Trotz Protesten und Kampagnen eröffnet Kanada die diesjährige Jagdsaison auf Robben. Mit insgesamt 338.200 zur Tötung freigegebenen Tieren handelt es sich um die Größte ihres Zeichens überhaupt. Tierschützer schlagen Alarm. Unterdessen versucht Russland sein angeschlagenes humanes Image aufzupolieren indem es seinerseits die Tötung verbietet.
Heute beginnt die Robben-Jagd in Kanada. Damit erhalten die Jäger erneut ihre Lizenz die Tiere bestialisch zu töten. Die Fangquote ist im Vergleich zum Vorjahr angehoben worden. Im Einzelnen sind 280.000 Sattelrobben, 50.000 Kegelrobben und 8.200 Mützenrobben betroffen, so Fischereiministerin Gail Shea. Diese gesellen sich in die Reihe der dort insgesamt 1 Million getöteten Robben in den letzten vier Jahren.
Rund 70 Prozent davon sollen an der Nordküste von Neufundland und Labrador erlegt werden. Weitere 30 Prozent werden ihr Ende im Sankt-Laurenz-Golf südlich von Quebec finden. Die betroffenen Robben sind allesamt zwischen 12 Tagen und drei Monaten alt. Aufgrund des Konkurrenzdrucks und den herrschenden schwierigen Wetterbedingungen ist es fast unmöglich die geltenden Tierschutzstandards einzuhalten. Das bedeutet, dass laut Expertenmeinungen jede zweite Robbe bei lebendigem Leib das Fell abgezogen bekommt.
Der internationale Tierschutzverband „Humane Society" spricht von einer drastischen Dezimierung des Robbenbestandes. Kanadas Regierung verfolge „eine Ausrottung" der Sattelrobbe, klagte Verbandschefin Rebecca Aldworth. Unbeiirt dessen, verteidigt Shea die Tradition. Und kündigte gleichzeitig an: „Unsere Regierung wird weiterhin das Recht der kanadischen Robbenfänger verteidigen, durch eine rechtmäßige, nachhaltige und humane Art den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern."
Währenddessen gab am vergangen Mittwoch Yuriy Trutnev, Minister für natürliche Ressourcen und Ökologie bekannt, dass „das blutige Robbenschlachten, das Töten wehrloser Tiere, das man nun wirklich nicht „Jagd" nennen kann", jetzt landesweit verboten wäre. Ganz so „wie in den meisten entwickelten Ländern. Es ist ein ernsthafter Schritt für die Erhaltung der Biodiversität in Russland." Damit setzt das Land dieser Tierquälerei am Weißen Meer ein Ende. Zumindest für Sattelrobben im Alter bis zu einem Jahr.
Dazu beigetragen haben sicherlich die immer lauter werdenden Stimmen internationaler Tierschutz-Organisationen wie die „Liga für Tierschutzpolitik" und der IFAW (Internationale Tierschutz-Fonds). Der IFAW-Leiter der europäischen Robbenkampagne Dr. Ralf Sonntag begrüßte die Entscheidung des Riesenstaats: „Wir sind begeistert, dass die russische Regierung ihr Versprechen einlöst, sich für den Schutz der Sattelrobben einzusetzen", so die erleichternden Worte.
Auch Brüssel regt sich. Der Binnmarktausschuss des EU-Parlaments hatte Anfang März wegen der „unmenschlichen" Methoden bei der Robbenjagd für ein europaweites Einfuhr- und Handelsverbot gestimmt. Davon betroffen sind Produkte, Öle und Robbenfleisch. Unklar ist, wie Kanada darauf reagieren wird. Die Einsicht Russlands lässt aber hoffen. Denn sie hatten Anfang Februar auch noch nur die Jagd auf Robbenbabys in den ersten Wochen nach der Geburt verboten. (sdo)