Nachdem in der vergangenen Woche die Anklage im Mordfall Meredith Kercher für den Angeklagten Rudy Guede lebenslänglich gefordert hatte, sind am heutigen Montag in Perugia die Nebenkläger zu Wort gekommen. Dabei hat Rechtsanwalt Francesco Maresca die Entschädigungsforderung der Angehörigen des Opfers quantfiziert: Fünf Millionen für jeden der Hinterbliebenen fordert der Jurist in einem Prozess, der medial zum am meisten verfolgten Prozess der italienischen Nachkriegsgeschichte avancieren dürfte.
"Wir haben eine ökonomische Forderung in Höhe von 25 Millionen Euro für die gesamte Familie von Meredith Kercher aufgestellt", so Maresca. "Es handelt sich um eine ökonomische Forderung in Höhe von fünf Millionen Euro für jeden der Angehörigen von Metz, und sie bezieht sich einzig auf den Angeklagten Rudy Guede, der als einziger das verkürzte Strafprozessverfahren in Anspruch genommen hat".
Amanda Knox
Die Strafverteidiger rüsten indessen ihrerseits zum Plädoyer. Am morgigen Dienstag ist das Plädoyer der Verteidiger von Amanda Knox vorgesehen, während am Freitag und am Samstag die Anwälte der Mitangeklagten Raffaele Sollecito und Rudy Guede ihre Sichtweise darlegen werden. Einer der Anwälte Solecitos, Marco Brusco, hat dabei die Verteidigungsstrategie im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung 'Corriere della Sera' bereits vorweggenommen: "Es wird weiterhin viel von Gruppengewalt und Hruppenmord und sexueller Gewalt geredet, es ist aber, seien wir mal ehrlich, kein einziges sicheres Element aufgetaucht, dass diese Hypothese belegt. Es ist völlig unverständlich, wie sich die drei, die sich weder kannten, noch miteinander umgingen, sich diese Sache zusammen hätten ausdenken sollen".
Luciano Ghirga, Anwalt der Amerikanerin Amanda Know, die die Medien wegen ihres ansprechenden Äußeres in den Mittelpunkt ihres Interesses gerückt haben, geht hingegen frontal auf die Staatsanwälte los: "Die Persönlichkeit meiner Mandantin zu behandeln hätte nicht Gegenstand dieser Verhandlung werden dürfen, wo es einzig darum geht, ob sie vor Gericht geladen werden soll oder nicht." Auch prangert Ghirga das andauernde Leck von sensiblen Informationen seitens der Staatsanwaltschaft an die Presse an: "Heute um 11 wusstet ihr Journalisten bereits alles, auf einer solchen Grundlage kann kein Strafverfahren fortgeführt werden, in dem es um das Leben dreier junger Leute sowie um die Aufklärung eines Mordfalls geht".
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Nicodemo Gentile kommentierte hingegen die Forderung lebenslanger Haft seitens der Staatsanwälte hinsichtlich seines Mandanten Rudy Guede wie folgt: "Ab der nächsten Anhörung werden wir die Rekonstruktion der Ereignisse, die Rudy belastet, auf analytische Weise Schritt für Schritt auseinandernehmen". (mso)