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29.07.2008DER LETZTE MACHT DAS LICHT AUS

SPD beschleunigt den Sinkflug: CDU mit erstmals mehr Mitgliedern

Die CDU ist erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die mitgliederstärkste Partei Deutschlands. Das gab CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla am gestrigen Montag bekannt. In die Partei traten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr Mitglieder ein, als sie auf eigenen Wunsch wieder verließen, Sterbefälle ausgeklammert. Dennoch hat die CDU einen zunehmenden Mitgliederschwund zu verzeichnen. Doch auch der Rückhalt der SPD in der Bevölkerung ist weiter gesunken - und zwar noch schneller.

Trotz allem erklärte der CDU-Generalsekretär das gestrige Datum zu einem „historischen Tag". „Zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 1945 ist die CDU die mitgliederstärkste Partei in Deutschland", so Pofalla. Er sei stolz auf seine Mitglieder, die ein großartiges Engagement leisteten, betonte der Parteifunktionär. Es sei sogar möglich, dass die Zahl der Mitglieder demnächst wieder steige. „Eine Trendumkehr im nächsten Jahr ist möglich", gab sich Merkel Spizenfunktionär unverdrossen optimistisch. Immer mehr Kreisverbände könnten mehr Ein- als Austritte vermelden.

Ende Juni hatte die CDU 530.755 Mitglieder und damit genau 761 mehr als die SPD. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete die Christlich Demokratische Union etwa 9.600 Neueintritte. Während der gleichen Zeit verließen jedoch 15.000 Mitglieder die Partei, weshalb sie trotzdem 6.000 Mitglieder weniger als zu Jahresbeginn hat.

Die Quintessenz der Botschaft Pofallas ist jedoch: Klammert man Sterbefälle aus, treten in die CDU mehr Mitglieder ein, als sie auf eigenen Wunsch wieder verlassen. Zur Lage der SPD wollte der Generalsekretär allerdings keinen Kommentar abgeben, er äußerte lediglich: „Ich kann keinen Gefallen haben an der Entwicklung der SPD". Politische Konkurrenz sei etwas Gutes. Die CDU habe die „eklatante Schwäche" der SPD ausnutzen können.

Den Mitgliederschwund begründete der CDU-Parteifunktionär indessen unter anderem mit der hohen Zahl an Sterbefällen. Auch seien viele nicht bereit den monatlichen Mindestbeitrag von fünf Euro zu bezahlen. Andere seien einfach unzufrieden mit der Arbeit der CDU. Jedoch lasse generell die „Bindefähigkeit" der Bürger nach, genau so, wie sich viele nicht mehr an ein Abonnement einer Zeitung binden wollten. Um den Mitgliederschwund zu stoppen, will die Partei Austrittswillige künftig intensiver davon überzeugen, in der CDU zu bleiben.

Unterdessen ist der Rückhalt der SPD in der Bevölkerung weiter gesunken, die damit ihren seit 1990 bestehenden Abwärts-Trend fortsetzt. Laut Martin Gorholt, SPD-Bundesgeschäftsführer, besteht jedoch Hoffnung, da in den letzten Jahren wieder verstärkt junge Menschen in die Partei eingetreten seien. Von mehr als 70.000 Neumitgliedern in den vergangenen Jahren sei die Hälfte unter 35.

Zu den Mitgliederzahlen der CDU äußerte sich Gorholt nicht direkt. Die Parteien müssten sich jedoch bemühen, mehr Menschen für ihre politische Arbeit zu gewinnen. „Demokratie braucht Parteien. Es ist leider festzustellen, dass die demokratischen Parteien insgesamt weniger Mitglieder haben als früher", so der SPD-Bundesgeschäftsführer.

Johannes Kahrs, Sprecher des rechten SPD-Flügels, hält die Mitgliederverluste teilweise für hausgemacht. Die Tatsache, dass die Frage der Kanzlerkandidatur noch nicht geklärt sei, sei für viele unbefriedigend. Damit sei nicht geklärt, wohin sich die Partei entwickle.

Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth sieht den Mitgliederschwund der beiden Volksparteien auch als Folge des gemeinsamen Regierungsbündnisses. „Gerade in der großen Koalition scheint das inhaltliche Profil der Parteien unterentwickelt und führt zu Frust bei vielen Mitgliedern." Auch Langguths Kollege Jürgen Falter schätzt die Situation ähnlich ein: „Es ist ja nicht so, dass der Mitgliederverlust jetzt stoppen würde, nur weil die CDU die SPD auf dem Weg nach unten ausgestochen hat."

Während sowohl die CDU als auch die SPD in den sechziger und siebziger Jahren die größten Zuwächse zu verzeichnen hatten, lassen gerade Jüngere heutzutage das politische nur Engagement punktuell erkennen, treten dafür jedoch nicht in eine Partei ein.

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Nur die kleineren Parteien konnten im Gegensatz zu den Volksparteien Zuwächse verzeichnen. Bei den Grünen etwa stieg die Mitgliederzahl in der ersten Hälfte dieses Jahres von 44.300 auf 44.700 an. Die meisten Neueintritte gab es in Bayern.

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