Das 'Sch…'-Machtwort von SPD-Chef Kurt Beck war wohl ebenso notwendig, wie es wirkungslos verhallen wird. Aus den Reihen der SPD kam zwar große Zustimmung, doch deutsche Leitartikler sehen in dem Ausspruch an sich ein Zeichen von...
Das 'Sch…'-Machtwort von SPD-Chef Kurt Beck war wohl ebenso notwendig, wie es wirkungslos verhallen wird. Aus den Reihen der SPD kam zwar große Zustimmung, doch deutsche Leitartikler sehen in dem Ausspruch an sich ein Zeichen von Schwäche.
Freilich muss Beck mangels geeigneter Gegenkandidaten nicht um seinen Führungsanspruch in der SPD bangen, doch hat der Parteivorsitzende durch seinen Wutausbruch lediglich seinen geringen Rückhalt in der eigenen Partei öffentlich demonstriert. Genau den hatte er allerdings dadurch stärken wollen. Ein ‚Basta’-Stil á la Gerhard Schröder steht Beck schlecht. Denn im Gegensatz zum Altkanzler sieht sich der Pfälzer in den Umfragen mit ausgesprochen schlechten Werten konfrontiert.
Insbesondere die Zeitungskommentare sehen die Schuld an der politischen Schwäche Becks nicht in den „anonymen Heckenschützen aus der dritten und vierten Reihe“, sondern einzig in seiner eigenen Unentschiedenheit. Der SPD-Chef möchte es eben allen und jedem recht machen.
Zum Teil fallen die Urteile gar niederschmetternd aus. So schreibt das Handelsblatt: „Hätte er eine klare Peilung, müsste er sich um seine Sachautorität keine Sorge machen.“ Die Financial Times Deutschland zweifelt sogar an, dass Beck überhaupt ein Machtwort gesprochen habe. Denn das würde Macht voraussetzen, die Beck nicht hat: „Er muss Position beziehen“, so das Finanzblatt, und der Partei wieder ein klares Profil geben, andernfalls „wird das Grummeln über seine Führungsschwäche nicht leiser“.
Auch von anderer Seite erhält der Parteichef keine Unterstützung. Linke-Vize Klaus Ernst sieht Beck „in seiner Rolle total überfordert“, und bezeichnet ihn als „unbeholfenen Parteichef“. Ernst, früher selbst SPD-Mitglied, äußerte gegenüber dem ‚Tagesspiegel’ seine „Sorge um diese Partei“. Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, teilte hingegen der Leipziger Volkszeitung mit: „Die SPD hat drastisch an Vertrauen eingebüßt. Da hilft kein Basta.“
Ob Becks Ordnungsruf zumindest in den eigenen Reihen so ernst genommen wird, wie der breite Zuspruch von führenden SPD-Politikern suggeriert, bleibt offen. In der Öffentlichkeit hält sich die Begeisterung eher in Grenzen. (dl)