familie Englaro und allen Menschen, die ihr in diesen 17 Jahren nahegestanden haben", das Beileid der Regierung ausgesprochen. Anschließend läutete der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Berlusconi-Partei 'Volk der Freiheit' die Querelen ein, indem er schluchzend das Mikrofon zu Boden warf und brüllte: "Sie ist nicht gestorben, sie ist ermordet worden!" Die Fraktionsvorsitzende der Demokratischen Partei, Anna Finocchiaro, konnte daraufhin den ausbrechenden Tumult noch überstimmen, und die Berlusconi-Politiker als "politische Schakale" denunzieren.

Im Gegensatz zum Possenspiel des offiziellen Italiens fiel die Reaktion der Familie nüchtern und diskret aus. Beppino Englaro, der sich seit dem Jahr 1999 vor Gericht dem Willen seiner Tochter folgend dafür eingesetzt hatte, die künstliche Ernährung einzustellen, erklärte: "Ich sage nichts mehr. Lasst mich alleine. Ich habe alles alleine gemacht, ich habe die Sache bis zu diesem Niveau gebracht, und möchte es alleine abschließen. Macht Euch wegen mir keine Sorgen, ich möchte mit niemandem reden. Das einzige, worum ich meine wirklichen Freunde bitte, ist, keinen Kontakt zu mir aufzunehmen." Nun wolle er sich in einem Schmerz einschließen, "den zu viele überhaupt nicht verstanden haben".

Premierminister Silvio Berlusconi ließ sich seinerseits die Gelegenheit nicht nehmen, und sprach von "tiefgehendem Schmerz": "Das Bedauern ist groß, dass die Massnahme der Regierung, ein Leben zu retten, unmöglich gemacht worden ist." Damit zeigt der Regierungschef indirekt mit dem Finger auf Staatspräsident Giorgio Napolitano, der am vergangenen Freitag einem Eildekret zur Wiederaufnahme der künstlichen Ernährung Englaros die Unterschrift verweigert hatte.

Der Fraktionsvorsitzende der Berlusconi-Partei im Senat, Maurizio Gasparri, spitzte den Vorwurf in Richtung Quirinalshügel, dem Amtssitz des Staatschefs, so zu: "In dieser Angelegenheit werden die getätigten und nicht getätigten Unterschriften auf immer schwer wiegen. Dies ist ein Fall von Euthanasie, der vom Gesetz nicht vorgesehen ist." Die demokratische Senatorin Finocchiaro konterte umgehend: "Das ist ein klarer Fingerzeig in Richtung Staatsoberhaupt, ein unerhörter Angriff."

Selbst die katholische Kirche war sich für ein Eingreifen in das Scharmützel nicht zu schade. Kardinal Barragan, Vorsitzender des Päpstlichen Rates für Gesundheitsfragen, deutete sogar an, der Tod von Eluana Englaro könne beschleunigt worden sein: "Nun ist es notwendig, zu untersuchen, unter welchen Bedingungen der Tod stattgefunden hat, ob die Unterbrechung der Ernährung und Flüssigkeitszufuhr daran schuld war, oder ob andere Ursachen mit im Spiel waren." Die moralische Verdammung derjenigen, die sich für die Einstellung der künstlichen Ernährung eingesetzt haben, kommt in einem Gebet zum Ausdruck: "Wir bitten den Herrn um Vergebung für alles, was sie ihr angetan haben."

Verwandte Artikel

Der geschundene Körper einer Frau, die seit ihrem 18. Lebensjahr das Bewußtsein nie wiedererlangt hat, und zudem gerichtlich für gehirntot erklärt wurde, wird nun also auch noch einer Obduktion unterzogen werden. Doch die Politiker werden sich ihres Falles sicher noch weiter bemächtigen.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (0)