Vor wenigen Wochen haben knapp 53.000 Bürger eine Online-Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen unterzeichnet. Im Interview mit Europolitan erklärt Götz W. Werner, dm-Drogeriemarkt-Gründer und aktuell Leiter des Instituts für Entrepreneurship der Karlsruher Universität seine Idee von beindungslosen Grundeinkommen - und wehrt sich gegen Kritiker mit einem allzu schlechten Menschenbild.
Die Online-Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen haben knapp 53.000 Personen unterzeichnet. Glauben Sie, das Thema könnte im Superwahljahr 2009 auf der politischen Agenda damit weiter nach oben rücken?
Götz W. Werner: Als ich vor drei Jahren gesagt habe, dass nichts so stark ist wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, dann zeigt der Erfolg der Online-Petition Anfang dieses Jahres, dass die Zeit jetzt reif sein könnte. Die Resonanz auf die Online-Petition ist ein klares Signal aus der Bevölkerung. Insofern wünsche ich mir, dass das Grundeinkommen ganz oben auf der Agenda steht. Ob das so sein wird, kann ich nicht sagen. Entwicklung ist eben ein diskontinuierlicher Prozess, findet schubweise statt.
Frage: Das Bürgergeld aus der Feder von Dieter Althaus, das Grundeinkommen der Grünen oder der Linkspartei - momentan gibt es viele Konzepte, die ihrer Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen ähnlich sind. Arbeiten Sie mit Parteien diesbezüglich zusammen?
Götz W. Werner: Mein Anliegen ist die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens; wie genau es ausgestaltet sein könnte, ist dabei erst mal nebensächlich. Ich spreche mit unterschiedlichen Menschen darüber, auch mit Politikern. Aber eine Zusammenarbeit dahingehend, dass ich eine bestimmte Partei unterstütze, gibt es nicht.
Frage: Kritiker werfen der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens vor, Faulheit und Desinteresse am Wirtschaftsleben hervorzurufen. Wenn jemand - auch ohne zu arbeiten - materiell versorgt ist, durchaus eine Gefahr, oder?
Götz W. Werner: Nein, das denke ich nicht. Ich antworte solchen Kritikern immer mit einer Frage: ‚Was würden Sie tun, würden Sie aufhören zu arbeiten?' Die Antwort ist inhaltlich immer die gleiche: ‚Ich natürlich nicht, aber die anderen!' Das zeigt, dass Menschen zwei verschiedene Menschenbilder haben, ein positives von sich selbst und ein anderes von den anderen. Menschen werden nicht faul, sobald sie materiell versorgt sind, sonst könnten sie doch auch heute aufhören zu arbeiten, sobald sie ein Minimum verdient haben. Der Psychoanalytiker Erich Fromm hat schon betont, dass Menschen arbeiten wollen. Arbeit ist mehr als nur Broterwerb.
Frage: Sie bezeichnen Hartz-IV als offenen Strafvollzug, fordern ein Recht auf Arbeit und eine Sinn- statt einer Einkommensmaximierung. Arbeit soll also zunächst einmal Spaß machen statt 'nur' den Lebensunterhalt zu sichern. Verstehe ich ihre provokanten Thesen in diesem Sinn richtig?
Götz W. Werner: Mein Anliegen ist es, dass jeder Bürger die Arbeit ergreift, in der er einen Sinn sieht. Für mich ist Arbeit, 'für andere leisten'. Heute ist der Arbeitsbegriff auf Erwerbsarbeit beschränkt, dabei leisten die Bürger jährlich mehr Arbeitsstunden in Form von Hausarbeit, ehrenamtlichen Engagements, Erziehungsarbeit und so weiter. Die Arbeit von morgen ist die Arbeit am Menschen und gerade diese Arbeit, meinen wir, uns nicht leisten zu können, weil wir nur auf Erwerbsarbeit fixiert sind. Wenn jeder die Freiheit hat, das zu tun, was er will und was er mit seinen Fähigkeiten am besten kann, dann wird sich das soziale Klima vom ‘Sollen' zum ‘Wollen' wandeln. Und das wird uns einen enormen Wachstums- und Wohlstandsschub bescheren.
Frage: Aktuell besteht aber eher die Sorge, dass in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise Wachstum dauerhaft ausbleibt und der Wohlstand mittel- und langfristig sinken wird. Können Sie der aktuellen Krise dennoch etwas Positives abgewinnen?
Götz W. Werner: Ja, denn Menschen lernen nun einmal entweder durch Einsicht oder eben durch Katastrophen. So gesehen ist eine wirtschaftlich und sozial schwierige Situation günstig für ein Umdenken. An den bisherigen Maßnahmen gegen die Krise kann man jedoch erkennen, dass sich die Politik derzeit in erster Linie für den Erhalt der bestehenden Systemstruktur einsetzt. Die Probleme werden wir aber nicht mit den Methoden lösen können, die zu diesen Problemen geführt haben.
Sehr geehrter Herr Werner, Europolitan bedankt sich für das Gespräch.
Irokesendunkelelf (13.12.2010 19:48)RE:
Ja, Warcraft, ist schon ganz doll traurig, dass sich kaum einer für den echten Krieg einsetzt und im Internet mit Schwachsinnsrechnungen Kriegssteuern befürwortet. Lieber lassen wir uns die Senkung der CO2-Emission auf der To-Do-Liste ganz nach oben setzen, sehen aber den Abbau der Zivilisation hin zu Selbstmördern nicht! Panzer und U-Boote etc. wurden schließlich schon immer mit Cocacola angetrieben und gemeinsam mit Kanonen und Raketenrampen fressen und saufen die weniger als die ganze Menschheit, die gerade zu aufmerksam genug ist, ausschließlich für ihre Lieben da zu sein.