In einer Woche sollen bereits die Impfungen gegen die Schweinegrippe in Deutschland beginnen. Jedoch sorgen die verschiedenen Inhaltszusammensetzungen der Impfstoffe Pandemrix und Celvapan für Aufruhr. So sollen nur Soldaten und Abgeordnete mit Celvapan geimpft werden, das keinen Wirkverstärker (Adjuvanzien), sondern eine höhere Konzentration an inaktiven H1N1-Viren beinhaltet.
Der für die Bevölkerung vorgesehene Impfstoff Pandemrix der Firma GlaxoSmithKline enthält hingegen einen Wirkverstärker, der in Expertenkreisen als äußerst umstritten gilt. Medienberichten zufolge sollte Schwangeren dieser Impfstoff lieber nicht verabreicht bekommen, sondern eher mit dem nicht-adjuvantierten Celvapan geimpft werden, das für Bundeswehrangehörige sowie Abgeordnete vorgesehen ist. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach empörte sich in der 'Bild am Sonntag': "Dieser Vorgang ist äußerst unglücklich. So entsteht der Eindruck einer Zweiklassenmedizin bei der Impfung."
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte dem 'Bayerischen Rundfunk': "Das Verteidigungsministerium hat für die Soldaten Impfstoffe bestellt, und von denen sollen auch ein Teil der Mitarbeiter in der Verwaltung, die für Krisenstäbe benötigt werden, geimpft werden können." Er gab an, in Unkenntnis darüber zu sein, aus welchen Gründen der eine Impfstoff so und der andere so bestellt worden sei. "Aber die Darstellung, dass hier eine Privilegierung von politischen Verantwortungsträgern vorgesehen sei, das ist nun wirklich jenseits jeder Realität. Ich weiß gar nicht, ob ich mich jemals impfen lassen werde."
Auch eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums wies die Vorwürfe der Zweiklassen-Impfung in der 'Berliner Zeitung' zurück. Schon vor Monaten habe das Beschaffungsamt mit dem Hersteller Baxter einen Vertrag abgeschlossen, der eingehalten werden müsse. Als dieser Vertrag unterzeichnet wurde, sei von möglichen Unterschieden der Impfstoffe nicht die Rede gewesen.
Jürgen Trittin, Grünen-Fraktionschef, kritisierte in einer Pressemitteilung am vergangenen Samstag, die Bundesregierung würde die Bevölkerung einem "Großversuch mit einem nicht getesteten Impfstoff" aussetzen, während sie "sich selbst ohne Nebenwirkungen schützen" lasse.
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Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, schloss sich Trittin in der 'Bild'-Zeitung an. "Da verstärkt sich bei vielen Menschen der Eindruck, sie seien Patienten zweiter Klasse. Das zeugt von wenig Fingerspitzengefühl." (mme)