Ein leichter Rausch nach Feierabend gefällig? Keine Lust auf Alkohol, aber auch keine Lust auf Probleme mit dem Gesetz? Findige Unternehmer schaffen Abhilfe: Spice heißt die neue Bio-Droge, die einen ähnlichen Rausch wie Marihuana verspricht, aber legal ist. Im Interview mit Europolitan klärt Max Schubert von der Münchner Drogenberatungsstelle des Suchthilfevereins ‘Condrobs’ über die Wirkung, die aktuelle rechtliche Lage und Entwicklung sowie über die Gefahren der angeblichen Wunder-Droge auf.
Dem aktuellen Drogenbericht der Bundesregierung zufolge geht der Konsum von illegalen Rauschmitteln zwar zurück, doch dabei haben die Sucht-Forscher einen neuen Stoff noch nicht mit in ihre Statistik aufgenommen: ‘Spice‘, übersetzt Gewürz, ist eine aus zwölf verschiedenen Kräutern zusammengesetzte grüne Substanz. Eigentlich soll sie zum Räuchern verwendet werden, doch seit geraumer Zeit wird die Mischung sinnentfremdet. Inhaliert man die Kräuter in einem Joint oder einer Pfeife, sollen Marihuana-ähnliche Rauschzustände erreicht werden können. Einzelne Konsumenten berichten sogar von leichten Halluzinationen.
Steigende Nachfrage interessiert auch die Behörden
Head-Shops in ganz Deutschland verzeichnen bereits seit geraumer Zeit einen Hype um Spice: "Vom Banker bis zum Jugendlichen ist die Nachfrage hoch. Momentan gibt es große Lieferschwierigkeiten. Etwas zu bekommen ist sehr schwer", erklärte ein Münchner Head-Shop Betreiber. Die Erklärung ist simpel: Anders als bei Marihuana oder harten Drogen, muss sich der Konsument für den Besitz nicht vor dem Gesetz verantworten, denn ‘Spice' ist als Kräutermischung zum Räuchern in der Schweiz, Österreich und Deutschland vollkommen legal. Da der ‘Spice'-Konsum auch im Blut nicht nachweisbar ist, könnten ehemalige Marihuana-Konsumenten "aus Angst um ihren Führerschein" nun auf die neue Bio-Droge ausweichen, befürchtet Diplom-Sozialpadägoge Max Schubert vom überkonfessionellen Suchthilfeverein ‘Condrobs'.
Die öffentliche Hand könnte jedoch schon bald einschreiten. Schubert erklärt, dass die zuständigen Behörden, die Polizei, das Justiz- und das Sozialministerium, die aktuelle Situation um ‘Spice' sehr interessiert verfolgen und von der bayerischen Suchthilfe bereits eine erste Einschätzung der Lage gefordert haben. Auch das Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin forscht nun und will frühestens in der kommenden Woche erste Labor-Ergebnisse haben. Ob dann klar ist, welche Substanz in ‘Spice' den Rauschzustand eigentlich auslöst, bleibt abzuwarten. Ein Pauschalverbot einer Kräutermischung ist rechtlich nicht so einfach nicht möglich - ohnehin ist die Kräutermischung nicht für das Inhalieren vorgesehen.
Es ist nicht klar, was wirkt: Wird Gefahr für Konsumenten maßlos unterschätzt?
"Gegenwärtig kann pharmakologisch keine Erklärung für die starke Wirkung gegeben werden", erklärte der Diplom-Sozialpädagoge weiter und weist auf einen Selbstversuch von dem bekannten Schamanenforscher Dr. Christian Rätsch hin: Obwohl der 51-Jährige Experte auf dem Gebiet ‚schamanische Pflanzen und ihre Wirkung‘ sämtliche Inhaltsstoffe von ‘Spice‘ kennt, ist ihm nicht klar, warum die Kräuter als Mischung beim Inhalieren eine berauschende Wirkung entfalten. Für Rätsch ist es demnach durchaus möglich, dass ‚Spice‘ erst durch die Anreicherung mit einem chemischen Zusatzstoff seine Wirkung entfaltet.
Ein anderer ehemaliger Konsument, der ‚Condrobs‘ seine Erfahrungen mit ‚Spice‘ geschildert hat, vermutet hingegen, dass durch das Verbrennen der Kräutermischung eine neue chemische Verbindung und damit die berauschende Wirkung entsteht. Dieser Ex-User sieht eine große Gefahr, auch wenn ‚Spice‘ verspricht, nur aus natürlichen Inhaltsstoffen zu bestehen. Demnach sei ein weiterer Anstieg von psychiatrischen Behandlungen in Zukunft zu erwarten. Schubert teilt diese Einschätzung, „wenn die ‚natürlichen' Substanzen wie Spice und THC (Anm. der Redaktion: der berauschende Wirkstoff von Marihuana) weiterhin so unreflektiert von Jugendlichen und Erwachsenen konsumiert werden, weil ‚natürlich‘ mit ‚ungefährlich‘ gleichgesetzt wird."
Regeln für den Konsum: maßvoll, bewusst und nur Erwachsene
„Drogenberater können derzeit nicht vor konkreten, benennbaren Nebenwirkungen und Risiken des Konsums warnen, sondern nur - wie bei jeder Substanz - aufmerksam machen, vorsichtig und kritisch damit umzugehen, Konsum-Pausen einzulegen, die Dosierung gering zu halten." Für Jugendliche verbietet sich ohnehin jede Form von Drogenkonsum, auch der legale: „Auch Alkoholmissbrauch und Tabakkonsum sind im Jugendalter und bei jungen Erwachsenen eine besondere Gesundheitsgefährdung. Das Gehirn ist in dieser Zeit noch im Zustand der Vernetzung und Weiterentwicklung und chronische Schädigungen im Bereich des ‚Belohnungszentrums‘ des Gehirns werden vermutet", erklärt der Drogenberater von ‚Condrobs‘ und weist darauf hin, dass bei so genannten leichten Drogen immer die Möglichkeit zu einer psychischen Abhängigkeit besteht - auch wenn Konsumenten das oft bestreiten.
Insgesamt sieht Schubert und ‚Condrobs‘ die Entwicklung um ‘Spice‘ durch die Medien aufgeheizt. Gegen den momentanen Hype, der um den angeblich rasant steigendem Konsum der neuen Bio-Wunder-Droge gemacht wird, führt Schubert an: „Die ständigen Medienberichte sorgen für eine ansteigende Nachfrage. Erstmal hörten wir (Anm. der Red.: ‚Condrobs‘) vor zwei Jahren davon. Vor einem Jahr wurde intern eine Substanzbeschreibung gemacht. Bisher gab es bei uns nur ganz selten Klienten die ‚Spice‘ probiert haben - und auch derzeit sind es der nur unwesentlich mehr geworden. In unseren Therapieeinrichtungen, ist es hingegen ein deutliches Problem, da 'Spice' nicht nachweisbar ist".
Doch eigentlich scheint bei ‚Spice‘, das bereits seit 2003 hergestellt wird, für die Mehrzahl der Konsumenten nur das Ausprobieren im Vordergrund zu entstehen: „Viele Konsumenten berichten über einen einmaligen Spice-Konsum und über ein mangelndes Interesse daran, diese Substanz weiterzukonsumieren, da sie genauso teuer ist wie Cannabis, schrecklich riecht und über Wirkung und Nebenwirkungen nichts bekannt ist", erklärt Schubert das große Problem an gesicherten Aussagen über die angebliche Wunder-Droge. Solange nicht klar ist, was in ‚Spice‘ eigentlich wirkt und welche kurz- oder langfristigen Folgeschäden beim Konsum drohen, sind damit momentan weder Vergleiche mit anderen Drogen noch genaue Aussagen über die Gefahren beim Konsum möglich.
GT (04.12.2008 17:17)Und es gibt ein Recht auf Rausch!
Mensch darf keinen Rausch haben!So unsere Politik!Jugendschutz &Gesundheit der "Grund". Gedankenkontrolle ist ein harter Begriff - aber wenn psychoaktive Substanzen verboten werden, dann soll Mensch nicht gewisse "geistige Zustände" erreichen dürfen... Diese Politik produziert Kriminelle am laufenden Band. Ich will meine Kinder nicht kriminalisiert sehen, wenn sie sich dafür entscheiden, psychoaktive Stoffe kennenzulernen.Spice wird verboten werden - offiziell, weil es gesundheitsschädigend ist, und Jugendliche geschützt werden müssen. In Wahrheit wird es verboten, weil es eine Wirkung hat.