Einlenken beim Nürnberger Zoo: Nach dem grausamen Tod zweier Eisbärenbabys hat die Tierparkleitung entschieden, das überlebende Jungtier von seiner Mutter zu trennen, und mit der Hand großzuziehen. Bläut Franken nun eine neue 'Knutmanie'?
Nachdem die Leitung des Nürnberger Tierparks zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war, hat sie sich dazu entschlossen, das noch lebende Baby des Eisbärenweibchens Vera per Hand aufzuziehen. „Wir haben uns zum Einschreiten entschlossen, da die Mutter offensichtlich keinen sicheren Platz mehr für das Junge gefunden hat und zunehmend nervös geworden ist", sagte Zoodirektor Dag Encke am Dienstag. Vermutlich sei das Weibchen zuvor von einem Kamerateam gestört worden, das sich der Wurfhöhle näherte.
Das Bärenjungen sei „wohlauf und hervorragend ernährt", begründete Encke den Entschluss. Bisher verweigerten die Tierpfleger einen Eingriff in die Aufzucht der Eisbärenbabys - auch einen Tag nach dem dramatischen Tod der zwei Jungtiere der Eisbärendame Vilma. Offenbar habe die Mutter ihre Jungen aufgefressen, weil diese krank waren.
Nun steht das Überleben des dritten Babys im Vordergrund. „Die Sicherheit des Jungtieres geht jetzt vor", betonte der stellvertretende Zoodirektor Helmut Mägdefrau. „Ich bezweifele, dass das Tier überlebt", betonte zuvor Tierschützer Frank Albrecht. „Die Aufzucht von Eisbären funktioniert in Gefangenschaft so gut wie nie", sagte er.
Der Tod der zwei Eisbärenkinder hatte einen regelrechten Medienrummel hervorgerufen. Die Zooleitung befürchtet nun eine neu aufkommende „Knutmanie". Diese könne man in Nürnberg nicht gebrauchen, sagte die Zooleitung. Zumal man kurz nach der Geburt vor etwa fünf Wochen noch nicht beurteilen konnte, ob es etwas zu vermarkten gebe. Sollte das noch lebende Baby ein Junge sein, so werde es auf keinen Fall den Namen „Knut" bekommen, betonte Encke. (sw)fuerTiere (16.07.2008 15:04)gegen Zoos
Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.