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18.04.2008PRIVATSPHÄRE UNTER BESCHUSS

Klatschpresse zerrt Natascha Kampusch als 'Sexsklavin' ins Rampenlicht

Das Entführungsdrama um Natascha Kampusch lässt die heute 18 -Jährige auch über ein Jahr nach Ende ihres Märtyriums und des Selbstmord ihres Peinigers Wolfgang Priklopil nicht zur Ruhe kommen: In der österreichischen Presse sind jüngst Dokumente aufgetaucht, die angeblich aus den Ermittlungsakten stammen. Die Boulevardpresse überschlägt sich nun mit Spekulationen über Kampusch als 'Sexsklavin' Priklopils und mögliche Mittäter.

Unterdessen muss sich die Polizei den Fragen des Untersuchungsauschusses stellen, der vermutete Fehler und Schlampereien bei den Ermittlungen ans Licht bringen will. Eventuell sind die streng geheimen Akten auf diesem Weg an die Öffentlichkeit gelangt.

Allen voran wartet die österreichische Gratiszeitung 'Heute' mit immer neuen Sensationsmeldungen zum Fall Kampusch auf. Das Blatt hat angeblich Zugang zu geheimen Informationen, die belegen, dass Priklopil sein Opfer als Sexsklavin missbraucht hat. Auch Spekulationen, ob Priklopil Komplizen gehabt hatte, sind neu aufgeflammt. Die Meldungen stützen sich teilweise auf sehr vertrauliches Material, wie ein Gespräch zwischen Natascha und ihrem Arzt. In Österreich haben sich bereits Medienrechtler zu Wort gemeldet, die den Sensations-Journalismus der Schreiber verurteilen.

Grundlage für die Spekulationen um Mittäter ist unter anderem ein Satz aus den Ermittlungsakten: Auf die Frage, ob es Mittäter gegeben habe, antwortete Kampusch mit der rätselhaften Formulierung „ich weiß keine Namen." Allerdings machte das Opfer diese Aussage nicht während einer Vernehmung, die Worte sind auch nicht mitprotokolliert worden. Sie stammen im Gegenteil aus dem Gedächtnisprotokoll, das eine Beamtin anfertigte, nachdem sie Kampusch unmittelbar nach ihrer Flucht betreute. Entgegen der Vorwürfe war die Polizei dieser Spur nachgegangen, ein Verdacht habe sich aber nicht verhärtet, erklärte ein Sprecher der Polizei.

Derzeit untersucht zudem ein perlamentarischer Ausschuss die Vorgehensweise der Polizei bei den Ermittlungen. Medienrechtler vermuten, dass hier die undichte Stelle zu suchen sei, durch die die privaten Details an die Öffentlichkeit gelangen konnten. Sprecher des Parlaments weisen dies allerdings als "vollkommen ausgeschlossen" zurück. Geheime Akten seinen mit Wasserzeichen geschützt und dürften den speziellen Sichtungsraum im Parlament nicht verlassen.

Der Chef des Untersuchungsausschusses, Ludwig Adamovich, beschwerte sich hingegen, dass dem Ausschuss nicht alle Akten zum Fall Kampusch zugänglich gemacht worden seien. Die Polizei hätte einige Unterlagen unter Verschluss gehalten, oder nach der Einstellung der Ermittlungen an Natascha Kampusch zurückgegeben. Die Polizei verteidigt dieses Vorgehen: Nach dem Selbstmord von Priklopil waren die Ermittlungen zu Ende, und an Details aus Nataschas Leben hätte niemand außer der jungen Frau selbst ein Recht gehabt .

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Die heute volljährige Natascha Kampusch war als 10-Jährige von Wolfgang Priklopil entführt worden und jahreland in einem Kellerverlies gefangen gehalten worden, bis ihr schließlich 2006 die Flucht gelang. Priklopil beging Selbstmord, woraufhin die Polizei die Ermittlungen einstellte. Die traumatisierte Kampusch wandte sich mit ihrer Geschichte schließlich selbst an die Medien, um den dort grassierenden Spekulationen ein Ende zu bereiten und um Rücksichtnahme zu bitten.

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